Beim 0:3 im Pokal in München spielten viele Schalker weit unter ihrem Niveau.  Trainer Markus Weinzierl aber kritisierte Max Meyer. Wohin führt dessen Weg?

Schalkes Meyer

Vom Top-Talent zum Buhmann

Andreas Ernst
02. März 2017, 19:40 Uhr
Foto: Firo

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Beim 0:3 im Pokal in München spielten viele Schalker weit unter ihrem Niveau. Trainer Markus Weinzierl aber kritisierte Max Meyer. Wohin führt dessen Weg?

Auch Max Meyer trägt mittlerweile ein Tattoo, wie so viele Fußballer. Auf seinem rechten Unterarm ist das Bild eines kleinen Jungen zu sehen, der einen Ball in der Hand hält. Lange war der 21-Jährige das hochbegabte Supertalent des FC Schalke 04, verspielt wie ein Kind auf dem Bolzplatz. Doch Meyers Karriere stockt. Nach dem 0:3-Desaster im DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern gab’s deftige Kritik von Trainer Markus Weinzierl. „Er ist Nationalspieler, hat einen hohen Anspruch an sich selbst – und er gewinnt von sechs Zweikämpfen nur einen. Das sagt alles“, bemängelte Weinzierl. Auch die 13 anderen Schalker spielten nicht, als würden sie bei Real Madrid vorspielen. Weinzierl aber pickte sich Meyer heraus.

Dabei schien dessen Höhenflug unaufhaltsam. Bundesliga-Debüt mit 17 im Februar 2013, millionenschwerer Ausrüstervertrag mit Nike mit 18, 100 Bundesligaspiele mit 21. „Der wäre bei 90 Prozent aller Nationalteams Stammspieler und Kapitän“, schwärmte der damalige BVB-Trainer Jürgen Klopp schon früh. Die Kapitänsbinde trug Meyer bei der deutschen Olympiamannschaft in Rio de Janeiro 2016. Meyer führte das DFB-Team zur Silbermedaille. Der kleine Junge aus Oberhausen und Brasiliens Superstar Neymar bei der Seitenwahl – dieses Bild ging um die Welt.

Doch nur acht Monate dauerte es, bis aus einem vielleicht kommenden Dirigenten der Nationalelf ein königsblauer Buhmann wurde. Unbekümmert spielt er schon lange nicht mehr. Häufig trabt er nur, seine Körpersprache stimmt nicht, seinen Stammplatz hat er verloren. In München leistete er sich vor dem 0:3 einen Fehlpass. In der Pause nahm Weinzierl ihn vom Platz. „In der zweiten Halbzeit sind wir mutiger vorne draufgegangen“, sagte Weinzierl – die nächste Breitseite gegen den lustlosen Meyer. Zwei Tore, vier Vorlagen: Das ist Meyers magere Bilanz aus 29 Pflichtspielen in dieser Saison.

Vertrag läuft 2018 aus

2018 läuft Meyers Vertrag aus. Sein Marktwert beträgt laut transfermarkt.de 16 Millionen Euro. Es ist kein Geheimnis, dass Meyer empfänglicher ist als Kumpel Leon Goretzka, wenn es darum geht, den Verein vorzeitig zu verlassen. Das hat nicht nur mit Trainer Weinzierl zu tun, der seine Taktik nicht auf Meyer zuschneiden möchte. Meyer sieht sich dauerhaft im europäischen Wettbewerb.

Eine erneute Schalker Teilnahme ist nach dem Pokal-Aus gefährdeter als je zuvor. Selbst Kapitän Benedikt Höwedes, der sonst optimistisch vorneweg marschiert, wirkt inzwischen desillusioniert. „Wenn es ein Übergangsjahr wird, ist es extrem bitter. Aber vielleicht brauchen wir das“, sagte Höwedes.
Gut möglich, dass Meyer den nächsten Umbruch nicht mehr mitmacht und mit seinen Nike-Klamotten weiter zieht. Dieser Deal bedeutete ihm so viel, dass er ihn auf seiner Haut verewigte. Der Junge auf dem Tattoo trägt eine Kappe seines Sponsors.

Autor: Andreas Ernst

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