07.01.2018

Integration in Bottrop

Wenn Ahmet für Polonia trifft

Foto: Stefan Bunse

Wenn Ahmet für den FC Polonia Bottrop trifft - dann kann man wohl von gelungener Integration sprechen.

Der mit 40 Mitgliedern kleinste Bottroper Verein öffnet sich für den sportlichen Erfolg und macht damit gute Erfahrungen.

Das war wirklich Pech! Mit sechs Punkten nach zwei Spielen musste der FC Polonia Bottrop in der Zwischenrunde wegen des schlechteren Torverhältnisses gegenüber Ligakonkurrent Barisspor und dem Bezirksligisten VfB Bottrop nur ganz knapp die Segel streichen. Weil auch diese beiden Mannschaften zwei von drei Spielen gewonnen hatten, nutzte dem B-Ligisten am Ende noch nicht einmal der 3:2-Überraschungserfolg gegen den zwei Klassen höher spielenden VfB etwas.

Im Jahr 2000 gegründet

Dennoch gehörte der polnische Verein zu den Gewinnern der Bottroper Hallenstadtmeisterschaft 2018. Und das nicht nur, weil der erst im Jahr 2000 gegründete Klub in der Halle erstmals seine sportlichen Ambitionen unter Beweis stellte.

Denn mit den Neuverpflichtungen Ahmet Tufan, der gleich einen Tor erzielte, und Sascha Mauer aus der „Konkursmasse“ des VfB Ebel unterstrich der FC Polonia auch, wie Integrationsarbeit funktioniert. „Für uns ist nicht wichtig, wo jemand herkommt, oder was er glaubt. Sondern für uns zählen die menschlichen Werte“, erklären die beiden Trainer Kamil Mitrenga und Matthias Pech unisono. Beide legen viel Wert auf Disziplin und Charakterstärke. Pech stellt heraus, dass man sich als Verein gerne etwas weiter entwickeln möchte. „Und das geht nicht, wenn man sich in einer Kultur einigelt“, nickt Mitrenga.

Gegründet wurde der Verein, um polnischen Auswanderern ein Stück alter Heimat zu geben. „Wir halten die polnischen Werte auch weiterhin hoch, aber wir sind ein offener Verein. Bei uns ist jeder willkommen“, verdeutlicht Mitrenga. „Es ist zwar vielleicht etwas merkwürdig, als türkischstämmiger Spieler auf dem Rücken mit dem Schriftzug Polonia aufzulaufen, aber die Jungs sind echt in Ordnung. Es macht mir sehr viel Spaß in meinem neuen Klub“, lacht Tufan.

Der Traum von der Kreisliga A

Zu verdienen gibt es für ihn in einem der kleinsten Vereine im Ruhrgebiet nichts. „Unsere Jungs spielen für eine Krakauer und ein Tyskie nach dem Spiel“, verdeutlicht Pech. Und für Tufan fällt die Krakauer aus religiösen Gründen auch noch flach. Dafür gibt es eine tolle Kameradschaft obendrauf.

Und trotz des Ausscheidens in der Zwischenrunde bei der Hallenstadtmeisterschaft hat der Verein für 2018 noch einen ganz großen Traum. „Eigentlich ist es zwar unglaublich, dass wir mit 40 Mitgliedern – und darunter sind noch alle Spieler unser beiden Mannschaften - an der Tür zur Kreisliga A klopfen. Aber wir wollen das Unmögliche versuchen und in der Rückrunde zumindest den zweiten Platz halten, der uns den Aufstieg oder die Relegation bescheren könnte“, verdeutlicht Pech.

Und in diesem Fall würde sicher auch Ahmet zumindest ein Tyskie nicht ablehnen. Und vielleicht gibt es für ihn dann zur Feier des Tages Sucuk dazu. Es muss ja nicht immer Krakauer sein.

Autor: Stefan Bunse

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