Es hat gerade einmal drei Monate gedauert, bis Jermaine Jones zu einem der wertvollsten Kicker im Team des FC Schalke geworden ist. Mit seinen zuletzt überragenden Leistungen hat sich der Neuzugang aus Frankfurt nicht nur in der ersten Elf von Trainer Mirko Slomka festgespielt, sondern ist auch ins Blickfeld von Bundestrainer Joachim Löw hinsichtlich der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz geraten. Im Interview mit RevierSport erklärt der im Frankfurter Problemviertel Bonames aufgewachsene Sohn eines amerikanischen GI's und einer deutschen Mutter, warum ihm der Glaube und der Aberglaube gleichermaßen zu Höchstleistungen verhelfen.

Schalke: Jermaine Jones über Glaube, Aberglaube und echte Fußball-Typen

"Vor Leuten wie Kahn oder Effenberg ziehe ich den Hut"

16. Oktober 2007, 09:34 Uhr

Es hat gerade einmal drei Monate gedauert, bis Jermaine Jones zu einem der wertvollsten Kicker im Team des FC Schalke geworden ist. Mit seinen zuletzt überragenden Leistungen hat sich der Neuzugang aus Frankfurt nicht nur in der ersten Elf von Trainer Mirko Slomka festgespielt, sondern ist auch ins Blickfeld von Bundestrainer Joachim Löw hinsichtlich der EURO 2008 in Österreich und der Schweiz geraten. Im Interview mit RevierSport erklärt der im Frankfurter Problemviertel Bonames aufgewachsene Sohn eines amerikanischen GI's und einer deutschen Mutter, warum ihm der Glaube und der Aberglaube gleichermaßen zu Höchstleistungen verhelfen.

Jermaine Jones, wenn sich ein Fußballer in eine neues Team und ein anderen Umfeld integriert hat, spricht man gerne davon, dass er angekommen sei. Wie sind Sie angekommen?

Sehr gut, sportlich und privat. Für den sportlichen Bereich ist es das Wichtigste ist, dass ich gesund bin. Darauf haben wir lange hingearbeitet, denn ich war ja in der Vorbereitung schon eine Woche eher als die Teamkollegen hier auf Schalke. Nach einem Jahr Pause war ich total heiß auf Fußball spielen, ich glaube, das merkt man auch. Alle haben sich Gedanken darüber gemacht, ob es klappt und dass es so gut klappt, macht mich um so glücklicher.

Und privat?
Ich wohne mit meiner Familie, wie zum Beispiel auch Marcelo Bordon und Fabian Ernst, in Schermbeck. Dort fühlen wir uns sehr wohl. Die Leute sind ganz nett zu uns. Natürlich klingeln schon mal Kinder an und wollen Autogramme, aber diesen Wunsch erfülle ich gerne.
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Obwohl Sie erst 25 Jahre alt sind, leben Sie mit Ihrer Frau Sarah und zwei Kindern zusammen. Kann man sagen, dass Sie die Geborgenheit der Familie suchen?

Auf jeden Fall! Es gibt nichts Schöneres, wenn man nach einem Spiel nach Hause kommt und die Kinder um sich hat. Dort kann ich nach einem Spiel auch am besten abschalten. Ich bin selbst in einer Großfamilie aufgewachsen, wir waren fünf Kinder. Wir haben noch zwei Hunde und es sind auch noch mehr Kinder in der Planung.

Zurück zum Sport: Mirko Slomka und Andreas Müller haben schon nach der Auswertung der ersten Leistungstests und vor der Saison Ihre Fitnesswerte gelobt. Woher kommt diese unglaubliche Power des Jermaine Jones?

