Borussia Dortmund kämpft mit 1899 Hoffenheim um die direkte Qualifikation für die Champions League - am Samstag wird es spannend in Dortmund.

BVB - Hoffenheim

Ein Spiel wie ein Finale

Daniel Berg
04. Mai 2017, 07:07 Uhr
Foto: firo

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Borussia Dortmund kämpft mit 1899 Hoffenheim um die direkte Qualifikation für die Champions League - am Samstag wird es spannend in Dortmund.

Wenn die Umstände besonders geraten, dann kann aus einem banalen kleinen Zettel ein historisch bedeutsames Dokument werden. Das Papierchen, das der deutsche Torwart Jens Lehmann beispielsweise bei der umjubelten WM 2006 im eigenen Land zu Rate zog, um de argentinischen Elfmeter im Viertelfinale zu parieren, ist längst zu einem Exponat im Deutschen Fußball-Museum in Dortmund geworden. In derselben Stadt wird am Samstag (15.30 Uhr) beim Bundesligaspiel zwischen Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim eine weiteres Kapitel in einer Geschichte geschrieben, die auch mit einem Zettel zu tun hat. Bundesweite Bedeutung hat der zwar eher nicht, aber im kleinen Hoffenheim geht es um einen Meilenstein in der Vereinshistorie.

Wenn die beiden Mannschaft also in zwei Tagen aufeinander treffen, dann handelt es sich – wie selbst die Beteiligten trotz zweier ausstehender Spieltage behaupten – um ein Finale. Das Finale um die Belegung von Tabellenplatz drei und damit den garantierten Einzug in Champions League, die so wichtig ist, weil sie die Millionen wie eine Springflut in die Kassen spült. Dortmund ist seit Jahren ein recht zuverlässiges Mitglied dieses elitären europäischen Zirkels, für Hoffenheim wäre das Dabeisein eine gefeierte Premiere. Selbst wenn es als Vierter in die ermüdende Qualifikation vor der kommenden Saison muss.

Hoffenheim hat formal die besseren Karten in diesem Duell. Denn seit dem vergangenen Wochenende, als der BVB über ein 0:0 gegen den 1. FC Köln nicht hinaus kam und die TSG mit einem späten 1:0 gegen Eintracht Frankfurt imponierte, liegt der Klub aus dem beschaulichen Sinsheim in der Tabelle wieder mit einem Punkt vorn. Die Tordifferenz ist zudem vergleichbar. Mit anderen Worten: Dortmund muss gewinnen. So formuliert es auch Julian Nagelsmann, Hoffenheims Trainer. Allerdings aus anderen Gründen.

„Der Druck liegt total bei Borussia Dortmund", bemüht der jüngste Trainer (29) der Liga gängige Branchen-Psychologie. Schließlich gehört die Champions League zum Anspruch im schwarz-gelben Fußball-Kosmos, während Hoffenheim seine eigene Rekordsaison schon überboten hat. "Wir müssen nicht - wir wollen. Die Dortmunder dagegen müssen", sagt Nagelsmann.

Beim Gegner geben sie nicht so sehr viel auf diese Rhetorik. Sie wissen, dass Hoffenheim befreiter aufspielen kann. Aber eben in Dortmund, bei einem Gegner, der seit 36 Heimspielen ohne Niederlage ist und der es eher gewohnt ist, in bedeutsamen Partien nicht die Nerven zu verlieren. „Wir haben das Heimspiel und damit alles in der eigenen Hand“, hält Borussen-Kapitän Marcel Schmelzer selbstbewusst fest – stellvertretend für seine Kollegen. Und auch BVB-Trainer Thomas Tuchel sagt: „Wir haben die Form und die Mentalität, uns einen Heimsieg gegen Hoffenheim zuzutrauen. Wir werden bereit sein."

Das letzte derart wichtige Spiel der beiden Klubs gegeneinander fand 2013 statt, als Dortmund mit einem Sieg den Abstieg Hoffenheims hätte besiegeln können – und 1:2 verlor. Nun kehrt der Emporkömmling als Konkurrent um die Königsklasse zurück. Auch Nagelsmann bemüht gute Erinnerungen. "In meiner Amtszeit haben wir zwei gute Spiele gegen Dortmund gemacht", äußerte der Coach hinsichtlich einer 1:3-Niederlage und eines 2:2 zuletzt: "Und ich bin mir ziemlich sicher, dass wir auch ein gutes drittes machen werden."

Wenn es so kommt und auch die anderen beiden Spiele in der Liga noch nach Nagelsmanns Gusto gespielt sind, dann folgt der Moment, auf den sie zumindest im Kraichgau hinfiebern. Der Trainer lüftet das Geheimnis, was sein persönliches Saisonziel war. "Es steht auf einem Schmierzettel“, sagt er, „und den zeige ich dann."

Autor: Daniel Berg

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