Manchester

Für Mkhitaryan war United-Wechsel gut

Marian Laske
23. Mai 2017, 20:39 Uhr

Foto: firo

Henrikh Mkhitaryan kann am Mittwoch mit Manchester United die Europa League gewinnen. Ihm wird zugetraut, noch erfolgreicher zu spielen.

Bei Borussia Dortmund sorgte sein Wechsel zu Manchester United für Turbulenzen, am Mittwoch kann Henrikh Mkhitaryan mit seinem neuen Verein im Finale gegen Ajax Amsterdam (20.45 Uhr, Sport1) in Stockholm die Europa League gewinnen. Ein Finale, das von dem schrecklichen Attentat in Manchester mit 22 Toten und 59 Verletzten überschattet wird. Trotzdem steht für United sportlich viel auf dem Spiel. Nur mit einem Titelgewinn qualifiziert sich der Tabellensechste der Premier League für die Königsklasse. Für die großen Zukunftspläne ein entscheidender Schritt.

Für den jahrelang so erfolgsverwöhnten Verein aus Manchester wäre es der erste Europa-League-Pokal, der in das Vereinsmuseum wandert. Er wird dort vermutlich einen der hinteren Plätze bekommen, denn eigentlich hat der Klub, der mit einem Umsatz von bis zu 663 Millionen Euro zu den reichsten der Welt zählt, den Anspruch, das Museum mit Champions-League-Pokalen vollzustopfen. Auch deswegen hat der Verein vor der Saison Paul Pogba zum teuersten Spieler der Welt gemacht und ihn für 105 Millionen Euro von Juventus Turin verpflichtet. Die 42 Millionen Euro für Henrikh Mkhitaryan, die Manchester United an Borussia Dortmund überwies, klingen da schon wie ein Schnäppchen. Geld spielt kaum eine Rolle, solange die Zukunft wieder auf Europas Thron führt.

Und Mkhitaryan wird nach anfänglichen Problemen zugetraut, die geplanten Erfolge herbeizuführen. „Er ist die Zukunft“, meint der Journalist Paul Doyle, der für die englische Zeitung Guardian über die „Red Devils“ berichtet. Und auch der deutsche Premier-League-Experte Steffen Freund meint im Gespräch mit dieser Zeitung: „Mkhitaryan wird im nächsten Jahr durchweg besser spielen.“ Gemeinsam mit Pogba und den Talenten Jesse Lingard und Marcus Rashford steht der Armenier für das neue United.

Der Feingeist des Fußballs, der ein Theater sogar von innen kennt, gehört nun ausgerechnet zu den Spielern, die einen verdrängen, der ganz andere Vergnügungs-Etablissements von innen kennt: Wayne Rooney. Der Kneipenschläger des Fußballes trägt seit 13 Jahren das Trikot von United, hat 2008 die Champions League gewonnen, hielt fünfmal den englischen Meisterpokal in die Luft. Rooney gehört bei United dazu wie eine Stammkneipe – und war lange Zeit der Liebling der Fans.

Nur knüpfte der Stürmer zuletzt selten an seine erfolgreichste Drangphase an. Rooney steht für die Vergangenheit des Klubs, das alte United. Die Medien spekulieren schon lange über einen Wechsel nach China, wo das eh schon prall gefüllte Portemonnaie des Briten endgültig platzen würde.

Im Finale wird Rooney deswegen wohl auf der Bank hocken, anders als Henrikh Mkhitaryan. Der 28-Jährige hat bei United eine ähnliche Entwicklung wie beim BVB durchgemacht – nur auf der Vorspultaste.

In Dortmund brauchte er zwei Jahre, um durchzustarten, glänzte erst in der vergangenen Spielzeit, als Trainer Thomas Tuchel den sensiblen Profi förderte. Mkhitaryan wechselte trotzdem auf die Insel, was Tuchel bitter enttäuschte und für die ersten gravierenden Risse im Verhältnis zu Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sorgte. Mkhitaryan hinterließ Ärger, auch bei den Fans, die ihm den Transfer übel nahmen.

Und in den ersten verkorksten Monaten sah es tatsächlich so aus, als habe sich Mkhitaryan mit seinem Wechsel keinen Gefallen getan. Das übliche britische Mediengewitter brach über ihn ein. Der Offensivkünstler wurde schon als Transfer-Flop verspottet. „Er hatte einfach die Probleme, die viele Offensivspieler am Anfang in der Premier League haben“, meint Steffen Freund. Der ehemalige BVB-Profi kennt die englische Liga, hat selbst vier Jahre für Tottenham Hotspur verteidigt, wo er von 2012 bis 2014 auch Co-Trainer war. Für Freund ist Englands Liga mit ihrer Intensität und den aggressiv verteidigenden Mannschaft ein extrem hartes Pflaster für Offensivspieler. „Ich wusste aber, dass Mkhitaryan sich durchsetzen wird“, sagt Freund.

Tatsächlich erkämpfte sich Mkhitaryan Einsatzzeiten, war mit fünf Europa-League-Toren einer der Garanten für Uniteds holprigen Finaleinzug. In Stockholm bekommt er nun auch Gelegenheit dazu, die kritischen Stimmen in England zu widerlegen, die ihm nachsagen, in großen Partien zu versagen. Ähnliche Stimmen gab es auch schon beim BVB. „Ich werde nicht nervös sein, denn ich bin ja kein Kind mehr“, erklärte Mkhitaryan zuletzt im Interview mit Skysports. Und schickte hinterher: „Es gibt nur eine Möglichkeit, nämlich dieses Spiel zu gewinnen. Wir fahren nicht zum Finale, um zu verlieren.“

Ob United das Finale tatsächlich gewinnen wird, kann aber auch Mkhitaryan nicht mit Sicherheit sagen. Die Zukunft lässt sich eben nur planen, nicht voraussagen.

Autor: Marian Laske

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