Die dramatische Situation vor dem BVB-Spiel gegen AS Monaco in der Champions League:

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So kam es zum neuen Termin gegen AS Monaco

Pit Gottschalk
13. April 2017, 17:48 Uhr
Foto: firo

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Die dramatische Situation vor dem BVB-Spiel gegen AS Monaco in der Champions League:

Immer neue Details werden bekannt, wie emotional die Stunden vor dem 2:3 in Dortmund abliefen. Wie Tränen in der Umkleidekabine flossen und zwei Profis tatsächlich nicht im Signal Iduna Park auflaufen wollten - oder zumindest Bedenken hatten. Doch der Reihe nach.

Das Attentat vor dem Mannschaftshotel L'Arrive in Dortmund-Höchsten war Dienstag gerade erst passiert und das Motiv noch nicht ersichtlich, da traf sich umgehend ein Sicherheitsrat von Klub, Uefa und Behördenvertretern in einem abgeschotteten Raum im Stadion, um die Frage zu klären: Wann soll das Spiel gegen Monaco stattfinden?

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Der erste Vorschlag: noch am selben Abend. Da war BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke dagegen. Das sei den Spielern nicht zuzumuten, weil die Informationslage unübersichtlich sei. Dann machte die Uefa den Vorschlag: am nächsten Tag um 16 Uhr. Wieder wehrte sich der BVB: Man könne in einem so wichtigen Spiel nicht vor einem halbvollen Stadion auflaufen.

Ratlosigkeit machte sich breit. Eine Entscheidung musste her. Der Druck stieg. In ein, zwei Wochen: Das war nicht möglich. Der BVB spielt Bundesliga, im DFB-Pokal gegen Bayern, womöglich kommt die Mannschaft in der Champions League weiter. Alle Teilnehmer dieser Task Force sahen den Konflikt von Interessen und Terminen.

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Innerhalb von Minuten setzte sich die Einsicht durch, dass zu der menschlichen Seite, was den Spielern zuzumuten ist, zwei weitere Ebenen kamen. Die gesellschaftspolitische, gegen den Terror ein Zeichen zu setzen, dass man trotzdem spielt. Und eine pragmatische: Das Spiel muss zeitnah stattfinden.

Ratlosigkeit in der Runde. Für alle war die Lage belastend. Zwei Terminvorschläge waren abgelehnt worden, also schaltete sich die Uefa-Vertretung aus dem Hauptsitz in Nyon ein. Und entschied: am nächsten Tag um 18.45 Uhr. Ein Teilnehmer der Runde erzählt, dass Watzke meinte: Es geht ja nicht anders.

Darum ist nicht falsch, was Trainer Thomas Tuchel meinte: Der Termin kam aus Nyon. Es gibt aber auch keinen Zwist mit der Uefa: Tatsächlich wurde vor Ort in Dortmund mit den Beteiligten über den neuen Spieltermin gesprochen. Aber es musste eine Entscheidung her. Richtig oder falsch - das gibt es in einer solchen Situation nicht.

Am nächsten Morgen trat Watzke vor die Mannschaft und erklärte den Hintergrund. Inzwischen war bekannt geworden, dass es sich um einen gezielten Bombenanschlag auf die Mannschaft gehandelt hat. Jedem einzelnen Spieler soll er angeboten haben: Wer sich nicht in der Lage fühle, unter diesen Umständen aufzulaufen, dürfe auf einen Einsatz verzichten und erfahre maximale Unterstützung. Es drohe daraus kein Nachteil, im Gegenteil: größte Unterstützung.

Wie die Redaktion aus Mannschaftskreisen erfuhr, waren die Spieler von der Geste beeindruckt. Der Verein fand die richtige Antwort auf die Verletzung des Kollegen Marc Bartra, der in der Nacht an der Hand und am Arm notoperiert worden war. 25 Spieler sagten sofort: Wir spielen! Zwei Spieler (Namen der Redaktion bekannt) äußerten Bedenken.

Sie würden zwar spielen wollen, sagten sie. Aber nicht jetzt. Der Zeitpunkt sei ungünstig. Diese Aussagen deckten sich mit den Äußerungen von Tuchel, der nicht nur die psychologische Belastung für die Spieler erkannte, sondern auch den gemeinsamen Erfolg gefährdet sah. Am Ende fuhren ausnahmslos alle Spieler mit zum Signal Iduna Park und waren einsatzbereit. Watzke war dazu für eine Stellungnahme nicht ereichbar.

Kalt gelassen haben die Umstände keinen Spieler. Die Profis hatten feuchte Augen, bevor sie auf den Rasen zum Aufwärmen liefen und das Bartra-Shirt trugen. Hinterher, nach dem 2:3, weinten Spieler in der Umkleidekabine, als der Druck der vergangenen 24 Stunden von ihnen ablief. Das Spiel so kurz nach dem Attentat: die wohl größte Leistung der jungen BVB-Mannschaft.

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Autor: Pit Gottschalk

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