Am Dienstagmorgen um 1:30 Uhr war der Arbeitstag auch für Marco Stiepermann beendet.

VfL Bochum

Foren-Shitstorm hinterlässt Spuren

15. Februar 2017, 21:52 Uhr
Foto: firo

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Am Dienstagmorgen um 1:30 Uhr war der Arbeitstag auch für Marco Stiepermann beendet.

Nach der Rückkehr aus Hannover ging es frustriert in die Federn. Was blieb, war viel Lob für die gute Leistung und Kopfschütteln für das zuvor in 90 Minuten erlebte. Stiepermann, der wie seine Kollegen dann am Vormittag auf den Monitoren der Kabine noch einmal die Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Tobias Stieler vor Augen geführt bekam, konnte sich nicht beruhigen: „Das Handspiel von Sané kann man nicht übersehen, das muss man pfeifen. Erst recht, wenn man bis dahin schon zwei äußerst umstrittene Elfmeter gegen uns gepfiffen hat.“

Und so blieb bei allem Frust nur die Erkenntnis, dass das fußballerisch vorhandene Potenzial, das gegen Karlsruhe noch im Verborgenen schlummerte, auch in einem ersatzgeschwächten Team zu sehen ist. Doch die Niederlage in Hannover ist nicht das einzige, das den 26-Jährigen in diesen Tagen beschäftigt. Im Sommer mit einem Vertrag bis 2019 ausgestattet und mit einer Hypothek einer Ablösesumme von geschätzten 700.000 Euro aus Fürth geholt, hinkt Stiepermann den Erwartungen der Fans, aber auch hinter seinen persönlichen ein Stück hinterher.

So fällt seine Bilanz nach 7,5 Monaten ziemlich nüchtern und vor allem nachdenklich aus: „Trotzdem habe ich den Wechsel nach Bochum zu keiner Sekunde bereut. Ich weiß, warum und mit welchen Zielen ich zum VfL gewechselt bin. Es war mein ausdrücklicher Wunsch. Hier fühle ich mich wohl und wenn ich darf, werde ich hier sehr lange das VfL-Trikot tragen. Es ist einfach ein familiärer Klub. Natürlich müssen wir nicht darüber diskutieren, dass ich insgesamt besser spielen kann, als es bisher der Fall war.“ Und dann schiebt er fast entschuldigend hinterher: „Ich bin der Letzte, der sich über die eigene Leistung keine Gedanken macht. Ich sitze zuhause und grüble, warum es einfach noch nicht läuft und was ich besser machen kann. Ich bin mit mir selbst nicht zufrieden.“

Natürlich ist Stiepermann nicht verborgen geblieben, dass der Shitstorm in den sozialen Netzwerken mehr und mehr zunimmt. Teilweise nehmen die Anfeindungen und Beleidigungen drastische Ausmaße an. Da wird eine mögliche Verletzung des ehemaligen Dortmunders wie ein Heimsieg gefeiert. „Natürlich bekomme ich die heftige Kritik mit. Jeder hat das Recht, seine Meinung zu äußern. Manche Beiträge sind sehr schade. Da muss man erst einmal lernen mit umzugehen. Hat die Mannschaft verloren und du hast schlecht gespielt, dann bekommst du den gesamten Frust zu spüren. Es ist momentan keine leichte Situation für mein Team und für mich. Wenn du das liest, stimmt dich das einfach traurig.“

Vielleicht liegt es ja an der Ablösesumme, die der VfL an Greuther Fürth zahlen musste und die zwangsläufig die Erwartungshaltung in die Höhe schnellen ließ. Stiepermann dazu: „Es ist doch völlig normal. Mein Ziel ist es immer noch, dass ich als Führungsspieler in entscheidenden Partien auch mal den Unterschied ausmachen kann und dem Team auch mal mit einem Tor helfe. Momentan ist das frustrierend und deshalb bin ich unzufrieden.“ So hat der Mittelfeldspieler in der laufenden Spielzeit bereits 39 Torschüsse zu verzeichnen, aber in Hannover landete der Ball wieder einmal nur am Lattenkreuz. „Ich kann die Fans verstehen, dass sie von mir mehr sehen wollen. Der Verein hat für mich viel Geld ausgegeben und davon möchte ich etwas durch Leistung zurückgeben. Ich setze mich selbst unter Druck.“

So wartet Marco Stiepermann weiterhin auf sein erstes Pflichtspieltor für den VfL und darauf, dass endlich der Knoten platzt. „Die Mannschaft ist intakt, aber es ist momentan nicht leicht für uns, so viele Ausfälle auf Dauer zu kompensieren, obwohl wir das phasenweise sehr gut gemacht haben.“

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