Nicht nur Ex-Sportchef Gerd Merheim bangt um den Aufstieg der Zebras. In den nächsten Wochen geht es nun um die Zukunft des Vereins.

MSV Duisburg

"Verspielen die das noch?"

Dirk Retzlaff
06. April 2017, 20:57 Uhr
Foto: Tillmann

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Nicht nur Ex-Sportchef Gerd Merheim bangt um den Aufstieg der Zebras. In den nächsten Wochen geht es nun um die Zukunft des Vereins.

Gerd Merheim nutzte am Mittwoch seinen Kurzurlaub in Norddeutschland, um das Spiel des MSV Duisburg bei Hansa Rostock zu sehen. Nach der 0:1-Niederlage des Spitzenreiters der 3. Fußball-Liga stellte der frühere Sportchef und Co-Trainer der Zebras in den Katakomben des Ostseestadions die Frage, die Verantwortliche und Fans gleichermaßen beschäftigt: „Verspielen die das noch?“

Ja, sie können es noch verspielen. Was in den letzten Wochen als die unwahrscheinliche Variante galt, wird auf der Zielgeraden zum möglichen Szenario. Nur noch vier Punkte beträgt der Vorsprung auf den Relegationsrang, den derzeit Holstein Kiel einnimmt. Der Trend spricht aktuell gegen den MSV.

Die Mannschaft und der Trainer sind jetzt gefordert!
Ivica Grlic

In der Rückrundentabelle belegen die Meidericher nur Rang fünf. Nur 19 Punkte sammelte der Zweitliga-Absteiger im Jahr 2017 ein. Die vermeintlichen Nobodys aus Zwickau holten 29 Zähler. Allerdings können die Sachsen dem MSV nicht gefährlich werden: Der Aufsteiger beantragte keine Zweitliga-Lizenz.

MSV-Mitgliedern, die am Dienstag noch die Jahreshauptversammlung besuchten und am nächsten Tag an die Ostsee reisten, muss die bange Frage in den Sinn gekommen sein, ob das Fußball spielende Personal die Botschaft nicht verstanden hat. Es geht in den nächsten Wochen nicht nur um den Aufstieg, sondern um die Zukunft des Vereins.

Geschäftsführer Peter Mohnhaupt zeichnete am Dienstag das Bild einer Zweitliga-Zukunft. Sogar die Erhöhung der Ticketpreise (ein Euro pro Stehplatzkarte, zwei Euro pro Sitzplatzbillet) teilte er den Mitgliedern mit. Das Thema 3. Liga schnitten Mohnhaupt und Präsident Ingo Wald zwar an, aber sie machten keinen Hehl daraus, dass es keinen Spaß macht, darüber ausführlich zu sprechen. Weil der Spaß bei diesem Szenario äußerst limitiert sein würde.

„Wir werden nicht nervös“, sagte Abwehrspieler Dustin Bomheuer nach dem Fiasko an der Ostsee. Das wird sich am Samstag zeigen, wenn der MSV in seiner Arena gegen die SG Sonnenhof Großaspach spielen wird. Der Name des Gegners ist Symbol dafür, worum es geht. Der MSV will in der nächsten Saison in Nürnberg, Düsseldorf und Bochum spielen und nicht erneut Andrea Berg die Aufwartung machen.

Sportdirektor Ivica Grlic fordert den wichtigen Sieg. „Egal wie“, sagt der 41-Jährige. Der Manager, der auf der Jahreshauptversammlung mit einer freien Rede, ohne Manuskript, einen starken Auftritt hinlegte – weitaus souveräner als im Jahr zuvor bei gleicher Gelegenheit – muss dabei hoffen, dass das Kollektiv die wohl einzige Schwäche des aktuellen Kaders einmal mehr kaschieren kann.

Wir werden nicht nervös!
Dustin Bomheuer

Die Abwesenheit eines klassischen Torjägers – von einem Spitzenreiter darf man erwarten, dass er einen Stürmer mit einer zweistelligen Torquote in seinen Reihen hat – rächt sich bei Spielen wie in Rostock. Alle Offensivkräfte – inklusive Thomas Bröker – sorgten bei den eigenen Fans und nicht beim Gegner für Entsetzen.

Coach Ilia Gruev erkannte in Rostock, was auf ihn jetzt zukommt. „Die Mannschaft und der Trainer sind jetzt gefordert“, sagte der 47-Jährige nach der Niederlage. Für Gruev ist es wohl die anspruchsvollste Situation seiner 17-monatigen Amtszeit. Abgesehen von der verpatzten Relegation ist das Arbeitszeugnis des Deutsch-Bulgaren makellos: Die Aufholjagd in der 2. Bundesliga und die dauerhafte Spitzenposition in der 3. Liga stehen hier zu Buche.

In der 2. Bundesliga läuft der Trend seit Jahresbeginn gegen Aufsteiger Würzburger Kickers. Ein möglicher Relegationsgegner.

Autor: Dirk Retzlaff

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