Wegen der Vorfälle gegen Leipzig musste die Südtribüne im BVB-Spiel gegen Wolfsburg leer bleiben. Dieses Mal aber kamen vom Publikum positive Zeichen. Ein Kommentar.

BVB

Publikum präsentiert sich von seiner besten Seite

Sebastian Weßling
19. Februar 2017, 08:07 Uhr
Foto: firo

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Wegen der Vorfälle gegen Leipzig musste die Südtribüne im BVB-Spiel gegen Wolfsburg leer bleiben. Dieses Mal aber kamen vom Publikum positive Zeichen. Ein Kommentar.

Dass sich Zuschauer bei einer Auswechslung erheben, ist nicht Außergewöhnliches. In der Regel wird so die Leistung des ausgewechselten Spielers gewürdigt. Dass der eingewechselte Akteur beklatscht wird, kommt deutlich seltener vor. Und dass sich das gesamte Publikum erhebt, um einen Einwechselspieler des Gegners zu beklatschen, kommt eigentlich nie vor.

Eigentlich. Denn im Spiel zwischen Borussia Dortmund und dem VfL Wolfsburg geschah in der 75. Minute genau das: Am Spielfeldrand stand Jakub Blaszczykowski zur Einwechslung bereit. Und die BVB-Fans erhoben sich von ihren Sitzen, beklatschten den Rückkehrer, feierten ihn mit Sprechchören – und zeigten, dass sie seine acht Spielzeiten im BVB-Trikot nicht vergessen hatten. Nach Abpfiff folgte noch eine Ehrenrunde.
Es war eine bemerkenswerte Reaktion des Publikums, das derzeit unter besonderer Beobachtung steht. Weil im Bundesligaspiel gegen RB Leipzig beleidigende Plakate gezeigt wurden, weil in anderen Spielen Pyrotechnik abgebrannt und Gegner geschmäht wurden, war die Südtribüne gesperrt, fehlten 25.000 Zuschauer.

Es herrschte zunächst eine seltsame Atmosphäre, in der ersten Halbzeit war es still wie lange nicht im Dortmunder Stadion. Im zweiten Durchgang wurde es dann lauter und durchaus stimmungsvoll – und nicht nur deswegen präsentierte sich das BVB-Publikum von seiner besten Seite.

Mit seiner nachgeholten Verabschiedung von Blaszczykowski bewies es, was derzeit in der öffentlichen Wahrnehmung zumeist untergeht: dass es nicht nur wegen seiner Lautstärke, sondern auch wegen seiner Sensibilität für bestimmte Situationen außergewöhnlich ist. Vor gut einem Jahr etwa stellte der Anhang auf der Südtribüne während des Heimspiels gegen Mainz die Unterstützung der Mannschaft ein, weil zwei Zuschauer einen Herzinfarkt erlitten hatten. Eine große Geste – wie nun die Ehrerbietung für Blaszczykowski.

Autor: Sebastian Weßling

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