Für den Olympischen Sport-Club Rheinhausen scheint derzeit das Olympische Motto

Bezirksliga 6 NR: Jürgen Panknin (Trainer OSC Rheinhausen) im Interview

"Hackordnung im Team fehlt noch"

Moritz Rieckhoff
06. Oktober 2007, 11:50 Uhr

Für den Olympischen Sport-Club Rheinhausen scheint derzeit das Olympische Motto "Dabei sein ist alles" so sehr zu zählen wie für keinen Verein der Bezirksliga 6. Ein Punkt nach acht Spielen lässt die Mannschaft von Linienchef Jürgen Panknien derzeit als den Träger der Roten Laterne dastehen. Da Fußball aber nun nicht Olympia ist, und selbst dort der einstige sportliche Gedanken schon lange nicht mehr das einzige ist was zählt, sondern Ergebnisse und Platzierungen in ihrer Wichtigkeit einen immer höheren Stellenwert erreichen, ist die Stimmung am Volkspark dementsprechend schlecht.

Vor dem Match gegen den unmittelbaren Tabellennachbarn KSV Pascha Spor bezieht Coach Panknin im Interview mit RevierSport online Stellung und äußert sich über die derzeitige Situation, sein Verhältnis zum Vorstand und das Klima innerhalb seiner Elf.

RevierSport online: Hallo Herr Panknin. Nach einer erneuten Niederlage ist Ihr Team nun Tabellenletzter. Sie sind nach dem Match in den Urlaub gefahren. Beinahe möchte man ja jetzt schon von einem wohlverdienten Urlaub sprechen.

Jürgen Panknin: "Ich bin nicht vor den Verhältnissen und der derzeitigen Situation beim OSC geflohen, sondern ich nutze den Urlaub, um den Kopf frei zu bekommen. Zudem war diese Reise schon lange geplant."

RevierSport online: Sie haben den Trainerposten vor der Saison von Jürgen Haupt übernommen. Haben Sie sich die Arbeit so schwierig vorgestellt?

Jürgen Panknin: "Ja, ich wusste, das da keine leichte Aufgabe auf mich zukommen wird. Deshalb habe ich ja auch gar nicht überlegt, sondern sofort zugesagt. Wir haben bis jetzt in den meisten Partien recht ordentlich gespielt. Leider reicht es nicht, wenn man immer nur zwanzig oder dreißig Minuten einen guten Ball spielt. Die Konstanz fehlt uns hier noch. Die Ergebnisse sprechen ja eine deutliche Sprache."

RevierSport online: Wo liegen die Gründe für den bisherigen Misserfolg?

Jürgen Panknin: "Als erstes muss man mal sehen, dass wir hier einen kompletten Neuanfang machen. Der OSC ist wieder einmal völlig ausgeblutet gewesen. Neben vier externen Neuzugängen spielen wir die Saison mit sieben Akteuren, die schon im letzten Jahr im Kader standen. Allerdings waren davon längst nicht alle Stammspieler. Hinzu kommen einige Jungs aus unserer A-Jugend. Von einem eingespielten Team kann also nicht die Rede sein."

RevierSport online: Mit einem Durchschnittsalter von 21 Jahren ist Ihre Elf eine der jüngsten Mannschaften der Staffel. Wer führt die Truppe?

Jürgen Panknin: Hier liegt bereits ein weiterer Faktor für[infobox-right]Das ist Jürgen Panknin:
Alter: 56
Geburtsort: Pasewalk (Mecklenburg-Vorpommern)
Wohnort: Krefeld-Hüls
Familienstand: geschieden, 2 Kinder
Jürgen Panknin ist im Duisburger Stadtteil Wanheim aufgewachsen. In der Jugend des SV Wanheim schnürte der heutige OSC-Linienchef das erste Mal die Fußballstiefel. Seine erste Senioren-Saison folgte 1969/70 im Jersey von Eintracht Duisburg.In den siebziger und achtziger Jahren kickte der Anhänger des englischen Clubfußballs beim SV Duissern, RSV Meerbeck (Oberliga), Kleve 63, SV Lintfort und beim SV Schwafheim. Die Trainerkarriere begann für Panknin 1991. Mit Post Blau-Weiß Duisburg gelang der Aufstieg in die BZL. Stationen beim VfL Wedau, der Damen-Regionalliga-Elf des GSV Moers, sowie der Frauenauswahl des OSC Rheinhausen und der zweiten Garde des Vereins, folgte 2007 der jetzige Chefposten als Coach der ersten Mannschaft des Olympischen Sport Clubs.[/infobox] das bisherige Abschneiden. Mit Michael Hoppe und Tim Habura haben wir zwei erfahrene "Jungs" auf dem Feld. Zwar ist Tim auch erst 22 Jahre, aber ihn zähle ich schon zu den "reiferen" Akteuren. Das Problem ist, dass wir einige Kicker im Kader haben, die zwar fußballerisch sehr gut sind, darüber hinaus allerdings Probleme haben, was die Disziplin und die Bereitschaft, auch mal auf einen der Leader zu hören, Schwächen haben. Die Hackordnung innerhalb der Truppe ist noch nicht gegeben."

RevierSport online: Wie gedenken Sie diese Dinge in den Griff zu bekommen?

Jürgen Panknin: "Ich versuche über Einzelgespräche meinen Spielern zu vermitteln, dass Attribute wie Disziplin, Wille und Teamgeist im Fußball unabdingbar sind. Ohne ein harmonierendes Mannschaftsgefüge läuft gar nichts. Genauso geht es nicht, dass jemand technisch und spielerisch stark ist, aber nicht bereit ist, bei einem verlorenen Zweikampf hinterher zu gehen. Leider sind gute Techniker oft lauffaul."

RevierSport online: Sie lassen Ihre Equipe im 4-4-2-System auflaufen. Ist dieses System vielleicht zu schwierig, um in der Bezirksliga zum Erfolg zu kommen?

Jürgen Panknin: "Das glaube ich nicht. Mit der zweiten Mannschaft des OSC habe ich 2004/2005 den Aufstieg in die Kreisliga A geschafft. Wir hatten die wenigsten Gegentore von allen Teams bekommen. Mein System damals war das 4-4-2."

RevierSport online: Wie ist Ihr Verhältnis zum Vorstand des Clubs?

Jürgen Panknin: "Die Chemie zwischen mir und der Vereinsführung ist hervorragend. Ich genieße das volle Vertrauen der Chefetage. Uns allen war vor der Saison klar, dass es dieses Jahr nur ums sportliche Überleben gehen kann. Gemeinsam versuchen wir dieses Ziel zu verwirklichen."

RevierSport online: Was sagen Sie den Trainerkollegen die Sie und Ihre Elf jetzt schon als ersten Absteiger verbucht haben?

Jürgen Panknin: "Warten wir doch erst einmal die Rückrunde ab. Ich sehe von Spiel zu Spiel immer mehr gute Tendenzen bei meiner Mannschaft. Wenn wir erst einmal unser erstes Erfolgserlebnis eingefahren haben, sehe ich durchaus das Potenzial um die Liga zu halten."

Autor: Moritz Rieckhoff

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