Er war am Ende ein „glücklicher Trainer“, das sagte Gertjan Verbeek selbst.

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Wie Verbeek seine Mannschaft an der Ehre packte

28. April 2017, 22:13 Uhr
Foto: firo

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Er war am Ende ein „glücklicher Trainer“, das sagte Gertjan Verbeek selbst.

Wie hätte es denn auch anders sein sollen? Es war ein schönes, es war tatsächlich sogar ein atemberaubendes Spiel, das seine Mannschaft, der VfL Bochum, in der zweiten Hälfte beim 4:2 (0:2) gegen Dynamo Dresden gezeigt hatte.

Eigentlich wollten wir von der ersten Minute an so spielen, wie wir es in der zweiten Halbzeit gemacht haben
Gertjan Verbeek (VfL Bochum)

Gegen diese starken Sachsen, die – als Aufsteiger in Liga 2 gekommen – zu den spielstärksten Mannschaften gehören. Die es dem VfL 45 Minuten lang so schwer gemacht hatten. Die „fantastisch“ gespielt hatten, wie es Trainer Uwe Neuhaus nicht übertrieben formulierte. Die aber nach der Pause einen Zwei-Tore-Vorsprung verspielten. In einer Manier, die Neuhaus „selten dümmer“ gesehen hatte.

Das lag jedoch in erster Linie daran, dass dem VfL in der Kabine ein Licht aufgegangen war. „Eigentlich wollten wir von der ersten Minute an so spielen, wie wir es in der zweiten Halbzeit gemacht haben“, erklärte Trainer Verbeek. Er hatte seine Mannschaft vorbereitet auf die starken Sachsen, hatte bereits in der Woche vor dem Spiel immer wieder gepredigt, welch großes Potential in dem Team von Uwe Neuhaus stecke. In der Halbzeitpause habe er seine Spieler dann bei der Ehre gepackt. Es sei laut geworden, berichteten einige Bochumer Profis nach dem Schlusspfiff. Untereinander. Verbeek habe nur gefragt: „Was wollt ihr? Wir haben keine Chance. Wir müssen.“

Das war die Initialzündung. Binnen 42 Sekunden war der 0:2-Rückstand ausgeglichen, Thomas Eisfeld (50.) und Marco Stiepermann (51.) egalisierten die Treffer von Niklas Hauptmann (8.) und Akaki Gogia (25.). Dann, endlich, die Führung. Verdient. Zu diesem Zeitpunkt. Wenn man die ersten 45 Minuten ausblendete. „Wir waren aggressiver, wir haben sie richtig gut angelaufen“, lobte Verbeek. Der Niederländer sah aber auch ein: „Man muss auch ein bisschen Glück haben.“
Doch die Treffer von Anthony Losilla (70.) und Görkem Saglam (88.) sahen nach mehr als Glück aus. Es war regelrecht cool, wie Losilla sich den Ball so kurz vor dem Tor zurecht legte und dann einschoss. In Saglams Treffer spiegelte sich letztlich seine ganze jugendliche Spielfreude wieder. Das Stadion war zu diesem Zeitpunkt längst mitgerissen worden vom Bochumer Sturmlauf. Ganz Bochum feierte, ganz Bochum jubelte. Über dieses sensationelle Spiel, aber auch über den Klassenerhalt.

Aber Bochum wäre nicht Bochum und Verbeek wäre nicht Verbeek, wenn in diese ganze Jubelarie nicht doch noch ein Misston platzen würde. Ob das Erreichen der als magische Grenze titulierten Marke denn nun auch der rechnerische Beweis sei, dass der VfL in der kommenden Saison auch in der 2. Liga spiele, wollte jemand von Verbeek wissen. „Ich habe keine Lust mehr auf solche Fragen zu antworten“, knurrte der Niederländer. Für ihn galt dennoch: Er war ein glücklicher Trainer.

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