Es ist wohl eine Mischung aus angeborener Konstitution und harter Arbeit. Die Athletik ist mir ja von meinem Vater quasi in die Wiege gelegt worden. Neben dem Mannschaftstraining lege ich aber immer noch einige Extraschichten im 'Medic.os' ein. Mit Marcelo Bordon oder Kevin Kuranyi bin ich oft am Kraftraum. Da ich bisher so viele Verletzungen hatte, hat mir Marcelo ans Herz gelegt, ich solle ich noch mehr für meinen Körper tun. Er hat recht, ich hänge mich schon an ihn heran.
Durchtrainiert sein ist das eine, aber es heißt auch, Sie haben innerhalb des Schalkes Kaders einen der geringsten Körperfettanteile.
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Das ist so, weil meine Frau sehr auf meine Ernährung achtet. Deshalb habe ich auch in der Zeit, als ich nicht spielen konnte, nicht an Gewicht zugelegt. Es gibt bei uns zu Hause kein Schweinefleisch und alle Gerichte werden stets frisch zubereitet. Das gesunde Essen hat mich am Anfang zwar genervt, aber inzwischen habe ich mich daran gewöhnt und es kommt mir schließlich zugute.

Die beste Ernährung schützt den Fußballer nicht vor Verletzungen durch Fremdeinwirkung. Bei Ihrer Vorstellung auf Schalke Anfang Juli haben Sie sich darüber geärgert, als man Sie auf Ihre angeblichen Glasknochen ansprach. Wie ist das drei Monate später?

Wenn man so oft und so lange verletzt war wie ich, dann hat man natürlich immer den Gedanken im Hinterkopf, dass etwas passieren könnte. Es ist aber nicht so, dass ich gehe ins Spiel und denke: das geht nicht gut! Ich bete zu Gott, dass ich jedes Spiel heil überstehe und bisher hat es geklappt. Nur er kann mich schützen.

Wie es heißt, sind Sie aber auch sehr abergläubisch. Welche Rituale pflegen Sie vor einem Spiel?

Ich habe ein bestimmtes Lied, das ich vor jedem Match höre. Es ist ein Stück von der Band Aventura. Außerdem betreten ich den Rasen erst immer mit dem rechten Schuh.

Apropos Schuh: Sie tragen immer noch den guten, alten Copa Mundial, während die meisten Ihrer Teamkollegen auf neuere und buntere Modelle zurückgreifen. Warum?
Ich habe die neueren Modelle auch immer getestet, war sogar ein richtiger Schuhfreak. In Frankfurt hatten wir einen anderen Ausrüster, aber als ich nach Schalke kam, habe ich natürlich den Predator und den F50 probiert, kam aber mit den Schuhen nicht zurecht. Mit dem Copa komme ich super klar. Da ich nicht mit Stollen spielen kann, habe extra für mich präpariert gemischte Nocken- und Stollenschuhe. Bald kommt aber ein neuer Copa auf den Markt, dann werde ich den nutzen.

In der Schuhwahl scheinen Sie konservativ. Dies kann man angesichts Ihres sonstigen Outfits nicht gerade sagen, vor allem Ihre Tattoos sind sehr auffällig. Wie kam es dazu?

Das ist ein Hobby von mir und hat nichts mit Bad Boy zu tun. Es gefällt mir einfach, wie zum Beispiel auch Christian Pander. Durch meine Tattoos verarbeite ich Ereignisse, alles, was ich am Körper tage, hat mit dem zu tun, das ich erlebt habe. Als ich in Franfurt suspendiert wurde, habe ich gesagt: Niemand kann mich verbiegen, außer meine Mutter und Gott. Daher kommt der Spruch 'Only god can judge me'. Vor ein paar Jahren war ich wohl der Erste in der Bundesliga, der mit Tattoos herumlief, doch inzwischen ist das nicht mehr so selten.

Es wird oft belagt, dass dem Fußball echte Typen fehlen. Wenn Sie dann mit auffälligen äußerlichen Merkmalen daherkommen oder in einem schwierigen Umfeld groß geworden sind, dann schlachtet man dies auf der anderen Seite gerne für Geschichten aus. Nervt Sie das?

Nein, ich kann damit umgehen. Ich bin eben nicht in einem Reihenhaus groß geworden, sondern in einem Hochhaus. In dieser Zeit habe ich auch gelernt zu beißen, das kommt mir jetzt auf dem Platz vielleicht zugute. Gerade vor Leuten wie Oliver Kahn und Stefan Effenberg ziehe ich den Hut. Die haben immer gesagt, was sie dachten, auch wenn es vielen nicht gepasst hat. So sind sie in Deutschland zu Persönlichkeiten geworden, vor denen man Respekt hat. Ich bin halt nicht der blonde Typ, sondern der braune.

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