Bei Borussia Dortmund mögen sie diesen Alarm nicht sonderlich. Den Alarm zum Beispiel, der gerade um Christian Pulisic gemacht wird.

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Tuchel rät Pulisic: "Den Alarm ausschalten"

Daniel Berg
16. März 2017, 20:40 Uhr
Foto: Firo

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Bei Borussia Dortmund mögen sie diesen Alarm nicht sonderlich. Den Alarm zum Beispiel, der gerade um Christian Pulisic gemacht wird.

Der kommt daher, dass das 18-jährige Talent aus den USA eine immer wichtigere Rolle in der BVB-Offensive einnimmt. Das wiederum liegt unter anderem daran, dass dort Personal so langsam knapp wird und Trainer Thomas Tuchel im Vorfeld des Bundesligaspiels gegen den FC Ingolstadt am Freitagabend (20.30 Uhr) erneut zu personellen Rochaden gezwungen sein wird. Marco Reus (Muskelfaserriss) fehlt, Mario Götze (Stoffwechselstörungen) fehlt, Ousmane Dembélé (Gelbsperre) fehlt, Pierre-Emerick Aubameyang (Leistenbeschwerden) und Shinji Kagawa (Knieprellung) sind angeschlagen und ihr Einsatz deshalb fraglich. Darum erhält Pulisic noch mehr Einsatzzeit als sonst. Und weil er sie so formidabel nutzt, weil er sowohl gegen Benfica Lissabon in der Champions League als auch im DFB-Pokal gegen die Sportfreunde Lotte wichtige Tore schoss und das jeweilige Weiterkommen sicherstellte, ist er mal wieder in aller Munde.

"Wir sind sehr zufrieden mit seiner Entwicklung", lobt BVB-Trainer Thomas Tuchel am Donnerstag und verweist dabei stets auf den Umstand, dass Pulisic noch in der A-Jugend würde spielen können. "Christian ist sehr selbstbewusst, was sich in großer Stressresistenz zeigt." So etwas kann man schwer lernen, sowas kann man man auch nicht absehen. Zumindest nicht zu dem Zeitpunkt, als ihn der BVB verpflichtete. 2014 mit damals 16 Jahren wechselte er nach Deutschland. "Man sieht das Talent, aber ob es ein Spieler in Stresssituationen stabil abrufen kann, ist schwer vorhersehbar. Christian schafft das auf bemerkenswerte Weise." Er sei lange ein wertvoller Wechselspieler gewesen und nun auch durch die Ausfälle ein "wichtiger Starter". Europaweit ist Pulisics Talent zu sehen. Seinen Vertrag hat er gerade erst bis 2020 verlängert. Trotzdem wird ihm sehr hartnäckig eine Zukunft angedichtet, die nicht in Dortmund liegt.

"Ich würde ihm empfehlen, möglichst wenig zu lesen. Das würde ich auch empfehlen, wenn es nicht so gut läuft", sagt Tuchel: "Einfach mal den Google Alert mit dem eigenen Namen ausstellen." Jenen Alarm also, der einem die neuesten Nachrichten in eigener Sache anbietet.

Jüngst befüllte den Mehmet Scholl als Experte der ARD während des DFB-Pokalspiels in Lotte. Der frühere Münchener Meisterspieler lobte Pulisic über alle Maßen: "Er ist mein absoluter Lieblingsspieler. Ich könnte mir vorstellen, dass die Bayern wahrscheinlich irgendwann an ihn herangehen, weil er einfach die spezielle Qualität hat." Tuchel stand bei der Aussage etwas perplex daneben.

Pulisic einer für Bayern? Was erlaube Scholl? "So ganz überrascht war ich nicht. Der Mehmet hatte mir schon einmal abseits der Kameras gesagt, dass Christian aus seiner Sicht ein Spieler für die Bayern ist. Ich habe ihm gesagt, dass er das schön für sich behalten soll. Das hat wunderbar funktioniert", lachte Tuchel, ließ aber Milde mit dem Ex-Profi walten: "Er ist ja auch im Studio, damit er mal einen rausdrückt." Das hat er damit getan.

Wie auch immer die Zukunft aussieht, die Gegenwart heißt Dortmund und dort ist Ingolstadt der nächste Gegner. Gut möglich, dass Pulisic erneut das Mandat für die Startelf erhält. Wer da um ihn herum auf dem Platz steht, macht für ihn kaum einen Unterschied. "Wir haben nicht nur elf Mann mit Qualität", sagt er in fast perfektem Deutsch: "Wenn einer fehlt oder zwei oder drei, dann kommt ein anderer und macht es gut." Ohne es zu sagen, spricht er auch von sich. Und den Alarm? Den soll er sich aus Dortmunder Sicht sparen. Und alle anderen am besten auch.

Autor: Daniel Berg

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