Diese Nachricht hat die Spieler des SC Hassel wie ein Schlag getroffen.

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SC Hassel steht vor einer ungewissen Zukunft

Christoph Winkel
16. März 2017, 10:20 Uhr
Foto: Thorsten Tillmann

Foto: Thorsten Tillmann

Diese Nachricht hat die Spieler des SC Hassel wie ein Schlag getroffen.

Abteilungsleiter Jörg Böving hat die Mannschaft am Dienstagabend nach dem Training darüber informiert, dass die Aufwandsentschädigungen, die die Spieler für die kommende Saison individuell mit dem Abteilungsvorstand vereinbart haben, nicht gezahlt werden können.

Nach Informationen der WAZ soll es sich um drastische Kürzungen handeln. Die Zukunft der Oberliga-Mannschaft ist ungewiss. Zwischen den Einnahmen und den veranschlagten Kosten der Abteilung klaffe laut des Abteilungsleiters Jörg Böving ein großes Loch. Die genaue Zahl möchte er nicht nennen, die Rede ist aber von einem hohen fünfstelligen Betrag. „Es ist leider so. Wir können nicht mehr Geld ausgeben als wir einnehmen“, sagt Böving. Die genaue Übersicht der Zahlen liege erst jetzt vor, da die Einarbeitung nach dem Wechsel an der Abteilungsspitze Mitte Januar einige Wochen Zeit in Anspruch genommen hätte.

Neun Spieler hatten seit Januar nach und nach ihre Zusagen gegeben. In den Gesprächen mit dem neuen Sportlichen Leiter Jörg Giller sollen die meisten von ihnen allerdings verbesserte Konditionen ausgehandelt haben, die die Verantwortlichen nun in die finanzielle Bredouille bringen. „Die Gesamtkosten der aktuellen Saison hätten wir auch in der nächsten Saison irgendwie stemmen können. Die Kosten, die nun in der nächsten Saison auf uns zukommen würden, könnten wir nicht aufbringen“, stellt Böving klar.

In den nächsten Tagen sollen deshalb erneut Gespräche mit den Spielern geführt werden. Es ist aber davon auszugehen, dass die meisten den Verein nach der laufenden Saison verlassen werden. Ob die drei Neuzugänge tatsächlich ab Sommer das Hasseler Trikot tragen, ist fraglich. Auch die Zukunft von Trainer Thomas Falkowski, der den Klub im Sommer 2016 in die Oberliga geführt hat, ist wieder ungewiss. „Die Enttäuschung, dass Zusagen nicht eingehalten werden können, ist riesengroß. Die Spieler werden ihre Schlüsse daraus ziehen, ich werde es auch tun“, kündigte der 34-Jährige an. Trotz des Ärgers möchte er sein Team bestmöglich auf die nächste Aufgabe vorbereiten. Am Sonntag ist Lippstadt zu Gast.

Stürmer Dawid Ginczek war am Tag nach der Nachricht noch fassungslos. „Wir sind geschockt und auch sauer. Wenn man von Anfang an mit offenen Karten gespielt hätte, wäre es etwas anderes gewesen. Viele Spieler haben anderen Vereinen abgesagt.“ Finanzielle Forderungen, das haben mehrere SC-Spieler bereits betont, hätten bei der Entscheidung pro Hassel sowieso nicht an erster Stelle gestanden.

Spieler sind enttäuscht und sauer

Mannschaftskapitän Nikolaj Zugcic, der seit sechs Jahren am Stadion Lüttinghof kickt, vermutet, dass „eine sehr schöne Zeit zu Ende gehen wird.“ Der 29-Jährige sagt: „Diese Entwicklung ist extrem traurig. Wir sind sportlich alle zu ehrgeizig, um in der nächsten Saison keine höheren Ziele zu haben.“ Vize-Kapitän Patrick Rudolph: „Das ist auch eine Vertrauenssache. Uns Spielern sind falsche Versprechungen gemacht worden.“

Im Januar gab Abteilungsleiter Böving als Ziel aus, sich sportlich nicht verschlechtern zu wollen. Hassel stand zu diesem Zeitpunkt auf Rang sechs der Oberliga. Er weiß, dass es fast ausgeschlossen ist, dass der SC Hassel unter den neuen Voraussetzungen mit der Mannschaft in die neue Saison gehen wird, die ursprünglich dafür vorgesehen war. Böving betont, dass es ihm wichtig war, die Karten jetzt offen auf den Tisch zu legen. „Wenn ein Spieler uns unter diesen Umständen verlassen will, bleibt ihm noch Zeit, einen neuen Verein zu finden.“ Sein Wunsch ist natürlich ein anderer: „Es wäre toll, wenn einige Spieler auf Geld verzichten und trotzdem bei uns in Hassel bleiben würden.“

Sollte der Großteil der Mannschaft den SC Hassel tatsächlich verlassen, wäre sogar ein freiwilliger Rückzug aus der Oberliga nicht ausgeschlossen. Konkurrenzfähig wolle man in jedem Fall bleiben. „Wir wollen in Hassel guten und erfolgreichen Fußball spielen. Aber nicht um jeden Preis“, sagt Böving.

Autor: Christoph Winkel

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