Vor 20 Jahren wurde es langsam Frühling, und Schalkes Reise durch Europa nahm so richtig Fahrt auf.

Eurofighter

Nach dem Viertelfinale begann die Träumerei

Christoph Winkel
07. März 2017, 19:15 Uhr
Foto: firo

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Vor 20 Jahren wurde es langsam Frühling, und Schalkes Reise durch Europa nahm so richtig Fahrt auf.

„Nach dem Viertelfinale gegen Valencia fing das an mit der Träumerei“, sagt Olaf Thon. Nur Manager Rudi Assauer und Trainer Huub Stevens hatten etwas dagegen. „Sie haben uns immer wieder gesagt, dass wir den Ball flach halten sollen. Ich bin mir aber sicher, dass sie auch ein bisschen geträumt haben. Aber nur wenn sie alleine waren.“ Das Ende des Traums ist bekannt. Zwei Monate und zwei Runden später holten die Spieler den Uefa-Cup nach Gelsenkirchen. In unserer Serie erinnert sich Kapitän Olaf Thon an die tollen Zeiten.

Der Gegner
Olaf Thon sagt, dass die Schalker einen Riesenrespekt vor den Spaniern hatten. Trainer Huub Stevens sprach davon, dass Valencia über die besseren Einzelqualitäten verfügt. „Das sind teilweise Weltklassespieler“ sagte Stevens. In der 1. Runde des Uefa Cups hatte Valencia den FC Bayern aus dem Wettbewerb gekegelt. Im Nachhinein sagt Thon: „Es war fast die einfachste Runde. Die Mannschaft hat uns gelegen.“

Das Hinspiel Wieder stand die Null. Nachdem Schalke gegen Roda Kerkrade, Trabzonspor und den FC Brügge im Parkstadion schon ohne Gegentor blieb, hielt Jens Lehmann auch beim 2:0-Sieg den Kasten sauber. Schalke musste eine Schrecksekunde überstehen, als Valencias Stürmer Leandro nach zwei Minuten die Unterkante der Latte traf, Thomas Linke kratzte den Ball von der Linie. Thomas Linke traf kurz vor der Pause, Marc Wilmots erhöhte in der 82. Minute.

Das Rückspiel Ganz Valencia feierte. Und das lag nicht am Besuch der Schalker. Das traditionelle Frühlingsfest „Fallas“ fand Mitte März statt. „Wir haben schon von Weitem das Riesenrad und die bunten Lichter gesehen. Näher als zwei Kilometer sind wir an die Feierlichkeiten aber nicht herangekommen“, sagt Thon. Auf dem Rasen konnten die Schalker Spieler hingegen schnell in den Feier-Modus schalten. Nach Youri Mulders Führungstreffer in der 19. Minute war alles klar. „Vier Tore zu erzielen, war gegen uns nicht machbar“, sagt Thon und lacht. Das 1:1 der Spanier durch Antonio Poyatos konnte die gute Stimmung auf dem Rückflug nicht vermiesen. Schalke stand im Uefa-Cup-Halbfinale.

Die Erinnerung Im Hinspiel auf Schalke legte sich Olaf Thon in die Luft und setzte zum Fallrückzieher an. Sein Gegenspieler Jorge Otero zog das rechte Bein so hoch, dass er den Schalker Kapitän am Kopf traf. Die Folge war eine Platzwunde. „Ich weiß nicht mehr, ob die Wunde geklebt, oder getackert wurde“, sagt Thon und ergänzt: „Ich weiß nur, dass ich so etwas nie wieder machen würde.“ Olaf Thon entschied sich übrigens gegen den Rat der Masseure, erstmal die Beine hochzulegen. Die Fans forderten seine Rückkehr auf den Rasen.

Der Held
„Die komplette Defensive ist der Held des Viertelfinals“, sagt der Kapitän. Schalke habe den Plan gehabt, hinten gut zu stehen. Und der sei voll aufgegangen. Thon spricht von einem „variantenreichen Spiel aus der Deckung“, das die Schalker gegen Valencia aufgezogen haben. „Wir konnten 30 Minuten von hinten das Spiel aufziehen, uns dann aber auch 30 Minuten nur hinten reinstellen. Wir waren nicht auszurechnen“, sagt Thon. Spieler wie Jens Lehmann, Thomas Linke und Johan de Kock hätten in der Luft alles abgefangen, was in Richtung Schalker Tor kam. Jiri Nemec, Mike Büskens und Yves Eigenrauch hätten am Boden kaum einen Zweikampf verloren. Valencias Trainer Jorge Valdano sagte nach dem Spiel: „Schalke ist eine der stärksten Mannschaften Europas in der Defensive.“ Wenn Olaf Thon einen Spieler herausheben müsste, wäre es Jiri Nemec. „Unsere Arbeitsbiene und das absolute Bindeglied zwischen Abwehr uns Sturm“, sagt er.

Autor: Christoph Winkel

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