Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira vom SV Darmstadt 98 gerät wegen seines Engagements für eine umstrittene Hilfsorganisation zunehmend unter Druck.

Darmstadt

Ben-Hatira wehrt sich gegen "Verleumdungskampagne"

Christian Brausch
23. Januar 2017, 09:11 Uhr
Foto: firo

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Mittelfeldspieler Änis Ben-Hatira vom SV Darmstadt 98 gerät wegen seines Engagements für eine umstrittene Hilfsorganisation zunehmend unter Druck.

Beim Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach verteilten Darmstädter Fans Flugblätter, auf denen sie den 28 Jahre alten Deutsch-Tunesier dazu aufforderten, sich von der Organisation Ansaar International zu distanzieren. Ansaar International mit Sitz in Düsseldorf bezeichnet sich selbst als Hilfsorganisation, ist laut nordrhein-westfälischem Verfassungsschutz jedoch "fest mit der deutschen Salafisten-Szene verwoben".

Mittlerweile hat Ben-Hatira sich auf seiner offiziellen Facebook-Präsenz in einem langen offenen Brief zu den Vorwürfen geäußert. Hier der offene Brief im Wortlaut.

Ein offener Brief für ALLE!
(Teil 1)
"Eigentlich wollte ich niemals so klare Worte finden müssen, aber die Art und Weise, wie man eine Verleumdungskampagne gegen mich aufzieht, zwingt mich ja gerade dazu. Kurze Zwischenfrage: Schämt ihr euch nicht für solche Aktionen? Denkt ihr wirklich, ich lasse mich dadurch einschüchtern? Ich wurde weder ausgepfiffen, noch irgendwie anders angegriffen! Ehrlich gesagt war alles wie immer. Selbst wenn es dazu kommen würde, würde ich es akzeptieren und könnte damit leben. Ich würde in den Spielen weiter alles geben.

Wer meinen Lebenslauf und meine Engagements nur kurz recherchiert, dem wird schnell auffallen, dass ich schon immer ein Typ war, der sich sozial einbringt und vor allem für Völkerverständigung steht, also für die Gleichbehandlung zwischen Menschen verschiedener Hautfarbe, Ethnien oder Glaubensrichtungen kämpft.

Ich habe einen Wassertanker für Gaza gespendet, einen Brunnen für Muslime und Christen bauen lassen und mich am Waisenhausbau beteiligt, der Boko-Haram-Opfern Zuflucht gewährt. Ich durfte sehen, wie sich die Muslime und Christen dort in den Armen lagen. Manche von denen, die in den Medien gegen mich hetzen, sollten mal lieber selbst nach Afrika fliegen. Sie könnten dort viel lernen. Ich habe über 300 obdachlose Waisenkinder kennenlernen dürfen, um die sich Ansaar seit Jahren kümmert und konnte für sie ein Fußballturnier organisieren. Ich habe vor, diese Aktivitäten bald über meine "Änis Ben-Hatira-Foundation" weiterzuführen und zu vergrößern, mich also verstärkt und intensiver für diese Menschen einzusetzen.

Ansaar hat die einzige Kläranlage von Gaza in Palästina, viele riesige Waisenhäuser, die man auch besuchen kann, oder ganze Krankenhäuser, die sogar von der UN besucht werden. In ihren Videos sieht man, wie selbst Christen oder Jesiden von ihrer Hilfe schwärmen, eben dass sie auch den Menschen unabhängig von ihrem Glauben helfen und genau das gefiel mir. Von irgendwelchen radikalen Aktivitäten war nie etwas zu sehen, alles absoluter Quatsch.

Ich bin selbst afrikanischen Ursprungs und werde nicht anfangen mit dem Finger auf andere zu zeigen oder Namen zu nennen, aber ich wollte, dass meine Hilfe auch wirklich ankommt und den Menschen größtmöglich hilft. Schaut euch mal die Dokumentation „Schmutzige Schokolade 2“ auf Youtube an und ihr wisst was ich meine, wenn ich sage, dass dort sonst nicht immer alles glatt läuft. Ich möchte mir sicher sein, dass meine Gelder wirklich komplett den Bedürftigen zukommen und Projekte direkt vor Ort betreut werden.

Kommen wir zu den Vorwürfen, was den Verfassungsschutz betrifft. Es existieren Berichte, schwarz auf weiß, wie ein hoher Verfassungsschützer die Vorwürfe aus dem WDR Bericht gegenüber Rechtsanwälten verneinte.

Eine weitere Rubrik, die ich gerne ansprechen würde, ist einen gewisser Tobias Huch (und eigentlich noch weitere Provinz-Politiker). Ein "Politiker" der wegen Steuerhinterziehung (800.000 Euro!!) zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt wurde, diverse Auszeichnungen für sein Engagement in der Erotikbranche erhielt, an illegalen Straßenrennen teilnahm und neuerdings auch auf den "Anti-Änis-Ben-Hatira-Zug" aufsprang, versucht nun, mich aus der Bundesliga zu reden.

Er musste sich bereits vor dem Landgericht Düsseldorf verpflichten, schwere Vorwürfe gegenüber AnsaarInternational e.V. in Zukunft zu unterlassen. Ich bitte euch, wem sollen wir glauben? Einem Politiker mit Vorstrafen oder den Gerichten? Dem was ich selbst in Videos und Gesprächen sehe, oder Zeitungen die später Unterlassungserklärungen abgeben müssen ? Ich werde euch ein paar davon in die Kommentare posten. Das wird natürlich nicht bekannt gemacht und publiziert, wenn man falsch lag, ob versehentlich oder absichtlich, lass ich mal dahingestellt..."

Auf der Seite 2 folgt Teil 2 des offenen Briefes von Ben-Hatira

Autor: Christian Brausch

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