Was die Emotionen angeht, müsste Schalke 04 eigentlich in der Champions League spielen.

Schalke

Letzte Attacke auf Europacup-Plätze

10. April 2017, 09:08 Uhr
Foto: firo

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Was die Emotionen angeht, müsste Schalke 04 eigentlich in der Champions League spielen.

Aber im ersten Jahr der Neuausrichtung unter Cheftrainer Markus Weinzierl und Sportvorstand Christian Heidel wird deutlich kleiner gedacht. Lange Zeit dümpelte der Fußball-Traditionsklub trotz eines teuren Kaders zwischen Tabellenkeller und unterem Mittelmaß.
Nach dem begeisternden 4:1 (2:0) über Wolfsburg stimmten die Schalker Fans wieder ihren Klassiker „Wir schlugen Roda, wir schlugen Trabzon...“ an. Man kennt das.

Die Ode an die Eurofighter, die 1997 den Uefa-Cup gegen Inter Mailand holten, läutet nicht nur die Vorbereitung auf das Viertelfinal-Hinspiel in der Europa League bei Ajax Amsterdam am Donnerstag (21.05 Uhr/Sport 1) ein. Schalke will den neuen Schwung auch mit in den Bundesliga-Endspurt nehmen: Die Königsblauen haben wieder realistische Chancen, sich als Tabellensechster für den internationalen Wettbewerb zu qualifizieren.

„Bei aller Kritik, die zuletzt immer mal wieder aufgekommen ist: Wir waren noch nie so nah dran an Platz sechs wie jetzt“, frohlockte Trainer Markus Weinzierl und kündigte an: „Wir werden noch sechsmal Vollgas geben. Und dann wird abgerechnet.“ Schalkes letzte Attacke auf Europa!
Weinzierl tritt auf der Zielgeraden die Flucht nach vorne an. Sein Motto: Risiko statt Sicherheit. Der Trainer zog aus der 0:3-Packung bei Werder Bremen unter der Woche seine Konsequenz. Mit einem harmlosen Mittelfeld, das die Vielzahl der Zweikämpfe verliert und durch Fehlerquellen Einladungen für den Gegner ausspricht, konnte es nicht weitergehen. Gegen Wolfsburg beorderte Weinzierl die fußballerisch starken Nabil Bentaleb und Leon Goretzka auf die Doppel-Sechs im Mittelfeld: dorthin, wo die Angriffe des Gegners unterbunden und eigene Angriffe gestartet werden.

Heidel: „Genie und Wahnsinn“
Das Duo zog geschickt die Fäden, wobei Goretzka nicht nur wegen seines Treffers zum 2:0 (23.) deutlich effektiver und intelligenter agierte. Bentalebs Hang zum Übertreiben sorgt häufig für unnötige Gefahr. Sportvorstand Christian Heidel: „Bei ihm kommen Genie und Wahnsinn zusammen. Er hat manchmal ein, zwei Szenen, bei denen das ganze Stadion klatscht. Kritisch wird es erst, wenn es mal nicht funktioniert.“

Max Meyer blühte auf seiner Lieblingsposition im zentralen offensiven Mittelfeld auf, avancierte zum Ideengeber und war nicht zu bändigen. „Max hat mir sehr gut gefallen. Das war sein bestes Spiel, seit ich hier bin“, lobte Weinzierl. Anfang März hatte der Trainer seinen Jung-Star beim Pokal-Aus in München zur Pause ausgewechselt und kritisiert. Jetzt scheinen beide Seiten doch noch zueinander zu finden.

Allerdings muss Meyer weiter liefern. „Das“, sagte Heidel, „erwarten wir nach einem guten Spiel nicht nur von Max Meyer, sondern auch von allen anderen Spielern.“ Die mangelnde Konstanz war bisher eines der Schalker Kernprobleme.

Weinzierl hat im Schlussspurt offenbar endlich seine Formation gefunden und kündigte mit Blick auf das Auswärtsspiel am Sonntag in Darmstadt (17.30 Uhr) an: „Wir wollen bei den Lilien genauso weitermachen, wie wir gegen Wolfsburg gespielt haben.“ Mit dem Herzstück Bentaleb, Goretzka, Meyer.

„Ich freue mich riesig für Burgstaller“
Und mit einem treffsicheren Stürmer Guido Burgstaller. Nach seinen 14 Toren für Zweitligist 1. FC Nürnberg hat der Österreicher seit seinem Januar-Wechsel zu Schalke sechsmal in der Bundesliga geknipst. Eine Zwischenbilanz, die ihm viele Kritiker überhaupt nicht zugetraut hatten. „Ich freue mich riesig für ihn. Er hat uns in der Hinrunde gefehlt. Wenn wir nur drei, vier Punkte mehr geholt hätten, wären jetzt alle zufrieden“, sagte Weinzierl. Ihm würde es auch reichen, wenn die ganz große Zufriedenheit nach dem 34. Spieltag kommt.

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