Ex-Nationalspieler wollen Louis van Gaal aus dem Sabbatjahr holen, Arjen Robben reiste auf dem Höhepunkt der Krise und entgegen aller Pläne mit der Elftal nach Amsterdam:

Oranje-Krise

Experten wollen van Gaal aus Sabbatjahr holen

sid
27. März 2017, 14:44 Uhr
Foto: firo

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Ex-Nationalspieler wollen Louis van Gaal aus dem Sabbatjahr holen, Arjen Robben reiste auf dem Höhepunkt der Krise und entgegen aller Pläne mit der Elftal nach Amsterdam:

Nach dem Rauswurf von Bondscoach Danny Blind und dem drohenden Aus in der WM-Qualifikation ist bei der Fußball-Nationalmannschaft der Niederlande vor dem Länderspiel gegen Italien am Dienstag in der Amsterdam Arena (20.45 Uhr) hektische Betriebsamkeit ausgebrochen.

Frühere Top-Spieler und Trainer forderten die Rückkehr von Louis van Gaal als Bondscoach. "Die Mannschaft ist sehr jung und nicht selbstbewusst. Da haben sie einen Trainer wie Louis van Gaal nötig, der autoritär mit den Spielern umgeht und ihnen klare Befehle gibt", sagte der frühere Nationalspieler Pierre van Hooijdonk.

Nach Einschätzung von van Hooijdonk, der von 1994 bis 2004 46 Länderspiele bestritt, kommt das junge Team mit kommunikativeren Trainern wie Blind oder Guus Hiddink nicht zurecht. "Diese Spieler brauchen eine harte Hand", sagte der 47-Jährige.

Co Adriaanse, früherer Trainer von Ajax Amsterdam, schloss sich der Meinung an. Beide sprachen sich alternativ auch für Henk ten Cate (Sparta Rotterdam) als Trainer aus. Allerdings sollte der frühere Coach vom KFC Uerdingen (1998 bis 1999) Ex-Europameister Ruud Gullit als Assistenten mitbringen.

In der Experten-Debatte beim TV-Sender NOS fiel auch der Name von Jürgen Klinsmann. Der frühere Bundestrainer sei frei, habe mit dem US-Team aber keine großen Erfolge gefeiert, lautete das Fazit. Pikant: Klinsmann hatte bei der WM 1990 beim 2:1 im Achtelfinale gegen Holland ein Tor erzielt, sein bestes Länderspiel gezeigt und großen Anteil daran, dass die goldene Generation von Oranje mit Gullit, Frank Rijkaard und Marco van Basten ohne WM-Titel geblieben war.

Blind musste am Sonntagabend seinen Hut nehmen, nachdem die Elftal tags zuvor in der Gruppe A der WM-Qualifikation in Bulgarien mit 0:2 verloren hatte. Die Oranje-Stars (7 Punkte) sind hinter Frankreich (13), Schweden (10) und Bulgarien (9) nur noch Vierter und können sich bestenfalls noch Hoffnungen machen, als Zweiter die Play-offs zu erreichen.

Robben setzte in der Notlage ein Zeichen. Der Stürmer-Star von Bayern München reiste nach der Pleite von Sofia nicht wie geplant nach München zurück, sondern flog mit der Elftal nach Amsterdam. Der Kapitän wollte das Team in der Krise nicht allein lassen und die Gespräche in der Trainerfrage aus der Nähe mitbekommen. Gegen Italien wird das Team vom bisherigen Co-Trainer Fred Grim betreut.

Die Berufung eines neuen Cheftrainers hat für den Verband (KNVB) absolute Priorität. Vor dem 1. Juni soll Blinds Nachfolger präsentiert werden. KNVB-Sportdirektor Hans van Breukelen, Torwart beim Gewinn des EM-Titels 1988 in Deutschland, will ein Kandidatenprofil erstellen.

Der neue Mann soll auf jeden Fall bei den nächsten Testpartien auf der Bank sitzen. Am 31. Mai spielt Oranje in Casablanca gegen Marokko, am 4. Juni geht es in Rotterdam gegen die Elfenbeinküste. Die nächste Aufgabe in der WM-Qualifikation steht am 9. Juni ebenfalls in Rotterdam gegen Luxemburg auf dem Programm.

Van Gaal äußerte sich zuletzt widersprüchlich zu seinen Plänen. Zunächst kündigte der "General" sein Karriereende an ("Der Ehrgeiz ist weg"), dann machte er einen Rückzieher ("Ich habe mir ein Sabbatjahr genommen"). In seiner Karriere hatte der ehemalige Bayern-Coach die Elftal bereits zweimal (2000 bis 2002, 2012 bis 2014) trainiert.

Die Panik in den Niederlanden ist auch deshalb so groß, weil der dreimalige WM-Zweite bereits die Teilnahme an der EM 2016 in Frankreich verpasst hatte. Sollte man auch für die WM im kommenden Jahr kein Ticket lösen, bleibt das Spiel um Platz drei bei der WM 2014 in Brasilien (3:0 gegen die Gastgeber) für weitere Jahre der letzte Auftritt der Elftal auf großer Bühne. Trainer damals: Louis van Gaal.

Autor: sid

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