Nur einen Tag nach der wohl bittersten Stunde in der Karriere des Hans-Michael Holczer ist die Sponsoren-Jagd auf sein Radteam in vollem Gange. Nach dem angekündigten Rückzug seines Hauptsponsors Gerolsteiner zum Jahresende 2008 kann sich der Herrenberger trotz der anhaltenden Dopingskandale im Radsport vor Anfragen offenbar kaum retten.

Sponsorenjagd bei Gerolsteiner in vollem Gange

"Keine falsche Zuversicht"

05. September 2007, 18:00 Uhr

Nur einen Tag nach der wohl bittersten Stunde in der Karriere des Hans-Michael Holczer ist die Sponsoren-Jagd auf sein Radteam in vollem Gange. Nach dem angekündigten Rückzug seines Hauptsponsors Gerolsteiner zum Jahresende 2008 kann sich der Herrenberger trotz der anhaltenden Dopingskandale im Radsport vor Anfragen offenbar kaum retten. "Ich könnte schon euphorisch werden, wenn ich sehe, was in den letzten 24 Stunden alles aufgelaufen ist. Ich war selbst total überrascht", sagte Holczer dem sid.

Dennoch bleibt der 53-Jährige auf dem Teppich, geht unaufgeregt auf die Suche nach neuen Geldgebern."Ich will keine falsche Zuversicht aufkommen lassen. Man muss einen Sack voll Gespräche führen, und am Ende springt eventuell ein Vertag heraus", meinte Holczer. Der Manager kann dabei vor allem mit dem positiven Image des bisher von Dopingfällen verschonten Rennstalls werben.

Längst sind die Anfragen für die Equipe international und Holczer schließt nicht aus, in Zukunft als deutsches Team für ein ausländisches Produkt zu werben. "Sicherlich ziehen wir das in Betracht. Die Stärke des Radsports ist seine internationale Reichweite. Natürlich hätten aber auch ausländische Sponsoren immer den deutschen Markt im Auge", sagte Holczer.
Der Geschichts- und Mathematiklehrer will auch in Zukunft voll auf einen großen Sponsor setzten, der pro Saison etwa neun Millionen Euro in sein Team investieren will. "Es ist sinnvoller, wenn ein Sponsor die Geschichte stemmt. Für eine Patchwork-Lösung ist der Aufwand einfach zu groß", meinte Holczer.
Rückhalt bekommt der Teamchef bei der Suche nach neuen Geldgebern vor allem von seinen Fahrern. Amstel-Sieger Stefan Schumacher (Nürtingen) sagte, er habe keine Angst, denn Holczer werde sicherlich einen neuen Sponsor finden. `Das ich dieses Vertrauen genieße, ehrt mich sehr. Auf der anderen Seite ist es natürlich auch eine Bürde, die man mit sich herumträgt", meinte `Ersatz-Papa" Holczer.

Der Ausstieg von Gerolsteiner traf ihn nicht überraschend.
"Das hatte sich schon Ende letzten Jahres angedeutet. Die Ansprüche des Teams und das Interesse des Sponsors gingen einfach langsam auseinander", sagte Holczer. Seine Mannschaft muss zudem in der kommenden Saison mit einem geringeren Budget von Seiten des Mineralwasser-Herstellers auskommen. `Von Gerolsteiner bekommen wir einen Sockelbetrag. Wir erreichen die Höhe der vergangenen Jahre nicht und so muss ich das Geld woanders auftreiben", sagte Holczer.

Allerdings könnten seine Fahrer schon in der kommenden Saison mit einem neuen Sponsor auf den Trikots unterwegs sein.
Gerolsteiner habe signalisiert, dass es sich zum Wohle des Teams zurückzieht, wenn ein neuer Sponsor unbedingt schon früher einsteigen wolle. Gedankenspiele über Kooperationen mit den deutschen Kontrahenten T-Mobile oder Milram will Holczer nicht kommentieren: "Wir haben eine Lizenz bis 2010 und sind nach 2008 ohne Sponsor. Wir werden mal abwarten was bis dahin passiert."

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