Zuerst hatte Leroy Sané einen schlechten Start bei Manchester City. Inzwischen ist er Stammspieler. Denn ihm half einer, der den Hype schon kennt.

England

Alle sind von Leroy Sané begeistert

Jörn Meyn
15. März 2017, 10:37 Uhr
Foto: firo

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Zuerst hatte Leroy Sané einen schlechten Start bei Manchester City. Inzwischen ist er Stammspieler. Denn ihm half einer, der den Hype schon kennt.

Es hätte gut sein können, dass Raheem Sterling im Knast landet. Statt in der Premier League. Je nachdem. Als der heute 22-Jährige einst als Pubertierender von der Schule flog und in eine Einrichtung für Schwererziehbare gesteckt wurde, prophezeite ein Lehrer: „Wenn du so weiter machst, bist du mit 17 entweder im Gefängnis oder in der Nationalmannschaft.“ Einer wie Sterling kann also ein wunderbarer Ratgeber sein.

Leroy Sané galt nie als schwer erziehbar. Dennoch fand er in Sterling einen Bruder im Geiste, als Sané im letzten Sommer für 50 Millionen Euro vom FC Schalke zu Manchester City wechselte und zum teuersten deutschen Spieler der Geschichte aufstieg. Denn Sterling, sein neuer Mitspieler bei den „Sky Blues“, war nicht im Knast gelandet, sondern hatte mit etwas Vorsprung genau das durchlaufen, was Sané gerade erlebte. Eine sportliche Entwicklung, bei der am Mittwoch (20.45 Uhr/live in unserem Ticker) im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League beim AS Monaco eine neue Stufe erreicht werden soll.[infobox-right]Was der Papa sagt:
Als Ex-Profi, unter anderem bei der SG Wattenscheid 09,kann Souleymane "Samy" Sané seinem Sohn Leroy viele Tipps geben. Er dosiert das aber: "Meine Eltern haben sich auch nicht in meine Karriere eingemischt. Sie standen mir aber stets zur Seite. Wenn Leroy meine Meinung hören will, sage ich ihm die unter vier Augen."
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Mit 17 debütierte der flinke Mittelfeldspieler für den FC Liverpool und die englische Nationalelf, das vermeintlich größte Talent auf der Britischen Insel wechselte 2015 für 63 Millionen Euro zu Manchester City. Nie wurde für einen Engländer mehr bezahlt. Sané widerfuhr dasselbe: Kein anderer Spieler in den vergangenen Bundesligajahren weckte so viel Fantasie wie der Sohn des Ex-Profis Souleymane Sané, seit er mit 18 für Schalke debütierte. „Er ist ein Spieler mit einer besonderen Gabe und Raffinesse“, sagte Bundestrainer Joachim Löw, als er Sané im November 2015 zum ersten Mal für die Nationalelf nominierte.

In Manchester bei Star-Trainer Pep Guardiola angekommen, trafen sich Sané und Sterling. Sie wurden Freunde, der Engländer half dem Ex-Schalker, ein halbes Jahr nach seiner Ankunft in England den Weg ins neue Leben zu finden. Sané: „Raheem hat mir von Anfang an viel geholfen. Nach Spielen kam er zu mir und sagte: Glaube an dich selbst. Mit der Zeit ergibt sich alles.“

Es hat sich alles ergeben, nachdem der Flügelspieler auch wegen einiger Blessuren lange wenig zum Einsatz gekommen ist und man sich dabei erwischt hat, wie man dachte, dass das ja irgendwie auch zu erwarten war. Der Junge wird untergehen bei den Stars um Sergio Agüero und Kevin De Bruyne. Sané aber schwamm sich frei, hat sich einen Stammplatz erkämpft. Guardiola sagt: „Er hat eine Qualität, die nicht leicht zu finden ist.“ Die Weltklasse befindet sich noch ein Zimmer nebenan. Aber die Tür dazu ist geöffnet. „Ich weiß, dass er sich in diese Richtung entwickeln kann.“

Seit Jahresbeginn war Sané an sieben Toren direkt beteiligt (fünf Treffer, zwei Vorlagen). Erstaunlich dabei ist die Effizienz vor dem Tor: Für seine insgesamt sechs Saisontreffer benötigte er nur acht Versuche. Die Entwicklung hat auch mit Sterling zu tun: Während Sané als linker Flügelstürmer für die Tiefe im Pep-Fußball sorgt, tut das Sterling auf rechts. Zusammen sind sie eine vorzügliche Flügelzange – die „Sky Blues Brothers“, zuständig für die Musik im Spiel. Seit beide sich gefunden haben, läuft es für City besser. Er sei jetzt angekommen in Manchester, sagt Sané deshalb zufrieden: „Die Premier League ist ganz anders als die Bundesliga, es hat etwas gedauert, bis ich damit zurecht kam.“

Mittlerweile klappt das ganz gut.

Autor: Jörn Meyn

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