Die Polizei sprach nach dem Spiel des BVB gegen Leipzig von „extremer Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Dortmunder Anhängerschaft gegenüber den Gästen“.

Kommentar

BVB braucht den Aufstand der anständigen Fans

Pit Gottschalk
05. Februar 2017, 13:28 Uhr
Foto: firo

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Die Polizei sprach nach dem Spiel des BVB gegen Leipzig von „extremer Aggressivität und Gewaltbereitschaft der Dortmunder Anhängerschaft gegenüber den Gästen“.

Was muss nun passieren? Ein Kommentar.

Vorneweg ein persönliches Wort. Als am Samstag der Hinweis kam, dass die Polizei Dortmund in der Innenstadt Protestplakate gegen RB Leipzig entfernt hatte, war der erste Reflex für einen Kommentar: Die Polizei darf nicht die Meinungsfreiheit beschneiden. Sätze wie „Verpisst euch!“ und „Der Fußball gehört uns!“ sind in ihrer Ausdrucksweise geschmacklos, aber noch innerhalb der Grenzen, was man heutzutage vertreten kann. Auch rüde Fußballfans brauchen ein Ventil.

Später am Abend durfte unsere Redaktion heilfroh sein, dass der Kommentar nicht erschienen ist. Auf der Südtribüne im Signal Iduna Park wurden Banner gezeigt, die durch nichts zu entschuldigen sind. Die Botschaft vom BVB-Anhang lautete hundertfach „Hurensöhne“ und auf einem Plakat, zugespitzt auf den RB-Direktor Ralf Rangnick: „Burnout Ralle: Häng dich auf!“ (Bitte entschuldigen Sie das Zitieren. Anders lassen sich Abgrund und Dramatik der Plakate nicht darstellen.)

Die Polizei Dortmund listete in ihrem Bericht die Rechtsbrüche außerhalb der Südtribüne auf: "Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz, gefährliche Körperverletzung, Landfriedensbruch, Sachbeschädigung, Beleidigung, räuberischer Diebstahl“. Borussia Dortmund sah sich zu einer Stellungnahme genötigt, dass der Verein die Vorfälle gemeinsam mit der Polizei aufarbeiten möchte. Prompt erfolgte die Gegenbewegung aus der Fanszene. Botschaft: Alles halb so wild.

Die einen proklamierten: Man müsste das in Relation zu anderen Klubs sehen. Die anderen: Es seien ja nur wenige, die sich nicht benehmen könnten — die meisten BVB-Fans, auch auf der Südtribüne, würden solche Hassplakate verabscheuen. Ja, wo sind denn diese Stimmen, wenn man sie braucht? Irgendwo im geschützten Bereich des Internets, bei Facebook und Twitter. Nicht aber im Stadion, wo die Fernsehkameras ein jämmerliches Bild vom BVB zeigen können.

Und nicht auf der Straße, wo Steinewerfer am Samstag keinen Unterschied mehr machten, ob der RB-Fan ein Mann, eine Frau oder ein Kind ist. Wer hier zusieht, weder einschreitet noch die Polizei ruft, macht sich als Mitläufer zum Mittäter. Relativierung und Verständnis, wie sie als Reaktion auf diesen Kommentar sicherlich kommen werden, sind unangebracht: Es geht um Menschenleben und das Ansehen des ach so geliebten Traditionsvereins Borussia Dortmund.

Wenn es so viele anständige BVB-Fans gibt: Dann braucht dieser Klub jetzt einen Aufstand der Anständigen gegen diese Leute, die Borussia Dortmund in den Dreck ziehen und dem Verein mit ihrem Verhalten schaden. Wenn es diese anständigen BVB-Fans gibt: Dann geht auf die Straße und zeigt, dass Ihr nicht mit den Ultras einverstanden seid, die den verdienten Sieg über RB Leipzig mit Rechtsbrüchen und Geschmacklosigkeiten überschatten.

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Autor: Pit Gottschalk

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