Entschlossen schritt Sebastian Pagel (25) voran, als er mit der Kapitänsbinde am Arm auf den vertrauten Rasen in Dortmund-Huckarde trat. Zum ersten Mal seit November 2005 bestritt der Verteidiger am ersten Spieltag dieser Saison wieder ein Pflichtspiel für seinen Bezirksliga-Klub Blau-Weiß. Zum ersten Mal seit der bitteren Diagnose, die schon so manchen Fußballer aus der Karriere-Bahn warf: Kreuzbandriss. „Man weiß es mehr zu schätzen, dass man dort überhaupt steht und Fußball spielt“, sagt der Verteidiger nach fast zwei Jahren Auszeit. Dennoch ging er mit einer gehörigen Portion Nervosität auf den Platz. Doch in den ersten beiden Saisonspielen passierte nichts. „Ich bin ohnehin niemand, der sich in jeden Zweikampf ´rein haut“, sagt Pagel. Dass da am Knie doch mal was war, merkte er allerdings spätestens am Montag nach dem Spiel. Denn da kamen die Schmerzen.

Muskelkater & Co: Diagnose - Kreuzbandriss

Der "Moment des Schreckens"

Felix Guth
11. September 2007, 13:30 Uhr

Entschlossen schritt Sebastian Pagel (25) voran, als er mit der Kapitänsbinde am Arm auf den vertrauten Rasen in Dortmund-Huckarde trat. Zum ersten Mal seit November 2005 bestritt der Verteidiger am ersten Spieltag dieser Saison wieder ein Pflichtspiel für seinen Bezirksliga-Klub Blau-Weiß. Zum ersten Mal seit der bitteren Diagnose, die schon so manchen Fußballer aus der Karriere-Bahn warf: Kreuzbandriss. „Man weiß es mehr zu schätzen, dass man dort überhaupt steht und Fußball spielt“, sagt der Verteidiger nach fast zwei Jahren Auszeit. Dennoch ging er mit einer gehörigen Portion Nervosität auf den Platz. Doch in den ersten beiden Saisonspielen passierte nichts. „Ich bin ohnehin niemand, der sich in jeden Zweikampf ´rein haut“, sagt Pagel. Dass da am Knie doch mal was war, merkte er allerdings spätestens am Montag nach dem Spiel. Denn da kamen die Schmerzen.

Den „Moment des Schreckens“ hat der 25-Jährige noch genau vor Augen. Es ist ein typischer November-Spieltag der Saison 05/06. Fieses Nieselwetter, grauer Himmel, BW Huckarde gastiert beim SC Fatihspor. Sebastian Pagel erlebt einen persönlich eher frustrierenden Nachmittag. Nach einem langen Nachmittag auf der Ersatzbank schickt ihn der Trainer doch zum Warmlaufen, in 83. Minute wird er eingewechselt. Sein Auftritt dauert nur drei Minuten. „Es gibt einen Freistoß von Außen. Ich gehe hin, der Torwart segelt in mich hinein. Dann bin ich seitlich weggeknickt“, erinnert sich der Sportstudent an die verhängnisvolle Szene.
[imgbox-left]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/004/419-4465_preview.jpeg Prominentes Kreubandriss-Opfer: Ronaldo[/imgbox]
„In der Regel reißt das vordere Kreuzband“, sagt Dr. Harm With, Ärztlicher Leiter der Reha-Klinik Bad Hamm. Bei Pagel kam noch ein Innenbandriss dazu. „Der war deutlich schmerzhafter. Vom Kreuzband habe ich zunächst gar nicht viel gemerkt“, meint er.

Es folgte die übliche Prozedur: Nach der Bestätigung des Verdachts durch eine Kernspintomographie wurde schnell ein OP-Termin vereinbart. Es schien alles gut zu laufen. Nach einigen Wochen der Regeneration wollte der Vollblut-Fußballer wieder erste Gehversuche unternehmen. „Aber es ging gar nicht. Es fühlte sich an, als wäre Sand im Getriebe“, sagt Pagel. Es folgten weitere Arztbesuche, die nächste OP. Im September 2006 wurde ihm – ähnlich dem Fall des BVB-Profis Sebastian Kehl - Narbengewebe aus dem Knie entfernt.

[imgbox-right]http://static.reviersport.de/include/images/imagedb/000/004/418-4464_preview.jpeg T. Frings blieb die schlimme Diagnose erspart[/imgbox]Dr. Harm With sieht das Hauptproblem bei Kreuzbandrissen in der langwierigen Nachbehandlung. Sie erfordere Geduld von den Hobbysportler. „Bei der Operation wird eine Sehne von einer anderen Stelle entnommen und gedoppelt oder gevierfacht. So gewährleistet sie nach Ausheilung sogar eine höhere Festigkeit und Stabilität als das ursprüngliche, körpereigene Kreuzband“, erklärt der Sportmediziner. Bei gewissenhafter Reha gebe es keinen Grund, sich nicht wieder zu einhundert Prozent dem Sport zu widmen.

Sebastian Pagel weiß, zu welche einer Geduldsprobe die lange Pause werden kann. Sein Sportstudium litt ganz konkret, der Lehramtskandidat verpasste wichtige Prüfungen. Die hat er nun nachgeholt, die Berufsplanung läuft wieder in geraden Bahnen. Dass der bei den Huckardern auch im Vorstand aktive Pagel auch seiner Fußball-Leidenschaft wieder uneingeschränkt folgen kann, verdankt er dem Dortmunder Reha-Zentrum „Orthomed“. Dort wo schon zahlreiche Profi-Patienten von Kreuzbandrissen geheilt wurden, schuftete er sich durch die Physiotherapie. „Die Beweglichkeit im Bein war völlig weg, es fühlte sich an wie Pudding“, meint der Huckarder. Doch nun steht er wieder mit voller Kraft auf dem Platz. „Die Rückkehr war immer mein Ziel, auch wenn es zwischendurch Zweifel gab.“

Der Familienname Pagel scheint dabei auf geradezu mysteriöse Art mit Kreuzbandrissen verbunden zu sein. Denn gerade als Sebastians Leidenszeit überstanden war, verletzte sich sein Cousin und Blau-Weiß-Teamkollege Daniel. Stefan Pagel, ebenfalls verwandt und bei VfL Hörde aktiv, fiel ebenfalls lange aus. Diagnose – Kreuzbandriss.

Autor: Felix Guth

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