„Auf die Knappen, fertig, los!“ stand auf dem Stadionmagazin des SV Werder Bremen geschrieben, das vor dem Bundesliga-Heimspiel am Dienstagabend verkauft wurde.

Ideenlos in Bremen

Die Saison ist für Schalke ein Kraftakt

Christoph Winkel
05. April 2017, 22:10 Uhr
Foto: firo

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„Auf die Knappen, fertig, los!“ stand auf dem Stadionmagazin des SV Werder Bremen geschrieben, das vor dem Bundesliga-Heimspiel am Dienstagabend verkauft wurde.

Der Plan der Bremer ging auf, sie überrollten Schalke, siegten mit 3:0 und überholten den Gegner sogar in der Tabelle. Während die Bremer, die noch vor sechs Spieltagen auf dem 16. Tabellenplatz, dem Relegationsplatz, standen, wieder von Europa träumen, muss Schalke den Blick wieder nach unten richten.

Nach dem 1:1 im Revierderby gegen Borussia Dortmund wurde die Mannschaft von Trainer Markus Weinzierl am Samstag noch gefeiert, nach dem 0:3 drei Tage später in Bremen waren die Fans fassungslos. Schalke spielte mutlos, ideenlos und irgendwie auch kraftlos. Keine Frage, die Saison geht an die Substanz – an die der Fans, aber auch an die der Spieler.

Die Partie in Bremen war schon die 41. in dieser Saison, sie war der Auftakt zu drei Englischen Wochen in Folge – mal wieder. Im Viertelfinale in der Europa League ist Ajax Amsterdam in der nächsten und übernächsten Woche der Gegner. Zum Vergleich: Für die Bremer, die am Dienstag deutlich frischer wirkten, war das Spiel gegen Schalke erst das 28. Pflichtspiel der Saison. „Seit September haben wir gefühlt nur Endspiele und gefühlt auch nur Englische Wochen. Dass die Belastung an die Substanz geht, ist völlig klar. Das soll aber keine Begründung für ein 0:3 in Bremen sein“, sagte Manager Christian Heidel.

Es ist nicht so, dass die Schalker konditionelle Defizite haben, auch im Weserstadion ist die Mannschaft knapp 120 Kilometer gelaufen. In Bremen hatte Schalker sogar mehr Ballbesitz und auch die bessere Passquote. Werder gewann mit einer Quote von 60 Prozent allerdings deutlich mehr Zweikämpfe, Schalke fehlte neben zündenden Ideen auch die Spritzigkeit.

Mannschaftskapitän Benedikt Höwedes stand trotz Hüftproblemen schon zum 39. Mal in dieser Saison in einem Pflichtspiel für Schalke auf dem Rasen. Auch am Dienstag ging es für ihn, wie bislang immer, über die volle Distanz. Höwedes spielte schwach, an den ersten beiden Gegentoren war er beteiligt. „Klar haben wir viele Spiele gemacht, aber das darf keine Ausrede dafür sein, dass wir viele dumme Fehler gemacht haben“, sagte der 29-Jährige. „Wir sind gelaufen, hatten auch Kraft, haben uns in den entscheidenden Situationen aber falsch entschieden. Wir hatten viele Ballverluste und haben Bremen zu Kontersituationen eingeladen.“

Zwei frühe Wechsel in Bremen

Guido Burgstaller, ein Spielertyp, der über den Kampf ins Spiel findet, gewann in Bremen nur 33 Prozent seiner Zweikämpfe. Der Stürmer wirkte schon in der zweiten Halbzeit des Revierderbys gegen den BVB platt, in Bremen hätte Schalke auch ohne Stürmer spielen können. Der Österreicher, der in der Winterpause vom Zweitligisten 1. FC Nürnberg kam und für Schalke seitdem in 14 Partien sechs Tore erzielt hat, ist es nicht gewohnt, im Drei-Tages-Rhythmus zu spielen. „Die Belastung ist hoch, aber auch für ihn gilt, dass es keine Ausreden geben darf. Die Räume waren eng, für ihn war es schwer“, sagte Trainer Markus Weinzierl.

Neben Burgstaller waren in der vergangenen Woche neun weitere Spieler mit ihren Nationalmannschaften auf Länderspielreise. Zeit für Regeneration, Zeit, um die Akkus für den Saisonendspurt aufzuladen, blieb auch da nicht.

In Bremen entschied sich Weinzierl für zwei frühe Wechsel. Für Max Meyer und Eric Maxim Choupo-Moting kamen nach einer Stunde Yevhen Konoplyanka und Klaas-Jan Huntelaar. Für weitere Einsätze haben sich beide nicht empfohlen. Auch Max Meyer, der für den gesperrten Nabil Bentaleb in die Startelf rückte und auf seiner Lieblingsposition, der des Spielmachers, auflief, lieferte keine Argumente, warum er am Samstag gegen den VfL Wolfsburg erneut in der Startelf stehen sollte.

Hinzu kommen die Verletzungssorgen, die über Schalke zu schweben scheinen. Coke musste gleich nach seinem Debüt gegen den BVB pausieren, weil er einen Schlag abbekommen hatte und saß in Bremen nur auf der Bank. Sead Kolasinac, ein Spieler, der in seiner Mannschaft durch seinen enormen Einsatz zuletzt nochmal Kraftreserven freisetzen konnte, stand wegen einer Adduktorenverletzung nicht im Kader. Spielern wie Johannes Geis und Holger Badstuber traut Weinzierl offenbar nicht zu, dass sie konstant Akzente setzen.

Vier Spiele bis zum Finale

Das Programm bis Mai bleibt straff. Schalke steht im Viertelfinale der Europa League und will in diesem Wettbewerb jetzt natürlich für Furore sorgen. Der Titelgewinn würde die Qualifikation für die Champions League bedeuten und könnte die ansonsten sehr enttäuschende Saison retten. Der Einzug ins Finale würde aber auch bedeuten, dass die Schalker neben den restlichen sieben Bundesligaspielen noch fünf weitere Spiele bestreiten müssen. Die Saison bleibt ein Kraftakt.

Autor: Christoph Winkel

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