Das BVB-Boot geriet gleich zum Saisonauftakt in einige, teilweise heftige Turbulenzen, die sich erst nach dem Erfolg in Rostock weitgehend verzogen haben. Auch der Kapitän fühlte sich zu Beginn reichlich durchgeschüttelt und ist mit dem bisherigen Punktefang nicht ganz zufrieden. RevierSport unterhielt sich mit Christian Wörns über den kurzen, aber gleichzeitig heftigen Start in die neue Spielzeit. [b]Die Borussen haben sechs von zwölf möglichen Zählern eingefahren. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?[/b]
Meines Erachtens ist die Ausbeute zu gering, da uns der Dreier gegen Duisburg fehlt. Mit neun Punkten hätten wir einen Super-Start. Doch dafür hätten wir die Partie gegen den MSV konsequenter angehen müssen und nicht so viele Fehler begehen dürfen.

BVB: „Thomas Doll zu lieb? Das kann ich nicht unterschreiben!“

Wörns: „Wollen gegen Werder ein Zeichen setzen“

Randolf Kaminski
11. September 2007, 17:13 Uhr

Das BVB-Boot geriet gleich zum Saisonauftakt in einige, teilweise heftige Turbulenzen, die sich erst nach dem Erfolg in Rostock weitgehend verzogen haben. Auch der Kapitän fühlte sich zu Beginn reichlich durchgeschüttelt und ist mit dem bisherigen Punktefang nicht ganz zufrieden. RevierSport unterhielt sich mit Christian Wörns über den kurzen, aber gleichzeitig heftigen Start in die neue Spielzeit. [b]Die Borussen haben sechs von zwölf möglichen Zählern eingefahren. Ist das Glas nun halb voll oder halb leer?[/b]
Meines Erachtens ist die Ausbeute zu gering, da uns der Dreier gegen Duisburg fehlt. Mit neun Punkten hätten wir einen Super-Start. Doch dafür hätten wir die Partie gegen den MSV konsequenter angehen müssen und nicht so viele Fehler begehen dürfen.

Wäre mit einer breiteren Auftaktbrust auch mehr in Schalke drin gewesen?

Das ist schwer zu sagen, aber ich glaube eher nicht. Die Königsblauen haben einfach super gespielt, sie waren ganz einfach besser. Solche Tage gibt es leider. So weh die Niederlage tut, die gegen Duisburg war vermeidbarer.

Die Mannschaft hat für beide Pleiten reichlich Kritik gehört, zurecht?

Wir haben vier Treffer aus Standardsituationen kassiert, die anderen Tore fielen anschließend mehr oder weniger aus Kontern. So darf man sich einfach nicht präsentieren, in der Vorbereitung haben wir doch gezeigt, wie es geht. So ist es halt normal, wenn es Kritik hagelt. Wichtig für uns war aber unsere eigene Einstellung. Wir haben gesagt, dass wir unseren Weg weiter gehen, von dem lassen wir uns weder von negativen noch von positiven Kommentaren von außen abbringen. In den folgenden zwei Partien haben wir dann genau die richtige Reaktion gezeigt.

Sie haben gerade die Vorbereitung angesprochen, wäre eine schlechtere im Endeffekt nicht besser gewesen?

Auf der anderen Seite könnte man auch sagen, dass eine weniger gute nicht förderlich für das Selbstvertrauen ist. Aber es stimmt schon, dass wir uns haben einlullen lassen. Noch dem 4:0 gegen den AS Rom war die Euphorie riesengroß, dabei waren die Italiener gerade fünf Tage im Training. Schon das Match gegen Vitesse Arnheim hat mir nicht so gefallen, da haben wir nicht überzeugt, doch wer will schon nach einem 4:1-Erfolg meckern? Gegen Magdeburg setzte sich das dann fort. Wir spielten nicht gut, gewannen aber klar. Prompt denkst du, auch gegen den MSV mit zehn Prozent weniger zu gewinnen. Dafür haben wir die entsprechende Quittung erhalten.

