Trainer Markus Weinzierl vom FC Schalke 04 kritisierte Max Meyer nach dem Pokal-Debakel in München. Das ist eine riskante Taktik. Ein Kommentar.

Schalke

Weinzierl geht mit Meyer-Kritik ein Risiko ein

Andreas Ernst
02. März 2017, 13:21 Uhr
Foto: firo

Foto: firo

Trainer Markus Weinzierl vom FC Schalke 04 kritisierte Max Meyer nach dem Pokal-Debakel in München. Das ist eine riskante Taktik. Ein Kommentar.

Schalke-Trainer Markus Weinzierl hätte viele Möglichkeiten gehabt, seine Spieler nach dem 0:3-Desaster im DFB-Pokal-Viertelfinale beim FC Bayern München zu kritisieren. Er wählte die Spielerkritik und pickte sich einen heraus: Nationalspieler Max Meyer. Das hätte er sich besser überlegen müssen.

Meyer hatte nicht seinen besten Tag, das steht fest. Aber die 13 anderen eingesetzten Schalker spielten auch nicht gerade so, dass sie in den kommenden Tagen ein Angebot von Real Madrid erwarten dürfen. Weinzierl hätte auch sich selbst hinterfragen müssen. War es überhaupt richtig, Meyer für Daniel Caligiuri zu bringen? War es nötig, die Positionen in der Dreier-Abwehr zu tauschen? Holger Badstuber verteidigte nicht wie beim 1:1 gegen 1899 Hoffenheim im Zentrum, sondern auf der linken Seite. Dafür rückte Matija Nastasic nach innen. Zur Stabilisierung trugen diese Änderungen nicht bei.

Weinzierl aber schob die Niederlage vor allem auf den frühen Fehler von Benedikt Höwedes vor dem 0:1 und das schlechte "Anlaufverhalten" von Max Meyer, das den Bayern einen ruhigen Spielaufbau ermöglichte. Die Entscheidung für eine Einzelkritik ist riskant, denn Weinzierl wird in seinem ersten Jahr auf Schalke wohl alle Ziele verfehlen. In der Liga ist er nach 22 Spieltagen Zwölfter, im Pokal war Schluss im Viertelfinale, ein Sieg in der Europa League erscheint utopisch. Ein bisschen Selbstkritik wäre angebrachter gewesen.

Natürlich muss sich auch Meyer hinterfragen. Der Mittelfeldspieler startete mit hohen Ambitionen in die Saison, er kam als Kapitän der Olympia-Mannschaft im Juli 2016 aus Rio zurück, hatte sein Team zur Silbermedaille geführt. Mit seinen Leistungen schaffte er es bis in die Nationalmannschaft.

Doch seitdem entwickelt sich der Techniker nicht mehr weiter. Weinzierl kann mit ihm wenig anfangen, das 3-5-2-System ist nicht für ihn gemacht. Meyers Lieblingsposition gibt es in dieser Taktik nicht: Ein klassischer Spielmacher wird nicht benötigt. Deshalb holte Schalke in der Winterpause Daniel Caligiuri vom VfL Wolfsburg - kein Deal, der Meyer gefallen haben dürfte. Meyers Vertrag läuft 2018 aus, im Sommer könnte Schalke letztmals eine angemessene Ablösesumme kassieren. Gut möglich, dass Meyers Zeit vorzeitig endet.

Autor: Andreas Ernst

Mehr zum Thema

Wettbewerbe

Mannschaften

Rubriken

Kommentieren