André Schubert marschierte flugs in die Kabine, ein gellendes Pfeifkonzert begleitete ihn auf seinen wohl letzten Metern als Trainer von Borussia Mönchengladbach.

"Geben Sie uns eine Nacht"

Schubert in Gladbach vor dem Aus

sid
20. Dezember 2016, 21:57 Uhr
Foto: firo

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André Schubert marschierte flugs in die Kabine, ein gellendes Pfeifkonzert begleitete ihn auf seinen wohl letzten Metern als Trainer von Borussia Mönchengladbach.

Nach einem 1:2 (0:1) im Krisen-Gipfel gegen den VfL Wolfsburg sieht alles nach dem Rauswurf des seit Wochen angezählten Schubert bei den in Abstiegsnot geratenen Fohlen aus. Der ebenfalls umstrittene Wölfe-Coach Valerien Ismael darf dagegen auf einen Verbleib hoffen.

"Das ist ein überragender Verein mit einer überragenden Führung. Wir sind ehrlich zueinander und setzen uns morgen zusammen", sagte Schubert bei Sky. Daniel Caligiuri (3.) und Mario Gomez (57.) hatten zuvor in einer schwachen Begegnung für die Gäste getroffen, für Gladbach erzielte Thorgan Hazard (52.) den zwischenzeitlichen Ausgleich - zu wenig wohl für Schubert, auch wenn Sportdirektor Max Eberl noch Klartext vermied.

"Ich weiß, dass eine Antwort gefordert wird. Aber ich werde jetzt nicht hier eine Entscheidung verkünden. Geben Sie uns eine Nacht", sagte Eberl: "Es gilt jetzt, Klarheit zu schaffen und eine Entscheidung zu fällen. Das wird in Kürze passieren." Viel tat Eberl nicht, um seinem Trainer noch einmal den Rücken zu stärken - die Spieler nahm er indes in Schutz: "Es war ernüchternd, es war schade, die Spieler haben sich bemüht."

Der zwar wirklich bemühten, aber dennoch insgesamt ganz schwachen Borussia droht nach nur einem Sieg aus elf Ligaspielen sogar der Absturz auf Rang 15, die punktgleichen Wolfsburger überwintern auf jeden Fall einen Platz vor Gladbach.

Wolfsburgs Gomez, der zuletzt wechselwilligen Spieler den Abschied empfohlen hatte, revidierte seine Aussage ein wenig: "Wenn wir so spielen wie heute, können gerne alle bleiben. Zuletzt wurde aber nur über Wechsel geredet, das hat mir gestunken."

Schubert hörte schon Pfiffe, als sein Name vor Anpfiff bei der Aufstellung verlesen wurde. Bereits seit Wochen geistert der Name Dieter Hecking durch den Borussia-Park.

Neue Nahrung bekamen die Kritiker nach nur 135 Sekunden. Maximilian Arnold durfte von der linken Seite flanken, in der Mitte erzielte der von Oscar Wendt ungestörte Caligiuri aus acht Metern sein zweites Saisontor. Zu den ersten Gratulanten gehörte der wechselwillige Weltmeister Julian Draxler in seinem wohl letzten Spiel für die Niedersachsen.

Schubert fieberte an der Seitenlinie mit, feuerte sein Team an, verzweifelte aber immer wieder an den schwach vorgetragenen Angriffen. Gladbach hatte mehr Ballbesitz und war durchaus bemüht, fand gegen die aufmerksame Abwehr der Gäste aber kein Durchkommen. Bei ihren schnell Kontern war der VfL sogar die gefährlichere Mannschaft.

Wie groß die Verunsicherung bei der Borussia ist, zeigte sich in der 20. Minute. Torhüter Yann Sommer spielte den Ball völlig unbedrängt in die Füße von Draxler, der das Geschenk jedoch nicht annahm und am Schweizer Schlussmann scheiterte. Folge war erneut ein gellendes Pfeifkonzert.

Kurz nach der Pause schöpfte die Borussia noch einmal Hoffnung. Wolfsburg-Keeper Diego Benaglio ließ einen Schuss von Lars Stindl abprallen, Hazard staubte ab. Die Freude währte jedoch nur fünf Minuten, nach einem Draxler-Pass umkurvte Gomez Schlussmann Sommer und schob zu seinem vierten Saisontor ein. Wendt (68.) und der eingewechselte Andre Hahn (76.) vergaben anschließend die Chance zum Ausgleich.

In beiden Lagern war vor dem Duell die Gerüchteküche hochgekocht: Beim VfL wurde David Wagner vom englischen Zweitligisten Huddersfield Town heiß gehandelt, was der Bundesligist sowie Wagner selbst am Dienstag dementierten. Bei der Borussia gilt Ismael-Vorgänger Hecking als Kandidat. Noch vor Weihnachten wollen beide Klubs ihre schwache Hinrunde analysieren.

Autor: sid

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