Die auch die Mannschaft insgesamt zu spüren bekommen hat, denn Coach Thomas Doll hat in fünf Pflichtspielen stets eine andere Formation, teilweise mit einer anderen Ausrichtung, auf den Platz geschickt. Tragen ausgerechnet solche Maßnahmen zur Stabilisierung bei?
Wir hatten Probleme mit der einen oder anderen Verletzung, zudem im Spiel zu viele Ausfälle. Der Trainer hat damit Zeichen gesetzt, die waren genau richtig, weil sich der eine oder andere so seine Gedanken machen musste.

Auch Sie und Robert Kovac wurden massiv unter Beschuss genommen.

Die Art und Weise wie das geschah, war nicht fair. Es geht nicht um das Alter, sondern nur um die Leistung. Markus Brzenska hat in seinen zwei Spielen gute Leistungen gezeigt, aber diese Begegnungen hätten wir auch mit Robert gewonnen. Insgesamt war da viel zu viel Populismus im Spiel. Es muss das ganze Team funktionieren, sonst kann eine Innenverteidigung gar nicht alle Brandherde löschen, die überall entstehen.

Weil die Deckung schon im Angriff beginnt?
Ja, genau das war in der Endphase der vergangenen Spielzeit unser großes Plus. Wenn dir im Mittelfeld und ganz vorne schon viel Arbeit abgenommen wird, dann ist es einfach, zu null zu spielen. Wenn das Abwehrverhalten aber grundsätzlich überall nicht vorhanden ist, dann spielt dir der Gegner die Bälle nur so um die Ohren. Aggressivität ist einfach unverzichtbar, sie muss in jedem Spiel neu aufgebaut werden.

Hat die Mannschaft aus dem verkorksten Start die richtigen Lehren gezogen?

In Rostock haben wir zwar nicht schön gespielt, aber die Einstellung hat gestimmt. Wenn wir die gleiche Mentalität wie gegen Duisburg an den Tag gelegt hätten, wären wir als Verlierer vom Platz gegangen, selbst wenn ich zugestehe, dass wir gegen Hansa auch Glück hatten.

Stimmen Sie der These zu, dass das Match gegen Bremen richtungsweisend sein kann?
Wir haben gesehen, dass uns selbst zwei Niederlagen nicht umgehauen haben, weil wir die entsprechende Antwort geben konnten. Wir müssen weiter nur von Spiel zu Spiel denken. Das heißt für das nächste, dass wir besser auftreten müssen als in Rostock. Selbstverständlich wollen wir zudem gegen Werder ein Zeichen setzen.

Thomas Doll legt großen Wert auf eine sogenannte Teambildung. Vollzieht diese sich beim BVB oder klafft zwischen Anspruch und Wirklichkeit noch eine Lücke?
Er sorgt für eine gute Stimmung in der Mannschaft, spricht auf der anderen Seite aber auch alle Dinge offen an, ohne dabei einen Spieler so in die Pfanne zu hauen, dass diesem noch nach einem halben Jahr die Ohren klingeln. Wenn ich irgendwo lese, er wäre zu lieb, dann kann ich das nicht unterschreiben. Er ist durchaus mal knurrig.

Das war Ebi Smolarek auf die Vereinsführung wegen seines Gehaltes auch. Sie haben noch im Sommer gesagt, Sie würden um ihn kämpfen, jetzt spielt er in Spanien.

Ja, denn er hätte schon mit mir kämpfen müssen. Ich weiß nicht, welche Probleme er mit der Führungsetage hatte, darüber hat er mit mir nie gesprochen. Trotzdem bleibe ich bei meiner Meinung. Er ist ein Superspieler und ein Typ, der hier in mehr als zwei Jahren alles gegeben hat.

Autor: Randolf Kaminski

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