Der BVB macht seiner langjährigsten Anhängerin keine kurze Begegnung mit Marco Reus nach dem Training möglich. Die Familie ist enttäuscht.

Zum 97. Geburtstag

BVB verwehrt Treffen mit Reus

Mike Fiebig
11. Januar 2017, 14:07 Uhr
Foto: Firo

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Der BVB macht seiner langjährigsten Anhängerin keine kurze Begegnung mit Marco Reus nach dem Training möglich. Die Familie ist enttäuscht.

In Hagen lebt einer der langjährigsten und ältesten Fans des BVB. Die alte Dame aus der Innenstadt ist mit 96 Jahren knapp jünger als der Club. Mit 93 stand sie noch regelmäßig auf der Südtribüne. Echte Liebe – diesen Slogan hat der Verein für Menschen wie sie geprägt. Doch kurz vor ihrem 97. Geburtstag zeigt der BVB statt echter Liebe echte Ablehnung gegenüber einem seiner treuesten Fans. Dabei geht es eigentlich nur um wenige Minuten mit Marco Reus.

Borussia Dortmund ist ein Verein voller Pathos. Ein großer Club, dem es in seiner vereinseigenen Kultur meistens gelingt, das Vergangene und das Jetzt miteinander zu vereinen. Seine Helden der Neuzeit zu huldigen und dabei jedes Mal, wenn die Hymne „Am Borsigplatz geboren“ ertönt, stolz auf die alten Helden zu sein. „Goldene Zukunft braucht Vergangenheit. Wir denken an die Jungs von früher in tiefer Dankbarkeit. Unser Herz ist voller Leidenschaft der Wille ist aus Stahl. Wer uns in unserm Stolz verletzt der macht das nur einmal“, heißt es in der Hymne.

Familie fragt beim Verein an

Wegen einer möglichen Aufregung um ihre Person, die ihr nicht gut tun würde, hat die Stadtredaktion der Westfalenpost gemeinsam mit der Familie der alten Dame beschlossen, ihren wirklichen Namen nicht zu nennen.

Darüber, wie der BVB mit einem besonderen Fan umgeht, ist die Familie der betagten Dame höchst verärgert. Zum 97. Geburtstag hatte die Großnichte beim Club angefragt, ob BVB-Spieler Marco Reus, dessen Poster über dem Bett der stets einen BVB-Schal tragenden Dame hängt, ihr nicht persönlich gratulieren könnte. Per Händedruck am Trainingsgelände, vielleicht durch das kurze Überreichen eines Blumenstraußes, vielleicht ein gemeinsames Foto oder eine Video-Botschaft. Immerhin ist die alte Hagenerin ein Fan, dem der BVB einst bestätigte, einer der ältesten und langjährigsten Anhänger zu sein.

„Das haben sie abgelehnt und uns mitgeteilt, dass man das nicht möglich machen könne“, erklärt ihre Großnichte gegenüber der Westfalenpost. Man könne nicht den Wünschen jedes älteren Fans entsprechen. Der BVB müsse da eine Gleichbehandlung herstellen und angesichts von Hunderttausenden Fans abwägen, was machbar ist.

Nun kann die bald 97-jährige Hagenerin, die ihren Herzens- und Lebensclub noch mit 93 Jahren auf der Südtribüne stehend anfeuerte, sich nicht mit Rollator und im Gedränge von vielen hundert Fans, die sich auf dem BVB-Trainingsgelände in Brackel ihre Stars ansehen wollen, durchboxen, um ihrem Liebling Marco Reus persönlich gegenüber zu stehen. Ihre Großnichte sagt: „Das hätte man doch für wenige Minuten und einen ruhigen Moment verabreden können.“ Solche Fans, die fast das gesamte Bestehen des BVB lang dem Club treu zur Seite stehen seien doch absolute Ausnahmen. Und eben auch das, was der Club höchst medienwirksam unter der viel zitierten „echten Liebe“ versteht.

Pressestelle entschuldigt sich

„Wir müssen einfach allen Fans gerecht werden und können solche Wünsche leider nicht erfüllen“, sagt Silke Ebmeier aus der Pressestelle des BVB. Man könne Autogrammkarten und ein Glückwunschschreiben senden.

Das hat der BVB mittlerweile auch getan und hat das Schreiben an die 28-jährige Großnichte adressiert und fälschlicherweise der jungen Dame zum 97. Geburtstag gratuliert. Statt echter Liebe, echte Peinlichkeit . . .

Autor: Mike Fiebig

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