Dass der eine oder andere ehemalige Spieler des FC Schalke 04 im Natassa-Grill schon eine Portion Gyros verputzt hat, beweisen die Fotos, die dort über dem Eingang zur Küche hängen.

Europa League

Der Gyros-Mann liebt Schalke und Saloniki

Christoph Winkel
16. Februar 2017, 09:06 Uhr
Foto: Thomas Schmidtke

Foto: Thomas Schmidtke

Dass der eine oder andere ehemalige Spieler des FC Schalke 04 im Natassa-Grill schon eine Portion Gyros verputzt hat, beweisen die Fotos, die dort über dem Eingang zur Küche hängen.

Manuel Neuer ließ es sich im schmucken Imbiss in Gelsenkirchen-Schaffrath des Öfteren schmecken, er wohnte auf der Giebelstraße gleich nebenan und kam gerne mal eben vorbei, wenn der Magen knurrte. Auch Kyriakos Papadopoulos und Vasileios Pliatsikas, die beiden Griechen, waren schon zu Gast.

Auch Manuel Neuer ließ es sich schmecken

Wenn die Schalker an diesem Donnerstag (21.05 MEZ, Sport 1) in Griechenland in der Europa League auf Paok Saloniki treffen, wird Imbiss-Chef Stavros Lemonakis wieder hinter der Theke stehen und seinen Gästen das Gyros servieren. Job ist eben Job. Und trotzdem ist das Spiel für den 59-Jährigen ein ganz besonderes: sein Herz schlägt nämlich für beide Klubs.

Der Gelsenkirchener ist in Thessalonki groß geworden, seit Kindesalter ist er schon Fan von Paok. Als er Mitte der 70’er nach Gelsenkirchen kam, lernte er aber im Eiltempo auch den FC Schalke 04 kennen und lieben. „Beide Vereine sind sich sogar ähnlich“, sagt Stavros Lemonakis, den die meisten Schaffrather nur unter dem Namen „Uli“ kennen. „Paok wurde von ausgewanderten Griechen aus Konstantinopel gegründet. Auch Schalke hat ja in seiner Geschichte durch die Nachfahren polnischer Einwanderer eine unglaubliche Kraft erfahren“. Eine weitere Gemeinsamkeit: Auch Paok hat sehr viele Fans. „Im Norden Griechenlands ist Paok die klare Nummer eins“, sagt der Experte.

Schalkes Fans sollen keine Angst haben
Dass die Fans von Thessaloniki ab und zu über die Stränge schlagen, vor allem beim Thema Pyrotechnik, verurteilt Stavros Lemonakis allerdings sehr. „Das ist einfach viel zu gefährlich. Ich würde mir wünschen, dass die Polizei dort härter durchgreift“, sagt er.

Angst vor Übergriffen sollten die Schalker Fans, die sich auf die Reise nach Thessaloniki gemacht haben, aber seiner Meinung nach nicht haben. Dennoch rät auch Stavros Lemonakis, sich genau an die Sicherheitshinweise der Schalker Fanabteilung zu halten. „Die Fans sollen den Tag in einer wunderschönen Stadt genießen“, sagt er. „Vor allem die Altstadt müssen sie sich ansehen. Sie ist wunderschön, mit vielen kleinen Gassen, Tavernen und Cafés.“

Die Kremers-Zwillinge waren seine Helden
Das Rückspiel in seiner neuen Heimat Gelsenkirchen in der nächsten Woche wird Stavros Lemonakis dann im Stadion verfolgen – mit Freunden aus Griechenland. Zur Feier des Tages hat sich sogar der Vize-Bürgermeister von Katerini angemeldet, die 85 000-Einwohner-Stadt ist 70 Kilometer von Thessaloniki entfernt. Ein befreundetes Ehepaar der Familie Lemonakis wird in der nächsten Woche ebenfalls nach Deutschland kommen und noch ein paar Tage nach dem Spiel zu Besuch bleiben.

Nach der Auslosung im Dezember stand das Handy von Stavros Lemonakis nicht mehr still. „Alle Griechen freuen uns wahnsinnig auf das Duell. Egal, ob sie in Griechenland oder in Deutschland leben“, sagt der Fußballfan, der früher selbst beim Post SV Gelsenkirchen kickte. Seine Schalker Helden von damals hießen: Helmut und Erwin Kremers, Klaus Fischer und Norbert Nigbur.

Gegen Mailand ins Stadion gemogelt
Unvergessen bleibt für ihn das Uefa-Cup-Finale 1997, als Schalke im Hinspiel Inter Mailand im Parkstadion empfing. Die Partie war blitzschnell ausverkauft, Stavros Lemonakis ging leer aus. Ein Freund hatte aber zum Glück eine verrückte Idee. Er war Chefarzt im St. Joseph-Hospital und warf ihm einfach einen Arztkittel zu. „An Bord eines Krankenwagens sind wir dann ins Stadion gefahren“, sagt er und lacht. Ganz in weiß und mit einem Arztkoffer neben sich saß der Schalke-Fan beim großen Spiel gegen Mailand also mitten auf der Ehrentribüne und sprang mindestens genauso hoch wie die VIP-Gäste, als Marc Wilmots in der 70. Minute zum 1:0 traf. „Ich bekomme noch heute Gänsehaut, wenn ich an diesen Moment denke“, sagt Stavros Lemonakis.

Für das Duell gegen Paok wünscht sich er zwei schöne und spannende Spiele. „Paok ist auswärts stärker. Es macht den Eindruck, dass der Druck der Fans für Paok bei Heimspielen zu groß ist“, sagt er. „Schalke ist leicht favorisiert.“ Sein größter Wunsch lautet aber: „Frieden unter den Fans“.

Autor: Christoph Winkel

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