Das Pfeifkonzert der Werder-Fans war laut und hässlich, die Kritik von Bremens Sportchef Frank Baumann gewohnt leise, aber dafür pointierter denn je.

Nach 36 Jahren

Werders Bundesliga-Lichter flackern schon

sid
12. Februar 2017, 10:30 Uhr
Foto: firo

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Das Pfeifkonzert der Werder-Fans war laut und hässlich, die Kritik von Bremens Sportchef Frank Baumann gewohnt leise, aber dafür pointierter denn je.

"Nicht jeder bei uns hatte den Ernst der Lage erkannt", sagte der Ex-Nationalspieler fast flüsternd, aber unmissverständlich.

Nach der ernüchternden 0:1 (0:1)-Heimniederlage gegen Borussia Mönchengladbach wird die Zweitklassigkeit an der Weser nach 36 Jahren in Liga eins immer mehr zur realen Bedrohung. Die Bundesliga-Lichter sind noch nicht aus, aber sie flackern bereits bedenklich.

Vier Spiele, null Punkte, Relegationsplatz 16 - so sehen Abstiegstrends aus. Dass die Hanseaten im 17. Spiel unter Trainer Alexander Nouri erstmals kein Tor erzielten, war da nur eine kleine Fußnote. Denn der Coach ärgerte sich viel mehr über die Kontersituation, die in der zwölften Minute durch Thorgan Hazard zum Treffer des Tages geführt hatte.

"Mit dem einen oder anderen Spieler muss ich darüber noch sprechen", kündigte Nouri an, auch er hatte mitten im Abstiegskampf unerklärliche Defizite bezüglich Entschlossenheit und Leidenschaft erkannt. Um sein eigenes Schicksal sorgt sich Nouri nach eigenem Bekunden nicht: "Es geht um den Verein."

Und der wird, auch mangels personeller Perspektiven, an dem 37-Jährigen festhalten - vorerst. Baumann: "Wir können nicht erkennen, dass der Trainer die Mannschaft nicht mehr erreicht." Dennoch sind 16 Punkte aus 17 Partien eine sehr bescheidene Zwischenbilanz.

Vielleicht auch mit diesen Zahlen im Hinterkopf wollte und konnte der Olympia-Zweite Robert Bauer seinen Frust nicht vollständig herunterschlucken. "Ich bin die Durchhalteparolen leid. Wer viermal hintereinander verliert, steht zu Recht da unten drin. Wir hätten heute auch ein leeres Tor nicht getroffen", monierte der Abwehrspieler.

Nur noch sechs Heim-, aber acht Auswärtspartien, zum Saisonabschluss am 34. Spieltag ein Gastspiel bei Borussia Dortmund - die Luft wird dünn in der Hansestadt. Was auch Nouri bewusst ist: "Der Stachel sitzt tief, unsere Situation fühlt sich extrem schwer an."

Sorgen, die sich die Gäste nach dem dritten Sieg in Folge nicht mehr machen müssen. "Diese drei Punkte geben uns Luft nach unten und nehmen ein bisschen den Druck aus dem Kessel", sagte Trainer Dieter Hecking mit einem aufatmenden Seufzer in der Stimme: "Die Mannschaft ist sehr gefestigt, das zeichnet uns im Moment aus."

Und könnte die Basis dafür sein, nach stressigen Monaten, gipfelnd in der Trennung von Coach Andre Schubert, vielleicht doch noch in den Kampf um einen Platz in der Europa League eingreifen zu können.

"Im Moment gewinnen wir die wichtigen Zweikämpfe und damit auch Spiele. Man wird sehen, was da am Ende für uns noch möglich ist", analysierte Gladbachs Sportdirektor Max Eberl. Im mit 42.100 Zuschauern ausverkauften Weserstadion spielte die frühe Führung den Gästen überdies in die Karten, kontrolliert und souverän fuhren sie die drei Punkte ein.

Umso leichter fiel es da Innenverteidiger Jannik Vestergaard, seine Bremer Ex-Kollegen bezüglich des Klassenerhalts starkzureden: "Werder steigt nicht ab. Sie werden da wieder rauskommen, wie im letzten Jahr." Da stand aber der Hüne aus Dänemark noch in der Abwehrreihe des SV Werder.

Autor: sid

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