Für viele Schalke-Fans gehörte die Kneipe auf der Kurt-Schuhmacher-Straße zum Stadionbesuch dazu, wie die obligatorische Bratwurst.

S04

Supportersclub und Traditionsveteranen suchen neue Heimat

Stefan Bunse
11. Februar 2017, 12:21 Uhr
Foto: Stefan Bunse

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Für viele Schalke-Fans gehörte die Kneipe auf der Kurt-Schuhmacher-Straße zum Stadionbesuch dazu, wie die obligatorische Bratwurst.

Doch damit ist es jetzt vorbei. Wenn der FC Schalke 04 am Samstag um 18.30 Uhr Hertha BSC zum Heimspiel empfängt, bleibt das „Anno 1904“ geschlossen. Der Zapfhahn ist dicht, die Möbel bereits abgebaut. Vor der Heimniederlage gegen die Hessen hat Michael Funke hier letztmals S04-Anhänger bewirtet. Danach wurde eingepackt. Vor 13 Jahren hatte „Willi“, wie ihn auf Schalke alle nennen, das ehemalige Haus Kitzhöfer auf der Kurt-Schumacher-Straße am oberen Ende der Schalker Meile übernommen. Nun hat er die Segel gestrichen. Nach einem Inhaberwechsel der Immobilie vor gut einem Jahr sollte die Miete in Zukunft deutlich erhöht werden. „Nach der Zwangsversteigerung wollte der neue Eigentümer plötzlich eine Pacht, die man höchstens in Buer wieder hereinholen kann, aber nicht im Stadtteil Schalke-Nord. Und die Kneipe war ja auch nur am Wochenende auf. Das hat sich nicht mehr gerechnet“, macht Funke deutlich. Das Risiko war ihm, der einen Gutteil seiner Einnahmen rund um die Schalke-Spiele verbuchen konnte, zu groß.

Es ist ein herber Verlust für die Schalker Fanszene. Denn im Laufe der Jahre konnte Funke auch viele Helden der königsblauen Vereinsgeschichte im „Anno 1904“ begrüßen. Noch im Dezember war Eurofighter Mike Büskens für einen Podcast zu Gast. Auch die Traditionsveteranen und der Supportersclub, die Fanorganisation der S04-Mitglieder, müssen sich künftig ein neues Vereinslokal suchen. „Wir werden auf jeden Fall an oder auf der Schalker Meile bleiben“, erklärte dessen Vorsitzender Andreas Jour. „Am liebsten wieder in einer Kneipe mit „Willi“ als Wirt.“

Doch ob der nochmal einen neuen Anlauf startet, ist derzeit völlig offen. „Ich habe Objekte in Aussicht, aber ich habe sehr viel Herzblut in das Lokal gesteckt, ich muss mir das gut überlegen“, meint Funke. Zumal er wochentags noch einem anderen Job nachgeht. Aber Not macht erfinderisch: Für Samstag hat er sich einen Bierwagen gemietet, den er vor dem Heimspiel gegen Berlin in unmittelbarer Nähe des „Anno 1904“ an der Schalker Brücke aufstellt, um die durstigen Kehlen zu löschen. „Zudem wird gegrillt. Ich kann doch meine Kundschaft nicht im Stich lassen“, verrät Funke.

Etwas Wehmut wird dann sicher dabei sein: „Das „Anno 1904“ war mein Baby“, nickt Funke.

Autor: Stefan Bunse

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