Der 1. FC Köln hat seit Jahren mal wieder die Chance, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren.

Köln

Europa ade? Zehn Gründe für die Flaute nach dem Winter

Christian Brausch
15. April 2017, 22:27 Uhr
Foto: firo

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Der 1. FC Köln hat seit Jahren mal wieder die Chance, sich für das internationale Geschäft zu qualifizieren.

Doch was man sich in der Hinrunde aufgebaut hat, stößt man nun wieder um - spätestens nach dem unterirdischen 1:2 in Augsburg wird klar: So reicht es niemals für Europa. Zumindest nicht aus eigener Kraft. Platz sieben (berechtigt zur internationalen Teilnahme, wenn einer der ersten sechs Teams den DFB-Pokal gewinnt) kann nur erreicht werden, wenn die Konkurrenz weiter so munter patzt wie in dieser irren Saison.

Zehn Gründe, warum Köln nach dem Winter nicht in die Spur kommt
1) Die fast perfekte Hinserie hat viele Kaderprobleme kaschiert: Man hatte mit Darmstadt, Ingolstadt, Freiburg oder Schalke alle Gegner zur genau richtigen Zeit. Siege oder Remis wie in Gladbach oder München kamen sehr glücklich zustande. Von diesem Polster hat Köln lange gezehrt, bis heute.

2) Ohne Modeste geht gar nix: Trifft der Ausnahmestürmer, kann Köln gewinnen. Trifft er nicht, ist der FC verloren. 13 Mal gab es keinen Treffer des Franzosen, zwölf mal konnte Köln nicht gewinnen. Nur gegen Frankfurt gab es trotzdem einen Dreier. So viel Abhängigkeit kann kaum kompensiert werden, wenn Modeste, wie in Augsburg, komplett abgemeldet ist. Simon Zoller oder Artjoms Rudnevs sind einfach nicht in der Lage, Modeste zu entlasten. Die Partie in Augsburg war der x-te Beweis für diese These.

3) Die Standards sind grauenhaft - vorne und hinten: Köln verteidigt seit Jahren mit Raumdeckung, in den letzten Wochen kann man die Uhr danach stellen, wann es hinten rappelt. Auch gegen Augsburg. Das 0:1 resultierte aus einer Ecke, bei der das reinste Chaos im FC-Strafraum herrschte, das 0:2 aus einem Foulelfmeter. Vorne fiel das 1:2 zwar nach einer Ecke per Eigentor, aber die restlichen Standards waren Torwarttraining für Anfänger oder Bälle direkt ins Aus.

4) Der Mavraj-Verkauf war ein Fehler: Der Abwehrchef ging im Winter zum HSV - für geschätzte 1,5 Millionen Ablöse. 55 Millionen Euro für Modeste wurden hingegen im Januar abgelehnt, der Chef der funktionierenden Abwehr ging dagegen für kleinstes Geld zum Konkurrenten. Wenn es nicht um das Geld ging, hätte man Mavraj trotz auslaufendem Vertrag nicht gehen lassen dürfen. Seit der Winterpause kassiert der FC viel zu viele Gegentore. Vor der Winterpause waren es 13 Tore in 16 Begegnungen. Nach dem Winter 21 Gegentore in 13 Spielen. Weder Dominique Heintz noch Frederik Sörensen sind in der Lage, Mavraj adäquat zu ersetzen. Winterzugang Neven Subotic konnte diese Lücke auch nicht im Ansatz schließen. Die Ruhe des Albaners fehlt an allen Ecken und Enden.

5) Viele Torwartfehler: Das kannte man in Köln so auch nicht. Nach der Knieverletzung von Timo Horn wurde Vertreter Thomas Kessler zwar für seine Partien gelobt, speziell in Gladbach zeigte er eine überragende Leistung. Aber danach erlaubte er sich mehrere entscheidende Patzer - zum Beispiel in Bremen. Genau wie Horn (gegen Ingolstadt oder Berlin) nach seinem Comeback. Durch diese Schwächen gingen dem FC wichtige Punkte durch die Lappen.

6) Nationalspieler Jons Hector ist außer Form: In der Hinrunde war er einer der überragenden Leute in Köln. Ob auf der Sechs oder hinten links - Hector ging voran, trieb die Mannschaft nach vorne. Davon ist zuletzt nichts mehr zu sehen, die Formkurve von Hector zeigt steil nach unten. Seine ruhenden Bälle in der Druckphase in Augsburg waren ein Trauerspiel.

7) Marcel Risse konnte nicht ersetzt werden: Es war die Saison von Risse. Bis er sich gegen Hoffenheim das Kreuzband riss, das Saisonaus. Seitdem lahmt der rechte Flügel. Rückkehrer Christian Clemens kann Risse bisher nicht einmal im Ansatz ersetzen. Ein Tor gegen Gladbach, ansonsten fällt der Zugang aus Mainz bisher kaum auf.

8) Auswärts ist nichts mehr los: In der Fremde ist der FC im Jahr 2017 ein gern gesehener Gegner. Darmstadt schoss man 6:1 aus dem Stadion. In den anderen sechs Partien gab es keinen Sieg. Zu wenig für Europa.

9) Frühe Gegentore ohne Ende: 9 der 36 Gegentore kassierte man in der ersten Viertelstunde. Jeder vierte Treffer - als würde Köln vollgepumpt mit Baldrian beginnen. Das ewige Hinterherrennen kostet Kraft, in der Rückserie zu viel.

10) Verletzungspech: Wenn eine Mannschaft wie Köln in den internationalen Wettbewerb will, dann muss alles passen. Fallen Leistungsträger wie Risse, Horn oder Leonardo Bittencourt lange aus, dann merkt man, wie wenig die Kölner nachlegen können. Da auch das französische Angriffstalent Serou Guirassy permanent mit Verletzungen zu kämpfen hatte, zudem Dominic Maroh, Matthias Lehmann oder Marco Höger immer mal ausfielen, war die Kaderdecke zu dünn, zumal der FC sowieso einen der kleinsten Kader der Liga hat.

Fazit: Köln hat immer noch die Chance auf Europa, trotz der bisher sehr durchwachsenen Rückserie. Das liegt aber nur daran, dass kaum ein Team konstant punktet. Vor der Saison war Platz neun das Ziel der Kölner, mehr gibt das Personal eigentlich auch nicht her. Das wurde bisher durch die überragende Saison von Modeste übertüncht. Daher hat Manager Jörg Schmadtke wohl doch richtig gelegen, als er das Mega-Angebot aus China für den 29-Jährigen im Winter abgelehnt hat. Denn was keiner ahnen konnte, wäre wohl Realität geworden. Bei dem Verlauf in der Bundesliga wäre Köln ohne Modeste vermutlich noch in den Abstiegsstrudel geraten.

Autor: Christian Brausch

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