Warum guckt eigentlich keiner mehr die Formel 1? Zu Zeiten von Michael Schumacher saß doch ganz Deutschland jeden Sonntag gebannt vor dem Fernseher.

Kommentar zur aufgeblähten WM

Wenn der Kongo gegen Peru...

Daniel Sobolewski
10. Januar 2017, 14:22 Uhr
Foto: firo

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Warum guckt eigentlich keiner mehr die Formel 1? Zu Zeiten von Michael Schumacher saß doch ganz Deutschland jeden Sonntag gebannt vor dem Fernseher.

Doch der Marktanteil hat sich in den letzten zehn Jahren fast halbiert. Dabei sind heute sogar mehr hochklassige deutsche Rennfahrer unterwegs als damals. FIFA auf den Spuren der FIA?

Kaputtgemacht wurde die Formel 1 vor allem durch ständige unverständliche Regeländerungen. Auf einmal durfte nicht mehr getankt werden. Warum? Was weiß ich?! Das ganze Punktesystem wurde häufiger überholt als Sebastian Vettel mit Getriebeschaden.
Inzwischen klingen die Motoren wie solarbetriebene Nähmaschinen und man kann sich sicher sein: Wer das erste Rennen gewinnt, wird Weltmeister. Gähnend langweilig! Kein Wunder, dass keiner mehr zuguckt.

Parallelen zum Fußball eindeutig

Wer sieht hier keine Parallelen zum Fußball? Ein Weltverband schraubt herum, als müsste eine bereits tote Sportart mit aller Macht wiederbelebt werden. Dabei boomt Fußball auf der ganzen Welt nach wie vor. Warum also alles umbauen? Nennt mich einen Fußball-Romantiker. Aber was die Veränderung des Regelwerks angeht sage ich: Never change a winning team!

Warum also brauchen wir jetzt einen Chip im Ball? Eine vierte Einwechslung? Freistoßspray? Und nun wird auch noch die WM aufgestockt. Ab 2026 nehmen 48 Nationen teil, also fast ein Viertel aller möglichen Mannschaften.

War die EM nicht schon öde genug?

Haben wir nicht gerade eine ziemlich öde Europameisterschaft hinter uns? Die meisten Spiele konnte man sich doch nur mit sieben Pils intus anschauen. Passend: Portugal gewinnt das Turnier, obwohl das Team nur eins von sieben Spielen nach 90 Minuten gewonnen hat.

Und statt einzusehen, dass eine Aufblähung der Teilnehmerzahl bei der EM vielleicht eine blöde Idee war, zieht die Fifa nach und macht dasselbe. Das heißt: Selbst wenn sich zufällig die nach der Coca-Cola-Weltrangliste (ja, so heißt die Fifa-Rangliste neuerdings wirklich!) besten 48 Teams qualifizieren, nehmen demnächst auch der Kongo, Peru und Nordirland teil. Aber auch Usbekistan, Mali und Guinea-Bissau dürfen sich berechtigte Hoffnungen auf eine Teilnahme machen.
16 Gruppen gibt es dann. Gesetzter Kopf der Gruppe P (!!) könnte so beispielsweise Wales sein (!!!). Auf die großen Duelle zwischen den Walisern und Peru freue ich mich schon jetzt.

Nimmt man erneut die aktuelle Weltrangliste, wäre damit Costa Rica (Platz 17) das beste Team, auf das Deutschland in der Vorrunde treffen könnte. Bis zu den ersten hochklassigen Spielen muss man wohl erst einmal die ellenlange Gruppenphase überstehen. Für mich steht außer Frage: Die aufgeblähte WM verliert so ihren Reiz.

Der Grund, warum dieser aus sportlicher Sicht unsinnige Schritt durchgedrückt wurde, ist schnell gefunden: 20 Prozent Mehreinnahmen konnte die Fifa nicht einfach ausschlagen, logisch. Schließlich muss die Kuh gemolken werden, solange sie noch Milch gibt. Wer weiß, wie lange das noch sein wird.

Autor: Daniel Sobolewski

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