Dieser Mann müsste demnächst irgendwann mal ein Buch schreiben. Kaum jemand in diesem Gewerbe außer dem legendären Rudi Gutendorf ist ja so weit herumgekommen wie Ralf Zumdick.

Ralf Zumdick

Was macht eigentlich die "Katze"?

Michael Eckhardt
30. Dezember 2016, 19:29 Uhr
Foto: Gero Helm

Foto: Gero Helm

Dieser Mann müsste demnächst irgendwann mal ein Buch schreiben. Kaum jemand in diesem Gewerbe außer dem legendären Rudi Gutendorf ist ja so weit herumgekommen wie Ralf Zumdick.

58 ist die einstige langjährige Nummer eins des VfL Bochum inzwischen und hat den Lauf des Balles natürlich immer auch versucht ein wenig mitzubestimmen bei seinen vielen Stationen auf verschiedenen Kontinenten.

Seit dem Sommer 2013 geht „Katze“ Zumdick in Budapest, bei Ferencvaros, seinem Beruf nach - als Assistent von Chef-Coach Thomas Doll. Beim Hamburger SV haben sie sich kennen- und schätzen gelernt, haben in Dortmund und Ankara zusammengearbeitet und nun eben wieder in Budapest. Mit Theo Schneider, den sie aus ihrer Zeit beim BVB gut kennen, haben sie einen weiteren Deutschen dazu geholt, demnächst soll noch Tamas Hajnal, Ungar mit Bundesliga-Erfahrung, dazustoßen.

Das Einzige, das ich nicht lernen werde, ist die Sprache
Ralf Zumdick über Ungarn

„Theo und ich machen auch den Aufbau im Jugendbereich und die interne Trainerausbildung. Wir wollen die Talente in Zukunft ein bissschen eher zu packen kriegen“, sagt Zumdick, dessen Karriere einer Achterbahn-Fahrt gleicht. Vom Co- zum Cheftrainer bei seinem VfL, später nach Auf- und Abstieg mit den Bochumern „in Deutschland total out“. Ralf Zumdick musste raus, etwas riskieren. Afrika war eine völlig neue Erfahrung für den gebürtigen Münsteraner, der bis heute Bochumer Bürger geblieben ist. Bei Asante Kotoko arbeitete Zumdick, betreute die Nationalmannschaft und die Olympiaauswahl - und ist in Accra offenbar immer noch gut gelitten: „Vor ein paar Wochen hatte ich wieder Kontakt, es war nett wieder da zu sein. Im Januar spielen zwei ghanaische Talente bei uns vor.“ Dann aber wieder zurück nach Deutschland, weil sein Ex-Chef Klaus Toppmöller ihn zum HSV holte. Und weiter ging es im Paket mit Thomas Doll zu Borussia Dortmund, anschließend nach Ankara. Dort übernahm Ralf Zumdick schließlich, als Thomas Doll bei Genclerbirligi seine Sachen packte. Die Wege trennten sich erst einmal, Ralf Zumdick stand vor der nächsten Herausforderung.

Sie hatte vier Buchstaben und lautete Iran. Sportdirektor bei Persepolis Teheran steht in den einschlägigen Archiven, Zumdick selbst spricht von sich und seiner Funktion in der Metropole lieber bescheiden als „Berater“ und schwärmt, abseits jeder politischen Einordnung, von der „Freundlichkeit der Menschen“, die ihm dort begegnet sind. Aber das Geschäft ist schnelllebig. Ralf Zumdick kehrte zurück und musste eine Zeitlang warten, bis es auf Profiniveau weiterging - an der Seite von Thomas Doll in Budapest. Seit 2013 ist er nun schon in der ungarischen Hauptstadt, hat nach dem ersten Jahr mit der Mannschaft „alles gewonnen“, was zu gewinnen war.

Ob er jedoch tatsächlich, wie es in seinem Vertrag steht, bis 2019 bei Ferencvaros bleiben wird, möchte er derzeit nicht beschwören. „Positiv überrascht“ von Land und Leuten, sagt er, sei er gleichwohl, macht nur eine kleine Einschränkung: „Das Einzige, das ich nicht lernen werde, ist die Sprache.“

Autor: Michael Eckhardt

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