WSV

Finanzielle Schieflage gefährdet Aufstiegsziel 2020

Krystian Wozniak
20. März 2018, 14:31 Uhr

Foto: Stefan Rittershaus

Ende Januar 2017 stellte der Wuppertaler SV das Konzept "WSV 2020" vor. Bis dahin wollen die Bergischen an die Drittliga-Tür klopfen.

Am Montag folgte die Jahreshauptversammlung - mit schlechten Neuigkeiten. Die letzten Monate verliefen beim Wuppertaler SV turbulent. Obwohl die Mannschaft eine tolle Saison spielt, herrschte hinter den Kulissen immer wieder Unruhe. Alles begann im Dezember 2017 vor der Weihnachtsfeier.

Zu diesem Zeitpunkt erfuhr RevierSport, dass Erfolgstrainer Stefan Vollmerhausen auf der Wunschliste des FC Viktoria Köln steht. Dieser Fakt brachte Unruhe rein. Vor allem das Verhältnis zwischen WSV-Sportchef Manuel Bölstler und Coach Vollmerhausen wurde noch mehr belastet als es zuvor ohnehin schon der Fall war. Letztendlich platzte Vollmerhausens Wechsel zum amtierenden Regionalliga-West-Meister und Tabellenführer.

Wir haben aktuell zehn Spieler, denen wir keinen Vertrag anbieten können. Wir haben kein Trainerteam, keinen Physiotheraputen usw. Jeder sollte wissen, was hier los ist. Wir spielen am Limit
Manuel Bölstler, WSV-Sportvorstand

Auch wenn sich die Wuppertaler Führungsriege um Bölstler und Lothar Stücker kurze Zeit später mit ihrem Trainer ausgesprochen hatte und einen Neuanfang versuchte, galt das Vertrauensverhältnis als zerrüttet. Vollmerhausen bereitete das Team noch im spanischen Trainingslager des WSV auf die Restrunde vor. Kurz vor dem Rückrundenstart platzte dann die Bombe: Der Wuppertaler SV hatte Vollmerhausen fristlos gekündigt. Am Ende zog der WSV diese fristlose Kündigung zurück und die Parteien einigten sich stillschweigend auf eine vorzeitige Vertragsauflösung des zum 30. Juni gültigen Trainer-Kontrakts. Man kann davon ausgehen, dass es eine recht kostspielige Trennung für den WSV gewesen ist.

In den vergangenen Tagen gab der Verein bekannt, dass man nicht wie noch im Oktober angekündigt, die bis zum 1. März 2018 fällige Drittliga-Lizenz beantragt hat. Der Grund: Die aktuelle finanzielle Situation des Klubs sei nicht so rosig, um eine Drittliga-Lizenz zu beantragen.

Wie es um die Vereins-Finanzen wirklich steht, wurde am Montag bekannt. Auf der Jahreshauptversammlung vor 260 anwesenden Mitgliedern präsentierte der Regionalligist, der mit einem Etat von rund 850.000 Euro für die Regionalliga-Mannschaft antritt, rote Zahlen. Der WSV schloss das Geschäftsjahr 2016/17 mit einem Defizit von 136.736 Euro ab. Für die laufende Saison ist die Prognose nicht besser. Hier rechnen die Verantwortlichen des WSV mit einem Defizit von 157.500 Euro. "Wir brauchen dringend Unterstützung, sonst können wir unsere Ziele nicht erreichen", nahm Sportvorstand Bölstler kein Blatt vor den Mund. Heißt übersetzt: Sollte der WSV keine neuen Gelder generieren, ist auch das Konzept WSV 2020, welches den Aufstieg in die 3. Liga beinhaltet, stark gefährdet.

Hilferuf: Sportvorstand appelliert an alle Wuppertaler - Bölstlers Zukunft auch ungewiss

Bölstler ging noch einen Schritt weiter und sagte, dass die neue Saison personell gesehen noch lange nicht durchgeplant sei. Denn mit Sebastian Wickl, Tjorben Uphoff, Peter Schmetz, Sascha Schünemann, Gino Windmüller, Kevin Hagemann, Christopher Kramer, Dennis Dowidat, Semir Saric und den aktuell verliehenen Terada-Brüder Shun und Ryo, stehen nur elf Spieler für die Spielzeit 2018/19 unter Vertrag. Die Zukunft von Leistungsträgern wie Silvio Pagano, Gaetano Manno, Niklas Heidemann oder Andre Mandt ist noch ungewiss. "Ich würde gerne jedem Spieler einen neuen Vertrag anbieten. Stand jetzt ist das aber nicht möglich. Wir haben aktuell zehn Spieler, denen wir keinen Vertrag anbieten können. Wir haben kein Trainerteam, keinen Physiotheraputen usw. Jeder sollte wissen, was hier los ist. Wir spielen am Limit", betonte Bölstler auf der Versammlung in der Wuppertaler Hako-Event-Arena.

Zum Thema 3. Liga ergänzte der 34-jährige Bölstler: "Wir sind nicht reif für die 3. Liga. Wir sind auch nicht reif, um in der Regionalliga oben anzugreifen. Da muss ich mich selbst auch immer wieder von den Ansprüchen runterholen. Ich will so schnell wie möglich nach oben. Wenn die Unterstützung aus der Stadt nicht kommt, ist die 3. Liga nicht machbar. Wir entwickeln uns spielerisch. Wenn keine Unterstützung kommt, müssen wir das Rad zurückdrehen. Wenn wir, wie Stand jetzt, sechs bis sieben Leistungsträger abgeben müssen, dann wirft uns das um Jahre zurück. Jeder Mensch in Wuppertal kann uns helfen. Alleine schon damit, einen Mitgliedsantrag auszufüllen."

Bleibt abzuwarten, ob Bölstler, der einen Vertrag bis zum 30. Juni 2020 besitzt, diesen auch erfüllen wird. An dem ehrgeizigen Ex-Profi war nach RS-Infos schon in der Winterpause Drittligist VfR Aalen, zu dem bekanntlich Rot-Weiss Essens Trainer Argirios Giannikis im Sommer wechseln wird, interessiert. Sollte Bölstler in den nächsten Wochen beim WSV keine Bewegung sehen, könnte er auch stark ins Grübeln kommen...

Autor: Krystian Wozniak

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