Wahnsinn! Das Wort fasst die Meldung wohl am besten zusammen. Der polnische Klub Widzew Lodz hat über 10.000 Dauerkarten für die laufende Saison verkauft - in der vierten Liga.

Rekordverdächtig

Viertligist verkauft über 10.000 Dauerkarten

Krystian Wozniak
27. Februar 2017, 19:48 Uhr
Foto: Widzew Lodz/Twitter

Foto: Widzew Lodz/Twitter

Wahnsinn! Das Wort fasst die Meldung wohl am besten zusammen. Der polnische Klub Widzew Lodz hat über 10.000 Dauerkarten für die laufende Saison verkauft - in der vierten Liga.

Der vierfache polnische Meister (1981, 1982, 1996, 1997) spielte in der Saison 1996/97 in der Champions League gegen Borussia Dortmund (1:2, 2:2) und gehört zweifelsohne zu den traditionsreichsten Klubs in Polen. Doch seit der Serie 14/15 steht es finanziell sehr schlecht um den Verein. Lodz plagen chronische finanzielle Probleme. Aktuell spielt der Klub aus der drittgrößten Stadt des Landes (rund 830.000 Einwohner) nur in der vierthöchsten Spielklasse. Obwohl Widzew nur im Mittelfeld rangiert, kann sich der Verein auf eines immer verlassen: seine Fans!

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Die Widzew-Anhänger versuchen ihrem Klub unter die Arme zu greifen und haben für die in drei Wochen startende Rückrunde bereits über 10.000 Dauerkarten gekauft. Bis Ende Dezember waren es "nur" 5.500 verkaufte Dauerkarten. Am Sonntag, 26. Februar, waren es exakt 10.082 Saisontickets. Damit hat der Klub nach den Glasgow Rangers, die in der Saison 12/13 38.000 Dauerkarten verkauften, die zweithöchste Marke eingestellt.. Bis dato war in dieser Kategorie der FC Parma die Nummer zwei. Die Italiener verkauften vor zwei Jahren nach ihrem Zwangsabstieg aus der Serie A in die Serie D 10.000 Saison-Abos für die vierthöchste Spielklasse in Italien. Jetzt ist Widzew Lodz Europas Nummer zwei! Im Vergleich: In Deutschland führt Rot-Weiss Essen mit 4500 verkauften Dauerkarten die Rangliste der Viertligisten an.

Ab der Rückrunde wird Widzew in seinem neuen Schmuckkästchen spielen. 18.000 Zuschauer fasst die nagelneue Spielstätte des polnischen Kultklubs, für den auch Polens Fußballlegenden Zbigniew Boniek (heute Verbandspräsident) und Wlodzimierz Smolarek (Vater des ehemaligen Dortmunders Ebi Smolarek) oder auch die in Deutschland bekannten Artur Wichniarek und Ulrich Borowka spielten. "Das ist schon der Wahnsinn. Aber mich verwundert das nicht. In Polen gibt es fünf, sechs Vereine, die immer auf ihre Fans zählen können. In guten, aber auch vor allem in schlechten Zeiten. Dazu gehören Górnik Zabrze, Legia Warschau oder eben auch Widzew Lodz. Ich freue mich, dass die Widzew-Fans ihren Klub so unterstützen. Doch bis der Verein wieder bessere Zeiten erleben wird, werden noch einige Jahre vergehen. Aktuell ist da wirklich kein Geld da", berichtet der ehemalige Schalke-Profi und RevierSport-Polen-Experte Tomasz "Gianni" Hajto.

Drei Wochen sind es noch bis zum Start der Rückrunde. Das neue Ziel der Widzew-Verantwortlichen: 12.000 Dauerkarten! Damit würde der Viertligist sogar den amtierenden Meister Legia Warschau (11.500 verkaufte Saison-Abos) übertrumpfen.

Autor: Krystian Wozniak

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