Das Spiel, an dem er selbst hätte teilnehmen sollen, sah sich Dortmunds Verteidiger Marc Bartra am Abend vor dem Fernseher an.

BVB-Boss Watzke

"Wir knicken vor dem Terror nicht ein"

Daniel Berg
12. April 2017, 22:03 Uhr
Foto: firo

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Das Spiel, an dem er selbst hätte teilnehmen sollen, sah sich Dortmunds Verteidiger Marc Bartra am Abend vor dem Fernseher an.

Und von dort sendete er noch vor dem Anpfiff eine Grußbotschaft über die sozialen Medien: Ein Bild von ihm, der rechte Arm nach der Operation dick bandagiert, links der hochgereckte Daumen. Und ein Lächeln. Dazu die geschriebenen Worte: „Wie ihr seht, geht es mir schon wieder besser. Vielen Dank für die vielen Nachrichten und die besten Wünsche an meine Mannschaftskameraden für das Spiel heute Abend.“

Borussia Dortmund gegen AS Monaco, Champions League, Viertelfinale. Der zweite Versuch, nachdem am Dienstagabend ein Bombenattentat auf den Mannschaftsbus des BVB für die Spielabsage gesorgt hatte. Marc Bartra war der verletzte Spieler, der sofort ins Krankenhaus gebracht wurde. Dort besuchte ihn am Mittwochnachmittag Dortmunds Sportdirektor Michael Zorc und überzeugte sich davon, dass der Spieler den Umständen entsprechend wohlauf ist.

Die Suche nach Normalität

Um größtmögliche Normalität waren sie beim BVB bemüht am Tag danach. Aber wie zur Normalität finden nach einem Ereignis wie diesem? Nach einem Sprengstoff-Anschlag? Nach der Verlegung des Spiels auf den Mittwoch? Nach einer Nacht mit zu wenig Schlaf und zu vielen Bildern im Kopf?

Am Mittwochmorgen versammelten sich die Verantwortlichen, Trainer und Spieler am Trainingsgelände in Dortmund-Brackel, das von der Polizei zuvor abgesucht und gesichert wurde. Bis zu neun Polizeibusse standen vor dem Gelände. Als erster fuhr Trainer Thomas Tuchel gegen kurz vor 9 Uhr vor. Nach und nach trudelten auch die Spieler ein. Betreten, nachdenklich die Stimmung im Mannschaftskreis.

Kurz darauf richtete BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke das Wort ans Team. „Ich habe appelliert, der Gesellschaft zu zeigen, dass wir vor dem Terror nicht einknicken“, sagte Watzke: „Wir spielen heute nicht nur für uns. Wir spielen für alle. Wir wollen zeigen, dass Terror und Hass unser Handeln nie bestimmen dürfen. Und wir spielen natürlich für Marc Bartra, der sein Team siegen sehen will.“

Etwa zehn Minuten dauerte der emotionale Appell des Bosses. Gegen 11 Uhr betrat die Mannschaft dann den Trainingsplatz. Abgeschirmt von der Öffentlichkeit blieb sie dort eine halbe Stunde lang, während draußen einige Fans warteten. Darunter auch vier junge Mädchen: Mareike (18), Sarah (18), Nele (15), Jule (12). Freundinnen, die gestern aus Wiesbaden angereist waren, um das Spiel im Stadion zu verfolgen. „Als wir die Berichte in den sozialen Netzwerken über die Geschehnisse gesehen haben, waren wir schockiert, manche haben geweint“, erzählt Mareike.

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Sie sind dann zurück in ihre Jugendherberge gefahren. Ein Zeichen, eine Botschaft. Das erste, was sie am Mittwochmorgen tun? Sie fahren in ein Schreibwarengeschäft, kaufen gelben Pappkarton und schwarzen Filzstift. Am Trainingsgelände angekommen, beginnen sie zu malen. Eine Bastelwerkstatt im Zeichen des BVB. Vier Pappen, vier Worte: You’ll. Never. Walk. Alone.

„Wir wollen den Jungs zeigen, dass sie nicht allein sind, dass wir alle zusammenstehen. Außerdem soll das ein Zeichen sein gegen Gewalt und dass wir uns nicht unterkriegen lassen sollten. Jetzt erst recht“, sagt Mareike entschlossen. Etwas später fuhren sie wieder ins Stadion. Dorthin, wo schon mittags die Polizeibusse aufgereiht standen. Erhöhte Präsenz in jeder Form, Polizisten mit Maschinengewehren.

Die Mädchen erlebten, wie die Dortmunder Spieler beim Betreten des Platzes auch von den Gäste-Fans mit warmem Applaus empfangen wurden. Sie sahen, wie etwas später die BVB-Profis aus der Kabine kamen und einheitliche gelbe T-Shirts trugen. T-Shirts, auf die das Gesicht von Marc Bartra gedruckt worden war. Dazu der Wunsch: „Mucha Fuerza“ – viel Kraft.

Kraft, die er brauchen kann. Nahe am Handgelenk ist sein Arm gebrochen. Den Mann, von dem Trainer Thomas Tuchel, sagt, dass er eigentlich immer lächelt, hatte es am ärgsten erwischt. Sein Ausfall schmerzt nun den BVB doppelt. Aber die Saison sieht noch sechs Ligaspiele vor und womöglich ja auch noch ein paar Partien in den anderen Wettbewerben. Das entscheidet sich ohne Marc Bartra. Aber beim BVB gehen sie davon aus, dass der Spanier noch in dieser Saison wieder auf dem Platz stehen wird – und nicht mehr zugucken muss.

Autor: Daniel Berg

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