Linda Bresonik und die Entwicklung von der

SSG: Von der "Formalität" hin zur Emotionalität

"Ich bin Weltmeisterin, ja und?"

06. Oktober 2007, 22:49 Uhr

Linda Bresonik und die Entwicklung von der "Formalität" zur Emotionalität. Die 23-Jährige ist zweifache Weltmeisterin, allerdings gebraucht sie für den Triumph 2003 den erstgenannten Begriff. "Erst jetzt fühle ich mich als Titelträgerin." Und das lebt sie aus. Bresonik: "Ich setze mich bestimmt nicht zur Ruhe und kriege Kinder." Sie drückt weiter auf das Gas-Pedal, vor allen Dingen heute ab 14 Uhr am Stoppenberger Hallo gegen Turbine Potsdam und die Nationaltorhüterin Nadine Angerer. "Die Olympiade 2008 und die WM 2011 in Deutschland sind meine nächsten Ziele", kündigt Bresonik an.

Das Fest der Ringe ist wieder im Land des Lächelns, in Peking, für Bresonik somit ein Aufleben der gerade frisch gemachten Eindrücke. "Wer kommt schon einmal nach China?", grübelt die Mittelfeldakteurin, die allerdings auch zugibt, nicht viele wirklich tiefe Einblicke in die Kultur gemacht zu haben. "Natürlich wird man angesprochen, ich war auch zweimal in einem Massage-Center direkt am Hotel." So dass man unter die Leute kam.

In China aber mit Menschen über gesellschaftliche Strukturen zu diskutieren oder sogar über Politik, das kam nicht in Frage. Bresonik hatte schon den Eindruck von "strenger Überwachung", dass Nachrichten "abgeblockt" wurden, von "Drill". Und wenn man bei "Touren" ansatzweise Hintergründe sah, blieben "Armenviertel" in Erinnerung, "mit Hunden und Katzen in Käfigen vor der Tür", die vielleicht "nur darauf warteten, in die Pfanne gehauen zu werden."

Interessant ist doch jetzt die Entwicklung des deutschen Frauenfußballs. "Ich lasse alles auf mich zukommen", legt sich die Ex-Duisburgerin fest, "ein Management lege ich mir bestimmt nicht zu." Auch bei den medialen Geschichten wägt sie vorsichtig ab, "die Boulevardschiene ist mit mir nicht zu machen."

Allerdings: "Eine Anfrage des Playboys würde ich mir überlegen." Letztendlich muss man abwarten, wie die Öffentlichkeit weiter mit dem Sport umgeht: "Auch vor vier Jahren hat man den ganz großen Boom prognostiziert", sinniert Bresonik. Der Nachwuchs drängt in die Clubs, man wartet aber immer noch auf den ganz großen Knall. Allerdings hat man jetzt die potenzielle Gastgeberrolle 2011 vor der Brust, Türen gehen auf. Bresonik: "Ich bin gespannt, wie man damit umgeht. Zum Beispiel kann man unter den Spielerinnen nur dann mehr Geld verteilen, wenn auch mehr im Pott ist."

Die Akteurinnen haben viel selbst in der Hand, das Bild ihres Sports in der Öffntlichkeit zu prägen. Bresonik: "Natürlich wollen die Fans jetzt auch so einiges aus der Privatsphäre wissen, das ist so wie bei den Männern. Aber man sollte sich nicht darauf einlassen, auf bestimmte Sachen reduziert zu werden." Weil der Sport weiterhin dominant sein muss.

Bresonik ist mit ihren 23 Jahren gewissermaßen zwischen den Generationen, ganz junge Kickerinnen kommen auf, Routiniers werden zurücktreten. "Der Fußball ist schneller geworden, ich musste machmal ganz schön schlucken", gibt Bresonik einen Einblick. Gestern, Samstag, war die gebürtige Essenerin im Aktuellen Sportstudio (ZDF), vorab war auch eine Abordnung bei Thomas Gottschalks "Wetten dass". Bresonik: "Mein Gott, früher hätte man sich für unseren Sport auf den Kopf stellen können, das hätte man nicht geschafft."

Mit zweifachen Weltmeisterinnen schmückt man sich schon gerne. Bresonik bedient willig und geduldig die Bedürfnisse der Medien, allerdings bleibt sie angenehm sachlich: "Ich bin Weltmeisterin, ja und? Deshalb verändere ich mich persönlich doch nicht." Kein Stolz? "Ich glaube, diese Emotion hatte ich noch nie wirklich in meinem Leben. Ich weiß, mein Vater ist stolz auf mich."

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