Die Männer, die den Eingang des Toumba-Stadions in Saloniki bewachen, sehen aus, als könnten sie Stahl mit bloßen Händen biegen.

Schalke

Heute im Hexenkessel von Saloniki

Christoph Winkel
16. Februar 2017, 08:02 Uhr
Foto: firo

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Die Männer, die den Eingang des Toumba-Stadions in Saloniki bewachen, sehen aus, als könnten sie Stahl mit bloßen Händen biegen.

Das Aufgebot von Sicherheitsleuten rund um das Europa-League-Spiel der Schalker an diesem Donnerstag in der Runde der letzten 32 bei Paok Saloniki (21.05 Uhr deutscher Zeit/Sport1) ist deutlich erhöht.

Zahlreiche Fans von Paok gelten als gewaltbereit, die Sorge vor Ausschreitungen ist groß. Die Schalker Mannschaft hat vorsichtshalber ein Hotel im Umland von Saloniki bezogen. In der zweitgrößten Stadt Griechenlands ist Vorsicht geboten. Für die 1400 mitgereisten Fans hat der Verein extra umfangreiche Verhaltens-Regeln aufgestellt.
„Unter dem Aspekt der Sicherheit ist es für Schalke das schwierigste Spiel auf europäischer Bühne der letzten Jahre“, so Schalkes Mediendirektor Thomas Spiegel.

Die Uefa weiß um die Brisanz und hat die Partie in Saloniki, ebenso wie das Rückspiel auf Schalke am nächsten Mittwoch, als Hoch-Risiko-Spiel eingestuft. Zurückzuführen ist die Sorge vor Gewalt auch auf die Duelle zwischen Schalke und Paok in den Play-Offs zur Champions League im August 2013. Beim Hinspiel in Gelsenkirchen wurde im Schalker Fanblock eine Mazedonien-Fahne gehisst.

Eine Geste, die die Fans aus Griechenland aufgrund eines anhaltenden politischen Streits ihres Landes mit Mazedonien als Provokation auffassten. Beim Versuch der Polizei, die Fahne aus dem Schalke-Block zu entfernen, kam es zu Ausschreitungen. Die Bilanz: knapp 90 Verletzte. Eine bittere Vorgeschichte, die nun ein böses Nachspiel haben könnte.

Schalkes Trainer Markus Weinzierl war am Tag der Anreise entspannt, die Hände hatte er lässig in seinen Hosentaschen vergraben, als er zur Pressekonferenz erschien. Der 42-Jährige betonte, dass er mit seiner Mannschaft nach Griechenland gereist ist, um Fußball zu spielen und sich eine gute Ausgangsposition für das Rückspiel zu verschaffen. Alles andere interessiert ihn nicht. „Was zählt, ist, dass wir kein Gegentor bekommen und ein Tor schießen, denn Auswärtstore sind sehr wichtig“, sagte er und stellte klar, welchen Stellenwert die Europa League für ihn hat: „Wir wollen unbedingt weiterkommen, wir wollen in diesem Wettbewerb für Furore sorgen.“

Verzichten muss er kurzfristig nur auf Nabil Bentaleb. Der Mittelfeldspieler, der in den vergangenen Spielen zur Hochform auflief, ist wegen eines Magen-Darm-Infekts nicht mitgeflogen. Weinzierl wollte sich noch nicht festlegen, wer Bentaleb ersetzen wird. Gut möglich, dass er einige Änderungen vornehmen wird: „Wir haben alle drei Tage ein Spiel, jeder wird gebraucht.“

Leon Goretzka gehörte schon vor dreieinhalb Jahren zur Reisedelegation, als Schalke im Toumba-Stadion antrat. Damals hatte die Uefa ein so genanntes Geisterspiel verhängt. Nach Ausschreitungen von Paok-Fans zuvor in Wien waren keine Zuschauer zugelassen.

Goretzka erinnert sich noch gut an den 3:2-Sieg der Schalker: „Damals war der Teufel los, obwohl keine Fans im Stadion waren. Das wird diesmal ein heißer Tanz“, sagt der Nationalspieler.
Kapitän Höwedes bleibt gelassen

Benedikt Höwedes bleibt vor dem Spiel aber cool. „Wir haben schon viele Spiele erlebt, bei denen es hitzig zugegangen ist. Das sind aber auch Spiele, auf die man sich freut.“ Der Mannschaftskapitän ist sicher: „Es wird ein Hexenkessel. Aber es werden alle Sicherheitsvorkehrungen getroffen worden sein, die notwendig sind.“ Und wenn dafür die Männer mit den breiten Schultern vor dem Stadion stehen.

Autor: Christoph Winkel

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