KFC-Kommentar

Ponomarev lässt alle Kritiker verstummen

Krystian Wozniak
29. Mai 2018, 16:00 Uhr

Foto: Getty Images

Der KFC Uerdingen ist im Eiltempo von der 5. in die 3. Liga aufgestiegen. Ein großes Lob gebührt an dieser Stelle Präsident und Gönner Mikhail Ponomarev. Dieser hatte nicht immer einen leichten Stand. Ein Kommentar.

Im März 2015 platzte die Bombe: Ein Russischer Millionär steigt beim KFC Uerdingen ein. Die Krefelder befanden sich zu dieser Zeit einmal mehr in einer finanziellen Schieflage. Der damalige Präsident Lakis zauberte Ponomarev aus dem Hut. Mit dessen Hilfe wollte der griechische Immobilienunternehmer den KFC wieder nach oben führen. Dieses Ziel wurde nun erreicht - ohne Agissilaos "Lakis" Kourkoudialos.

Die Uerdinger stiegen in der Saison 2015/16 aus der Regionalliga ab. Ponomarev übernahm langsam das Ruder. Das Verhältnis zu Lakis war nach nur wenigen Monaten zerrüttet. Im Frühsommer 2016 trat Lakis als Präsident zurück. Ende Juni übernahm der 44 Jahre alte russische Geschäftsmann das Präsidentenamt. Fortan konnte den KFC niemand mehr aufhalten.

Die Uerdinger marschierten durch die Oberliga und schafften den Wiederaufstieg. Aber: Aufstiegstrainer Andre Pawlak sowie mehr als ein Dutzend Aufstiegsspieler mussten gehen. Ponomarev ist ein Geschäftsmann mit klaren Vorstellungen, die Hand und Fuß haben. Von Dankbarkeit oder Sentimentalitäten hält er nichts. Er denkt nur an den Erfolg. Ein echter Profi. Pawlak und der Oberliga-Aufstiegsmannschaft dankte er für die Regionalliga-Rückkehr: Auftrag erfüllt, mehr aber auch nicht. Der Russe wusste, dass es eine Etage höher um einiges schwieriger sein würde, das Ziel zu realisieren: so schnell wie möglich in den Profifußball zu gelangen.

Das konnte er nur mit viel Geld und einem dafür erforderlichen Kader bewerkstelligen. Ponomarev holte Michael Wiesinger, der zuvor erfolgreich bei der Spielvereinigung Elversberg arbeitete. Ex-Profi Wiesinger bekam eine Top-Mannschaft bereitgestellt. Rene Vollath, Mario Erb, Christopher Schorch, Lucas Musculus oder Christian Müller, um nur einige bekannte Namen zu nennen. In der Winterpause wurde sogar noch einmal mit Maximilian Beister nachgelegt. Letztendlich mit Erfolg.

Doch genau kurz nach der Winterpause stockte der KFC-Motor. Dreimal in Folge spielte Wiesingers Elf nur Remis. Es wurde unruhig, Ponomarev zappelig. Er polterte schon nach einer Nullnummer im Testspiel gegen TuRU Düsseldorf. Nach dem Pokal-Aus gegen Oberhausen war er mächtig sauer. Das Fass zum Überlaufen brachte aber ein 2:2-Unentschieden bei Rot-Weiss Essen. Ponomarev hielt es nicht mehr aus. Er stürmte in die Kabine und knöpfte sich Mannschaft und Trainer vor. Kurz danach folgte die Entlassung von Michael Wiesinger.

Nicht Wenige hielten den russischen Millionär in diesen Tagen für realitätsfern, ja sogar verrückt oder um es salopp zu sagen: bekloppt. Rot-Weiss Essens Vereinslegende Frank Kurth hatte während des Auswärtsspiel des KFC im Stadion Essen eine Begegnung mit dem Uerdinger Präsidenten auf der Toilette. Kurth sagte damals: "Ich erzähle Ihnen was: Ich habe zwar nicht den Scheich von Dubai getroffen. Dafür habe ich aber einen russischen Geldgeber aus Krefeld auf der Toilette an der Hafenstraße erlebt. Sie glauben nicht, in welchem Ton der mit seinen Lakaien spricht. Ein Fan sagte darauf, dass er lieber noch 25 Jahre in der Regionalliga bleibt, als dass so jemand den Verein führt. Ich denke, treffender kann man es nicht ausdrücken." Sei mal dahin gestellt, ob sich der ein oder andere RWE-Fan vielleicht doch nicht so einen Geldgeber wie Ponomarev an der Hafenstraße wünschen würde - der Erfolg spricht derzeit für den KFC und Ponomarev. Bei RWE ist die Sehnsucht nach einem Aufstieg schließlich auch riesengroß.

Volltreffer Krämer! 14 Spiele, 13 Siege, ein Remis

Nach dem Essen-Spiel und den Nebenkriegsschauplätzen war eigentlich klar: Vorteil Viktoria Köln. Im Uerdinger Umfeld rumort es und die werden sich schon beim KFC selbst zerstören und zermürben, hieß es. Denkste! Ponomarev entließ Wiesinger und stellte Stefan Krämer, an dem die Uerdinger schon vor Wiesinger Interesse bekundeten, als neuen Trainer vor. Volltreffer! 14 Spiele, 13 Siege, ein Remis. Der KFC erhöhte unter Krämer das Tempo und walzte wie eine Dampf-Lok durch die Liga. Von Sieg zu Sieg - zur Meisterschaft.

Ponomarev ließ seine Kritiker verstummen. Er behielt Recht. Der KFC holte seit Krämers Amtsantritt Mitte März 34 von 36 Punkten. Die Mannschaft ging gestählt in die Relegationsspiele gegen Mannheim. Beide Spiele gewann Uerdingen und entfachte zeitgleich eine seit Jahrzehnten nicht dagewesene Euphorie rund um den KFC. Über 18.000 Zuschauer im Hinspiel, 3000 Krefelder in Mannheim, mehrere tausend Fans empfingen gegen Mitternacht die Mannschaft in Krefeld, am Montag feierten Tausende den KFC auf dem Rathausplatz. Die Stadt, die Menschen, ganz Krefeld haben sich nach diesen Momenten des Erfolgs so lange gesehnt. Vielleicht auch nach Mikhail Ponomarev.

Er führte schon Bournemouth in die Premier League, also warum nicht auch den KFC Uerdingen in die Bundesliga? Mit diesem Mann scheint in Krefeld alles möglich zu sein.

Autor: Krystian Wozniak

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