Der Bundestrainer tritt als Mahner auf: Die wahrscheinliche WM-Aufstockung macht Joachim Löw Sorge.

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Löw warnt vor WM-Aufstockung

dpa
26. Dezember 2016, 11:59 Uhr
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Der Bundestrainer tritt als Mahner auf: Die wahrscheinliche WM-Aufstockung macht Joachim Löw Sorge.

Joachim Löw fühlt sich in der brisanten WM-Frage ausgeschlossen und geht aus Sorge vor einer Mammut-WM erneut auf Konfrontationskurs zu FIFA-Boss Gianni Infantino. "Das würden wir Trainer uns sicher manchmal wünschen, dass unsere rein auf den sportlichen Bereich bezogene Perspektive einbezogen wird. Aber da stößt man an Barrieren", sagte der DFB-Chefcoach in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur.

Ein WM-Turnier mit womöglich 48 Teams, die neue Nationenliga und eine Club-Weltmeisterschaft mit 32 Mannschaften - die Diskussionen um gleich mehrere internationale Wettbewerbe in dem ohnehin schon engen Terminkalender lassen Löw zum Mahner vor einer ungezügelten Expansion im Weltfußball werden. "FIFA und UEFA sind in der Verantwortung, sie brauchen Augenmaß und müssen das richtige Verhältnis finden zwischen kommerziellen Interessen und der sportlichen Sicht", forderte Löw. Man dürfe das Rad nicht überdrehen, sagte der Weltmeistertrainer.

"Wenn man ein gutes Produkt hat, wie den Fußball, sollte man auch mal über Verknappung nachdenken, um die Qualität hochzuhalten", sagte Löw. Sonst würden sich womöglich die Fans eines Tages abwenden.

Das letzte große Turnier habe bedenkliche Symptome offenbart. "Der sportliche Wert eines Wettbewerbs droht dann doch zu verwässern, wenn – wie bei der EM - drei von vier Mannschaften in der Vorrunde weiterkommen können. Oder eine Mannschaft mit drei Punkten. Diese Tendenz hat mir nicht gefallen", sagte Löw. Es war auch ein kleiner Seitenhieb auf Europameister Portugal, der ohne Gruppensieg am Ende in Frankreich triumphierte.

Am 10. Januar 2017 soll das FIFA-Council über die von Infantino propagierte WM-Aufstockung vom Turnier 2026 an entscheiden. "Es geht natürlich auch darum, dass Trainer bei Tagungen über sportliche Dinge gefragt werden. Über das Regelwerk, aber nicht über den Rahmenterminkalender. Den bestimmen andere", monierte Löw.

Bereits im Oktober hatte der 56-Jährige seine Bedenken geäußert. Infantino reagierte damals mit einem Verbalkonter: "Für den Weltmeister ist es einfach eine Meinung zu haben, wenn es um die WM geht. Was kann ich ihm sagen? Dass er offen sein muss für Erneuerung, für den Fußball, für die Fußball-Entwicklung. Dass nicht alle die Chance haben, sich wie Deutschland jedes Mal zu qualifizieren."

Erneut plädierte Löw nun für den Staus quo: "Die Pläne sind noch nicht ausgereift. Ich halte es für absolut ausgewogen, wenn 32 Mannschaften an der WM teilnehmen." Akzeptabel sei eine Aufstockung nur, wenn führende Nationen wie Weltmeister Deutschland nicht mehr Spiele bestreiten müssten und die Turnierzeit nicht ausgeweitet wird.

Für den Bundestrainer ist 2017 ein Vorbereitungsjahr für die geplante WM-Titelverteidigung 2018, mit dem Confederations Cup in Russland als zwiespältigem Höhepunkt: "Es gibt natürlich unterschiedliche Perspektiven. Aber für einige Spieler kann die Teilnahme an einem solchen Turnier wirklich eine gute Chance sein, sich zu präsentieren und sich an ein höheres internationales Niveau heranzuspielen."

Seinen traditionellen und nach der EM weiter forcierten Jungendkurs will der Bundestrainer auch mit Blick auf die WM-Generalprobe vom 17. Juni bis 2. Juli mit Gruppenpartien gegen Australien, Chile und den künftigen Afrikachampion in Sotschi und Kasan definitiv fortsetzen.

"Wir haben da aber den einen oder anderen im Blick, den wir gerne mal bei uns sehen möchten. Wer letztlich bei der A-Mannschaft spielt oder in der U21, hängt immer auch von der individuellen Situation des Spielers ab und dessen persönlichem Entwicklungsstand. Dem einen tut es gut, eine Führungsrolle in der U21 zu übernehmen. Ein anderer soll sich mal bei der A-Mannschaft zeigen", sagte Löw. Parallel zum Confed Cup findet die U21-Europameisterschaft in Polen statt.

Potenzielle Kandidaten für die A-Elf sind die Berliner Niklas Stark und Mitchell Weiser. Auch den Leipziger Timo Werner hat Löw auf dem Zettel sowie dessen Kollegen Lukas Klostermann nach der Genesung von einem Kreuzbandriss. Die Ansprüche, an denen sich auch die 2016-Debütanten wie Niklas Süle, Serge Gnabry oder Jonathan Tah letztlich messen lassen müssen, sind hoch, das machte Löw klar. "Da sind einige sehr talentiert, aber wenn wir von Weltklasse sprechen, dann ist das das Niveau eines Ronaldos, eines Messis. Das muss bei einem Team, das den WM-Titel verteidigen will, die Messlatte sein."

Autor: dpa

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