Shun Terada vom Landesligisten DSC 99 hat sich in die Notizblöcke der höheren Ligen geschossen. 27 Tore und acht Vorlagen hat der Japaner in insgesamt 22 Spielen vorzuweisen.

Shun Terada

Landesliga-Bomber will Profi werden

21. März 2017, 15:02 Uhr
Foto: Stefan Loyda

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Shun Terada vom Landesligisten DSC 99 hat sich in die Notizblöcke der höheren Ligen geschossen. 27 Tore und acht Vorlagen hat der Japaner in insgesamt 22 Spielen vorzuweisen.

Im Sommer ist Shun Terada aus Japan nach Deutschland gekommen. Um Fußballprofi zu werden, wie er betont. In seiner Heimat hatte er bisher in der höchsten Universitätsliga für Ritsumeikan gespielt. Ohne jegliche Sprachfähigkeiten hat er dann eines Tages seine Sachen gepackt und sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. „Seit Deutschland Weltmeister geworden ist, gibt es einen richtigen Aufbruch in Japan. Das Ansehen Deutschlands ist dort sehr hoch“, berichtet Kevin Lehr.

Lehr kickt in seiner zweiten Saison beim Bezirksligisten SSV Strümp in Meerbusch und betreut den 23-Jährigen gemeinsam mit TuRU-Angreifer Takehiro Kubo. In der Saison 2014/15 lernten sich die beide beim damaligen TuS Bösinghoven (heute nach der Fusion mit dem ASV Lank heißt der Klub TSV Meerbusch) kennen. Kubo hatte 2014 selbst seine Sachen gepackt und sich nach Deutschland begeben. In einer Nacht- und Nebelaktion wollte er es seinem Bruder gleich tun.

Takehiros Bruder Yuya wechselte 2013 vom japanischen Zweitligisten Kyoto Sanga in die Schweiz zu den Young Boys Bern, für die Ablösesumme von 3,5 Millionen Euro ging er im Januar zum belgischen Europa League Teilnehmer KAA Gent. Fünf Tore gelangen ihm dabei in seinen ersten sieben Einsätzen, zudem gehört Yuya zum erweiterten Kader der japanischen Nationalmannschaft. „Wann immer es möglich ist, besuche ich seine Spiele“, sagt Takehiro stolz über seinen Bruder. Mit 29 Treffern in zweieinhalb Jahren hat sich der ehemalige Uerdinger in der Oberliga Niederrhein mittlerweile selbst einen Namen gemacht.

In ihrer gemeinsamen Zeit in Bösinghoven beschlossen Lehr und Kubo, japanische Fußballspieler in Deutschland an Vereine zu vermitteln und sie auch in Behördenfragen zu betreuen. Visafragen, Wohnungssuche, Studienplätze – in allen Bereichen unterstützen die beiden ihre Landsmänner auf ihrem Weg in Deutschland. Die Idee dazu hatten sich im Krankenhaus nach dem Spiel des TuS gegen Rot-Weiß Oberhausen II, berichtet Lehr: „Ich war damals verletzt und stand am Rand. Takehiro ist nach einer Flanke gegen ein Gitter geprallt und hat sich das Knie aufgeschlitzt.“ Da Lehrs Mutter auch aus dem Land der aufgehenden Sonne stammt, und er somit auch die japanische Sprache beherrscht, ist er mit dem verletzten Kubo im Krankenwagen mit ins Hospital gefahren. „Wir haben dort lange warten müssen und kamen so ins Gespräch. Dabei hatten wir die Idee, japanische Spieler, so ähnlich wie Berater, in ihrem Fußballleben zu unterstützen.“

Schließlich war Lehr für Kubo selbst eine große Hilfe: „Es ist vor allem am Anfang unheimlich wichtig, einen zweisprachigen Kumpel zu haben. Das erleichtert zum einen die Integration, zum anderen aber auch die vielen Behördengänge.“ Warum sie dies nun auch für Neuankömmlinge machen? „Wir sind beide sehr heimatverbunden. Es ist ein Traum, unser Hobby Fußball mit Japan verknüpfen zu können.“ Mittlerweile betreuen sie etwa 20 japanische Fußballer im Düsseldorfer Raum. Unentgeltlich.

So eben auch Terada. Lehr und Kubo vermittelten dem Angreifer zuerst ein Probetraining beim Rather SV, dort fiel er jedoch durch. Der Düsseldorfer SC 99 nahm ihn in Anschluss mit Kusshand. Dass der RSV mit dieser Entscheidung einen Fehler gemacht hat, wurde den Verantwortlichen spätestens im ersten Aufeinandertreffen klar: Beim 4:1 des DSC erzielte Terada gleich drei Tore. Man könnte in diesem Zusammenhang natürlich von Genugtuung sprechen, Terada tut dies nicht: „Ich bin froh, dass ich die Möglichkeit bekomme zu spielen. Ich wurde hier von Anfang an sehr freundlich aufgenommen und bin von meinem Trainer und dem Umfeld begeistert.“ Mit seinen Toren will er dem Verein für alles danken.

Und wie: Mit seiner Wahnsinnsbilanz von 24 Treffern und neun Vorlagen in 21 Spielen hat er den DSC, zu Saisonbeginn noch klarer Abstiegskandidat, an die Tabellenspitze geschossen. Noch am Wochenende drehte er einen 0:1-Halbzeitrückstand gegen Union Nettetal mit einem lupenreinen Hattrick innerhalb von 13 Minuten. Dadurch hat er mittlerweile sogar das Interesse zweier Regionalliga-Teams geweckt. Zudem wurde die Beratungsagentur DGSports.de auf ihn aufmerksam und betreuen ihn nun professionell. Für ihn ist das jedoch alles kein Grund abzuheben. So lange seine Zukunft nicht geklärt ist, konzentriert er sich voll und ganz auf den Saisonendspurt beim Düsseldorfer SC 99: „Ich werde in den kommenden Monaten alles dafür tun, weiterhin Tore zu schießen und mit der Mannschaft aufzusteigen.“

Sollte dies gelingen, dürfte er spätestens dann seinen Platz in den Notizbüchern der Profivereine gesichert haben. Und dies wäre auch ein Verdienst von Kevin Lehr und Takehiro Kubo.

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