Für Stephan Paßlack ist die Lage der Liga sonnenklar: „Die Entscheidung, wer drin bleibt und wer in die Relegation muss“, sagt der ehemalige Fußballprofi mit Blick auf die aktuelle Bundesliga-tabelle, „fällt erst am 34. Spieltag.“

Abstiegskampf

Die halbe Bundesliga zittert

Domink Loth/Thomas Tartemann
14. März 2017, 07:07 Uhr
Foto: firo

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Für Stephan Paßlack ist die Lage der Liga sonnenklar: „Die Entscheidung, wer drin bleibt und wer in die Relegation muss“, sagt der ehemalige Fußballprofi mit Blick auf die aktuelle Bundesliga-tabelle, „fällt erst am 34. Spieltag.“

Zehn Spiele sind noch zu spielen und 30 Punkte zu vergeben. Der halben Liga droht noch der Absturz. Sogar Schalke 04. Niemand kann sich darauf verlassen, dass 35 Punkte wie früher zum Klassenerhalt reichen. Eher müssen es 40 sein. Die zwei Monate bis zum letzten Spieltag am 20. Mai werden eine Nervenschlacht. Paßlack weiß es genau: „Gewonnen oder verloren entscheidet sich zwischen den Ohren!“

Geht’s um Abstiegskampf, kennt sich niemand besser aus. Sein Rekord: Fünfmal stieg der heute 46-Jährige schon in die Zweitklassigkeit ab. Dreimal mit Uerdingen, jeweils einmal mit Gladbach und Nürnberg. Er sagt: „Die Nerven spielen eine entscheidende Rolle. Ich bin sicher, dass Hamburg und Bremen Vorteile im Existenzkampf haben, weil sie ihn seit Jahren kennen. Und weil sie ihn annehmen.“ Die letzten zwei steigen direkt ab. Der Drittletzte muss in die Entscheidungsspiele gegen den Drittbesten der 2. Liga.

Für Schalke, Wolfsburg und Leverkusen, vor Saisonstart allesamt zum Kreis der Top-Sechs gerechnet, ist der raue Wind im Rotlichtviertel neu. Nackter Existenzkampf: Es geht um Millionen. „Ich habe Schalke vor ein paar Tagen bei der 2:4-Niederlage gegen meinen Ex-Klub Mönchengladbach gesehen. Da haben mir die Königsblauen überhaupt nicht gefallen“, so Paßlack. Das 3:0 gegen Augsburg sei dagegen souverän gewesen: „Schalke ist für mich eine Wundertüte. Ich hoffe nicht, dass sie noch ganz unten reinrutschen.“

Was los gewesen wäre, wenn Schalke den FC Augsburg (28 Punkte) nicht auf Distanz gehalten hätte? Noch fehlen zehn Punkte. Der HSV, Sonntag 2:1-Sieger gegen Gladbach, drängelt schon.

„Wer intern Streit hat, ist gefährdet“

Augsburg jedenfalls lässt nicht locker. Trainer Manuel Baum wertet die Pleite als „Ausreißer nach unten“. Zuspruch erhält er von einem anderen Abstiegskampf-Experten: Jürgen Rynio. Der sagt sogar als gebürtiger Gelsenkirchener: „Ich bin zuversichtlich, dass die Augsburger es schaffen.“ Der 68-Jährige ist neben Paßlack Rekordabsteiger. Fünfmal ging es für ihn eine Klasse tiefer: mit Karlsruhe, Nürnberg, Dortmund, St. Pauli und Hannover. Er sagt ebenfalls eine Nervenschlacht um den Klassenerhalt voraus: „Ich glaube, Darmstadt und Ingolstadt bleiben unten. Sonst sehe ich da keinen direkten Absteiger. Bremen ist ein Wackelkandidat.“

Der HSV habe sich hingegen kämpferisch gezeigt. „Vor allem Bobby Wood in der Spitze. Die Hamburger können das schaffen“, meint Rynio. Schalke sieht er in dieser Saison nicht im Keller: „Der Kader ist dafür zu gut besetzt. Schalke hat junge Spieler, die Potenzial haben. Sie werden noch einige gute Spiele machen, obwohl sie diese Saison instabil wirken.“

Der frühere Torhüter von Borussia Dortmund und Rot-Weiss Essen kennt das Rezept gegen den Abstieg: „Man braucht eine sehr gute Moral. Wer jetzt intern einen Streit hat, ist hochgradig gefährdet.“
Von Zusatzprämien hält der Ex-Torwart gar nichts: „Trainer, Zusammenhalt, Konzeption und Motivation – wenn diese Faktoren stimmen, gibt es Erfolg. Wir haben damals in Nürnberg für die letzten zwei Spiele 40 000 Mark bekommen. Aber so etwas ist uninteressant. Jeder Fußballer sollte im Abstiegskampf motiviert sein.“

Autor: Domink Loth/Thomas Tartemann

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