Es gibt Tage im Leben eines Fußballlehrers, an denen du sagen kannst, was du willst:

Gladbach-Pleite

Für Schalke hat der Abstiegskampf begonnen

Thomas Tartemann, Peter Müller
06. März 2017, 07:39 Uhr
Foto: firo

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Es gibt Tage im Leben eines Fußballlehrers, an denen du sagen kannst, was du willst:

Du wirst danach einfach nicht gut dastehen. Wenn deine Mannschaft sich in wenigen Minuten in ihre Einzelteile zerlegen lässt, wenn sie planlos und hilflos agiert – auf wen fällt das dann zurück? Markus Weinzierl wirkte entsprechend geknickt, als er die 2:4-Niederlage des FC Schalke 04 bei Borussia Mönchengladbach zu erklären versuchte. „Von der 65. bis zur 75. Minute haben wir das Spiel verloren, weil wir Dinge gemacht haben, die wir im Vorfeld ganz anders besprochen hatten“, sagte er und lobte den Gegner: „Das hat die Borussia eiskalt ausgenutzt.“

Stimmt. Die Gladbacher wirkten entschlossener und geschlossener, sie verdienten sich den Erfolg im ersten von drei Duellen mit dem kommenden Europa-League-Gegner durch leidenschaftliches Auftreten. Gladbach steht jetzt dort, wo Schalke bei einem Auswärtssieg auch hätte stehen können: Der Kontakt zu den Rängen, die den Sprung auf die internationale Bühne ermöglichen, ist wieder hergestellt. Die Borussen haben sich zur besten Rückrunden-Mannschaft der Bundesliga gemausert. Die Königsblauen hingegen müssen sorgenvoll nach unten schauen: Weil Hamburg am Sonntag 1:0 gegen Berlin gewann, steht Schalke nur noch vier Punkte vor dem Relegationsplatz.

Das heißt: Abstiegskampf statt Aufholjagd. Sportvorstand Christian Heidel: „Das Duell mit Mönchengladbach war für diesen einen Spieltag ein Spiel um Platz acht. Wir haben es verloren. Das Wort Europa will ich jetzt nicht mehr hören. Ich will mich nicht lächerlich machen. Jetzt reden wir erst einmal davon, dass wir unten wegwollen.“

Die Frage, warum es bei den Königsblauen so schlecht läuft, beschäftigt auch die Verantwortlichen. „Wir haben viele Probleme“, sagt Trainer Markus Weinzierl. Das Argument, immer noch die Hypothek des schlechten Starts mit durch die zweite Saisonhälfte zu schleppen, ist aber nicht griffig. Schon lange geht es darum, ob sich die im Januar durch Guido Burgstaller, Holger Badstuber sowie Daniel Caligiuri aufgerüstete Mannschaft überhaupt weiterentwickelt.

Der von Zweitligist Nürnberg geholte Stürmer Burgstaller begann vielversprechend, passt als Kämpfertyp nach Schalke, stößt aber aktuell an seine Grenzen. Badstuber ging beim 0:3 im Pokal in München und jetzt beim 2:4 in Mönchengladbach mit unter. Von Caligiuri war am Samstag bis auf zwei, drei zarte Ansätze nichts zu sehen.

Donnerstag wieder gegen Gladbach

Alarmierend: Auch eigentlich zuverlässige Fixpunkte wie Kapitän Benedikt Höwedes, Matija Nastasic oder Nabil Bentaleb schaffen es nicht, sich gegen einen negativen Trend zu stemmen, wenn ein Spiel wie in Mönchengladbach kippt. „Es nutzt nichts, nach Ausreden zu suchen. Die Wahrheit liegt bekanntlich auf dem Platz. Das müssen wir zeigen“, fordert Höwedes.

Es war erschreckend, wie überfordert viele Schalker waren. Alessandro Schöpf, als Offensivkraft zuletzt auf Höhenflug, bekam in der Rückwärtsbewegung deutlich seine Defizite aufgezeigt. Benjamin Stambouli ging auf der Sechser-Position hoffnungslos unter. Gladbachs Tony Jantschke brachte es auf den Punkt: „Wir haben Schalke an die Wand gespielt.“

Eine Aussage, die Weinzierl nur ausschneiden und an die Kabinentür hängen müsste, um sein Team für das Euro-League-Achtelfinale gegen Gladbach (Donnerstag, 21.05 Uhr/Sport 1) emotional aufzuladen. Die Behäbigkeit, mit der die Königsblauen auftreten, ist vielen Fans, von denen ein Teil am Samstag mit heftigen Unmutsäußerungen reagierte, ein Dorn im Auge.

Christian Heidel kündigt an: „Wir werden uns einen Plan zurechtlegen, der am Donnerstag wesentlich besser greifen muss. Ich weiß nicht, ob die Niederlage demoralisierend war. Sie darf es nicht sein.“ Schalke kämpft nicht nur um das Weiterkommen in Europa, sondern auch gegen den totalen Stimmungseinbruch. Und neuerdings auch noch: gegen den Abstieg.

Autor: Thomas Tartemann, Peter Müller

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