Natürlich hat die 2:4-Niederlage am Samstag bei Borussia Mönchengladbach den Spielern des FC Schalke 04 zugesetzt.

Europapokal

Vogts und Dietz sprechen über deutsche Duelle

Dominik Loth & Andreas Berten
07. März 2017, 21:26 Uhr
Foto: firo

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Natürlich hat die 2:4-Niederlage am Samstag bei Borussia Mönchengladbach den Spielern des FC Schalke 04 zugesetzt.

Das war ihnen ja bereits anzusehen, als sie mit hängenden Köpfen vom Platz schlichen. Aber mit ein wenig Abstand zur berechtigten Kritik für den Schlingerkurs der Königsblauen hätte allein schon der Ausblick auf die nächste Aufgabe genügt, um die Stimmung aufzuhellen. Europapokal, ein Spiel unter Flutlicht, eben diese ganz besondere Atmosphäre – wenn betrübte Fußballer da nicht schnell wieder Zuversicht gewinnen, wann denn dann?

Mönchengladbach statt Madrid

Das wird in der Regel auch so sein. Wenn der nächste Gegner im internationalen Wettbewerb aus Mailand oder Madrid kommt – und nicht aus Mönchengladbach und sich alle Betroffenen fragen: Wirklich, die schon wieder? So müssen Schalke und Borussia akzeptieren, Donnerstag (21.05 Uhr/Sport 1) im Achtelfinal-Hinspiel der Europa League auf eine Mannschaft zu treffen, an die man ja schon aus dem Ligaspielbetrieb gewohnt ist. Berti Vogts kennt das nur zu gut: Viermal stand der Weltmeister von 1974 in seiner Karriere mit den Fohlen einem Bundesligisten im Uefa-Pokal gegenüber. Begeistern konnte er sich dafür nie, weshalb der 70-Jährige vor dem Hinspiel kritisiert: „Ein deutsch-deutsches Duell im Achtelfinale ist schade für den Wettbewerb und auch schade für die beiden Mannschaften.“

Zum achten Mal kommt nun für die Elf vom Niederrhein ein so „unglückliches Duell“ zustande, wie Vogts sagt: „Dazu sollte es nicht kommen, wenn noch so viele Mannschaften dabei sind.“ Als Kapitän führte er Gladbach 1975 und 1979 zum Triumphzug durch Europa. Ein deutsches Derby ab dem Viertelfinale – okay. Aber vorher? „Da sollte die Uefa reagieren“, betont Vogts, der als Bundestrainer 1996 Europameister wurde.

Dietz war damals „enttäuscht“
Bernard Dietz kann den Gedanken nachvollziehen. Der 68-Jährige schied 1979 mit dem MSV Duisburg in so einem Nachbarschaftsduell gegen Gladbach im Halbfinale aus. „Wir waren schon enttäuscht, dass wir ausgerechnet gegen eine deutsche Mannschaft spielen mussten“, erinnert sich die Duisburger Klub-Ikone. Nach einem 2:2 im Hinspiel gingen die Zebras mit 1:4 am Bökelberg unter. Bei Dietz überwiegen trotzdem die schönen Erinnerungen: „Es war damals etwas Außergewöhnliches für Duisburg. Wir sind mit großen Maschinen ins Ausland geflogen. Das war eine ganz tolle Geschichte.“ Die 50 Kilometer nach Gladbach legten die Zebras aber im Bus zurück. Gladbachs Vorstand wusste damals genau, wie er die Mannschaft von Trainer Udo Lattek heiß machen konnte: „Früher hat man uns mit anderen Bonuszahlungen ein wenig hungriger machen können“, erinnert sich Berti Vogts.

Und nun, wer setzt sich an den nächsten beiden Donnerstagen durch – Schalke oder Gladbach? „Schalke hat einen Vorteil: Sie wollen es den Gladbachern zeigen, nachdem sie schön auf die Ohren bekommen haben: von den Medien, vom Trainer, vom Sportdirektor“, sagt Berti Vogts. Bernard Dietz, der nach seiner MSV-Zeit von 1982 bis 1987 für Schalke spielte, will sich ungern festlegen, sagt aber: „Ich bin Westfale, da hält man zum westfälischen Verein.“

Autor: Dominik Loth & Andreas Berten

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