Die deutsche Nationalmannschaft hat nach ihrer vorzeitigen und viel gelobten Qualifikation für die EURO 2008 eine böse Überraschung erlebt. Beim

Löw-Truppe lässt gegen Tschechen gewaltig Federn

Erste Pflichtspiel-Pleite unter Löw

sid
17. Oktober 2007, 22:39 Uhr

Die deutsche Nationalmannschaft hat nach ihrer vorzeitigen und viel gelobten Qualifikation für die EURO 2008 eine böse Überraschung erlebt. Beim "Charaktertest" im vorgezogenen "Endspiel" um den Gruppensieg deckte Tschechien zuletzt unbekannte Schwächen bei der deutschen Mannschaft auf und sicherte sich durch ein 3:0 (2:0) ebenfalls vorzeitig die Teilnahme an der EM-Endrunde.

Die Auswahl von Bundestrainer Joachim Löw, der vor der Verlängerung seines Vertrages bis 2010 steht, konnte nach ihrem beeindruckenden Durchmarsch in die EURO-Gastgeberländer Österreich und Schweiz einen Spannungsabfall nicht vertuschen und musste sich ein Pfeifkonzert in der Münchner Arena gefallen lassen.

Durch die erste Pflichtspiel-Niederlage unter Löw liegt die deutsche Mannschaft, die das Hinspiel in Prag noch mit 2:1 gewonnen hatte, in der Gruppe D nun mit weiter 23 Punkten gleichauf mit den Tschechen. Über Platz eins und zwei entscheidet bei Punktgleichheit nach Abschluss der Quali der direkte Vergleich - die der deutsche Konkurrent nun für sich entschieden hat. Für beide Mannschaften stehen noch jeweils zwei Qualifikationsspiele aus. Die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) trifft dabei noch auf Zypern (17. November in Hannover) und Wales (21. November in Frankfurt), die Tschechen auf die Slowakei und Zypern.

Begünstigt durch ihre eigenen Unkonzentriertheiten und Stellungsfehler kassierte die schwache deutsche Mannschaft in der mit 66.000 Zuschauern ausverkauften Münchner Arena die höchste Niederlage seit dem 1:4 in Italien am 1. März 2006 und die höchste daheim seit dem 0:3 gegen Frankreich am 15. November 2003 in Gelsenkirchen.

Die wesentlich konzentrierteren Tschechen, die ohne ihren Mittelfeldregisseur und Mannschaftskapitän Tomas Rosicky antreten mussten, nutzten die Fehler der DFB-Auswahl kaltschnäuzig durch Libor Sionko (2.), Marek Matejowksy (23.) und Jaroslav Plasil (64.) aus. Ganz besonders die Defensivleistung der deutschen Mannschaft, nach dem Spiel am vergangenen Samstag noch allseits gelobt, ließ stark zu wünschen übrig. Im Mittelfeld und Angriff fehlte zudem eine klare Linie.

Bundestrainer Löw, dessen Vertragsverlängerung nur noch als Formsache gilt, hatte nach dem 0:0 am vergangenen Samstag in Irland wie angekündigt seine Anfangsformation geändert. Neben dem Wechsel von Lukas Podolski für Mario Gomez und von Torhüter Timo Hildebrand für den gelb-gesperrten Jens Lehmann kam zudem David Odonkor auf der rechten Außenbahn für Clemens Fritz zum Einsatz.

Hildebrand wurde bei seinem siebten Länderspiel von seinen Vorderleuten aber böse im Stich gelassen. Das 0:1 war zudem der schnellste Gegentreffer für eine deutsche Mannschaft seit dem WM-Finale gegen die Niederlande 1974 (2:1), als sie in der 2. Minute in Rückstand geriet.

Auch das Offensivspiel der DFB-Elf ließ zu wünschen übrig. Schweinsteiger wirkte nach seinem Patzer vor dem 0:1, das er durch einen völlig unmotivierten Querpass vor dem eigenen Strafraum einleitete, von der Rolle. Lukas Podolski tauchte völlig unter, auch Sturmpartner Kevin Kuranyi hing in der Luft.

Der Schalker hatte immerhin zweite sehr gute Kopfball-Gelegenheiten zum Anschlusstreffer (36. und 43.), zielte aber jeweils knapp neben das Tor von Weltklasse-Schlussmann Petr Cech. Die Flanken hatte der zur Halbzeit ausgewechselte Piotr Trochowksi hereingegeben. Für ihn kam der Leverkusener Simon Rolfes.

Mit einer Systemumstellung in der zweiten Halbzeit, in der außerdem Fritz für Metzelder kam, versuchte Löw seiner Mannschaft neuen Elan zu verleihen, doch Ideen und eine klare Linie waren nach wie vor nicht zu erkennen. Bezeichnenderweise war die beste Chance Folge einer Standardsituation, als Schweinsteiger einen Freistoß auf das Tor von Cech trat (56.).

Nur eine Minute später traf Matejovsky nur den Außenpfosten, kurz darauf machte es Plasil besser und schoss den Ball ins lange Eck - der bedauernswerte Hildebrand hatte wieder keine Chance. Bei dieser Situation sah Arne Friedrich wie zuvor Metzelder beim 0:1 und 0:2 nicht gerade gut aus.

Autor: sid

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