Vor 20 Jahre war Schalke UEFA-Cup-Sieger. Seitdem hat sich im Fußball viel getan. Ein Kommentar.

Kommentar

Der Fußball wandelt auf einem schmalen Grat

Ulrich Homann
01. Februar 2017, 14:20 Uhr
Foto: firo

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Vor 20 Jahre war Schalke UEFA-Cup-Sieger. Seitdem hat sich im Fußball viel getan. Ein Kommentar.

Als vor 20 Jahren Schalkes legendäre Reise durch Europa mit dem Gewinn des UEFA-Cups endete, war die Fußballwelt noch eine gänzliche andere. Auch wenn man ahnen konnte, was mal werden würde. Der Viertelfinalgegner, die Spanier vom FC Valencia, war ein stolzer Klub mit bewegter und erfolgreicher Vergangenheit. Heute gehört er einem Investor aus Singapur und dümpelt in der Abstiegszone der Primera Division. Inter Mailand, Endspielgegner der Schalker 1997, ist einverleibt der Produktpalette eines chinesischen Haushaltswaren-Konzerns.

Und in Deutschland mehren sich die Stimmen, dass die „50+1“-Regelung, die den Fußballvereinen sozusagen das Hausrecht im eigenen Klub gewährleistet, demnächst fallen wird, sei es durch einen Spruch ordentlicher Gerichte. Den der Sport nach dem Bosman-Urteil wohl fürchten muss wie der Teufel das Weihwasser.

Natürlich kann es einem vollkommen egal sein, wer in dem Klub, dem man die Daumen drückt, das Sagen hat. In England war der Widerstand gegen all die grotesken neuen Besitzstrukturen der alten Arbeitervereine zunächst groß. Geradezu nichts ist von ihm übrig geblieben. Fußballfans sind, von Ausnahmen abgesehen, schnell bereit, neue Machtverhältnisse zu akzeptieren.

Wenn sich durch die Übernahme der Klubs von Investoren aus aller Welt die Wochenlöhne der Profis und ihrer Berater verzehnfachen, wird das nicht die Qualität des Sports erhöhen. Aber das Treiben generell in eine alberne Operettenhaftigkeit überführen, deren einziges Ziel es ist, Gagen und Gewinne der Beteiligten in irrsinnige Höhen zu schrauben. Wenn dann immer noch „Fans“ die Stadien bevölkern, die mit „ihren“ Vereinen zittern, ja, dann wird vom Fußball, wie wir ihn kennen, eigentlich nichts mehr übrig sein. Wer sich die Reden der Bank- und Marketingmanager anhört, die in der Bundesliga ein start up-Unternehmen sehen mit glänzenden Renditeaussichten, der wird sich vielleicht eine rote Linie ausmalen, ab wann auch er sich aus dem Kreis der Fußball-Konsumenten verabschiedet. Volkes Lust auf Brot und Spiele mag noch eine Weile mit der Gier der Fußballbranche kompatibel sein. Doch jeder Einzelne, der sich jetzt abwendet, wird schwer wieder zu gewinnen sein. Der Fußball wandelt gerade auf einem schmalen Grat. In vielen Spielorten, zum Beispiel in Valencia oder Mailand, ist er schon abgestürzt.

Autor: Ulrich Homann

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