Friedhelm Funkel von Fortuna Düsseldorf ist der zweitälteste Trainer im deutschen Profifußball. Der 63-Jährige blickt kritisch auf seinen Sport, an dem er trotzdem immer noch viel Spaß hat.

Fortuna Düsseldorf

Was Funkel am Trainergeschäft stört

Michael Ryberg
29. Dezember 2016, 05:07 Uhr
Foto: Getty

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Friedhelm Funkel von Fortuna Düsseldorf ist der zweitälteste Trainer im deutschen Profifußball. Der 63-Jährige blickt kritisch auf seinen Sport, an dem er trotzdem immer noch viel Spaß hat.

Neulich war Friedhelm Funkel auf der Weihnachtsfeier der Aufstiegsmannschaft von Bayer Uerdingen aus der Bundesliga-Saison 1974/75. Im Kreise seiner Ehemaligen ist der mit 63 Jahren zweitälteste Cheftrainer im deutschen Profifußball der jüngste Spieler. Krefeld, die Grotenburg, der DFB-Pokalfinalsieg 1985 gegen die Bayern beim ersten Endspiel in Berlin, all das hat Funkels Laufbahn geprägt. Fünf Bundesliga-Aufstiege als Trainer sind Rekord. Beim Jahrhundertspiel gegen Dresden, als Uerdingen im Europapokal-Viertelfinale aus einem 0:2 im Hinspiel und einem 1:3-Pausenrückstand in Krefeld noch ein 7:3 machte, war der aktuelle Trainer des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf auch beteiligt.

Herr Funkel, haben Sie neulich beim Gastspiel der Dresdener deren Sportchef Ralf Minge eigentlich auf das 7:3 von 1986 angesprochen?
Friedhelm Funkel: Ja, das war damals mehr als eine sportliche Niederlage für Dynamo. Trainer Klaus Sammer wurde ja sofort entlassen. Zu Hause in der DDR hatten damals Matthias Sammer, Ulf Kirsten oder Dixie Dörner einige Straftrainings zu absolvieren. Und dann ist ja auch noch Frank Lippmann über die Tiefgarage des Krefelder Hansa-Hotels geflüchtet.

Drei Jahrzehnte später sind Sie immer noch im Profifußball. Warum tun Sie sich die Zweite Liga mit 63 Jahren weiterhin an?
Antun ist das falsche Verb. Mir macht der Job richtig viel Spaß. Der Fußball lässt mich nicht mehr los, weil er mehr als die Hälfte meines Lebens bestimmt hat.

Ich war immer Realist, habe aber trotzdem fast nur für Traditionsvereine gearbeitet. Diesen Weg habe ich nie bereut
Friedhelm Funkel

Dabei könnten Sie doch machen, was sie wollen...
Das habe ich auch schon getan – in der Zeit nach der Trennung bei 1860 München. Dreieinhalb Wochen bin ich mit meiner Lebensgefährtin in Namibia herumgefahren, 300 bis 600 Kilometer am Tag. Morgens um fünf Uhr ging es oft los. Dann haben wir stundenlang an Wasserlöchern gehalten und Tiere beobachtet. Da kann man entschleunigen.

Namibia klingt wie der Gegenentwurf zur Schnelllebigkeit und Hektik des Profifußballgeschäfts.
Stimmt. Und es ist wirklich pervers, wie manche Medien einfach nur marktschreierisch über Fußballtrainer urteilen. Beispiel: André Schubert führt Borussia Mönchengladbach vom letzten Tabellenplatz in die Champions League. Dann verlängert er seinen Vertrag. Und drei Monate später wird er in Frage gestellt. Mir könnte das aus der Ferne ja egal sein. Ist es aber nicht. Ich finde es furchtbar, wenn Menschen ungerecht behandelt werden.

Ist Ihnen das in Ihrer Karriere auch schon passiert?
Ja, bei Hertha BSC.

Sie meinen den Bundesliga-Abstieg im Jahr 2010.
Ich hatte damals die stärkste Truppe meiner Karriere: Raffael und Adrian Ramos vorn, Jaroslav Drobny im Tor, Arne Friedrich hinten. Auch der jetzige Trainer Pal Dardai war dabei. Dazu standen mit Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer die wichtigsten Leute hinter mir. Und doch hatte sich am Ende alles gegen den Trainer verschworen. Wir haben kein Heimspiel gewonnen. Es war eine schwere, manchmal eine sehr ungerechte Zeit.

Mit Karlheinz Feldkamp und Rolf Schafstall hatten Sie bei Bayer Uerdingen mindestens zwei Trainer als Spieler, die knallhart sein konnten.
Eine gewisse Brutalität war manchmal gar nicht so schlecht. Kalli Feldkamp war ein starker Motivator. Rolf Schafstall hat es manchmal übertrieben mit seiner Strenge, obwohl er tief drin ein weiches Herz hat. Bei zu viel Strenge verliert man schnell mal seine Mannschaft. Aber die Zeiten von Trainertypen wie Branco Zebec sind längst vorbei.

Mit welchem Trainer würden Sie gern mal eine Woche tauschen?
Mit keinem.

Nicht einmal mit Jürgen Klopp und seinem FC Liverpool?
Liverpool hat sich für mich nie ergeben.

Damit streiche ich die Frage nach Ihrem unerfüllten Fußballer-Traum aus der Kindheit?
Ich war immer Realist, habe aber trotzdem fast nur für Traditionsvereine gearbeitet. Diesen Weg habe ich nie bereut. Eines der größten Komplimente hat mir mal Heribert Bruchhagen bei Eintracht Frankfurt gemacht.

Welches?
Der Funkel hat immer den Verein im Auge. Der fordert keine Spieler, die ein Verein finanziell nicht stemmen kann.

Bruchhagen ist 68 Jahre alt und kann, wie Sie auch, nicht vom Fußball lassen, oder?
Stimmt, auch deshalb pflegen wir eine lange Freundschaft. Bei ihm zählt noch das Wort. In Frankfurt hat er mir als Trainer drei- oder viermal richtig die Stange gehalten, als es kritisch wurde.

Vielleicht treten Sie ja noch einmal gegen Bruchhagens neuen Klub Hamburger SV an, wenn Sie den sechsten Bundesliga-Aufstieg Ihrer Trainer-Karriere bei Fortuna Düsseldorf schaffen würden.
Das ist in dieser Saison aber nicht realistisch. Braunschweig, Stuttgart und Hannover sind vorn zu konstant. Wir wollen eine sorgenfreie Saison spielen, junge Fußballer einbauen und weiterentwickeln. Träumen ist aber nicht verboten.

Ohne Stuttgart und Hannover könnten die Chancen in der Zweitliga-Saison 2017/18 für die Fortuna besser stehen, oder?
Dazu müssten wir im Sommer unsere Mannschaft zusammenhalten und zwei oder drei richtig gute Verstärkungen dazuholen.

Autor: Michael Ryberg

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