Abgeklärt, zweikampfstark, technisch versiert: Thilo Kehrer spielte in Schalkes Abwehr im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (0:1) so gut, als würde er seit Ewigkeiten dazugehören.

Schalke

Das ist das nächste Juwel der Königsblauen

Andreas Ernst
17. Dezember 2016, 10:39 Uhr
Foto: firo

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Abgeklärt, zweikampfstark, technisch versiert: Thilo Kehrer spielte in Schalkes Abwehr im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen (0:1) so gut, als würde er seit Ewigkeiten dazugehören.

Es war aber erst sein erstes Bundesligaspiel in der Startelf. Auch heute im Spiel gegen den SC Freiburg (15.30 Uhr, live bei Sky) gehört er wieder zur Anfangsformation. Der einstige Musterschüler des Schalker Talentschmieds Norbert Elgert ist das nächste Juwel der Königsblauen – aber mit anderthalb Jahren Verspätung. Kehrer ist erst 20 Jahre alt und doch ein Spätstarter.

Kehrer und Leroy Sané waren im Sommer 2015 die wichtigsten Spieler des U19-Meisterteams. Kehrer lenkte die Erfolgself als Kapitän, Sané erzielte die Tore. Aus vielen Ländern kamen die Scouts ins Revier. Kehrer erhielt ein Angebot des italienischen Spitzenklubs Inter Mailand. Obwohl Schalke Kehrers Vertrag via Option um ein Jahr verlängert hatte, unterschrieb der Abwehrspieler auch bei Inter.

Kehrers Berater Nils Schmäler hatte den Vertrag mit Schalke für ungültig erklärt und wollte den Wechsel mit Hilfe der Fifa erzwingen. Schalke verweigerte aber die Freigabe. Der hochgelobte Kehrer erschien nicht zum Trainingsauftakt der Profis. Der damalige Manager Horst Heldt war verärgert und reagierte mit einem Hausverbot für Schmäler.
Kehrer wurde der große Verlierer dieses Pokers, denn Inter Mailand nahm Abstand von einer Verpflichtung. „Es gab ein Kommunikationsproblem zwischen Schalke und mir“, sagt er heute. Kehrer wechselte den Berater, Schalke nahm ihn zurück. Den Platz im Profikader verlor er, da die Saison schon begonnen hatte. „Der Spieler war auf die schiefe Bahn geraten“, sagte Heldt. Ex-Trainer André Breitenreiter erklärte: „Er ist ein großes Talent. Das kann er in der U23 nachweisen.“ U19-Trainer Elgert warb für seinen Schützling: „Er ist charakterlich und menschlich einwandfrei, ein anständiger Junge. Ich würde mir wünschen, dass er bleibt.“

Kehrer blieb und trainierte mit den Profis. Während sein Kumpel Sané dort ein Tor nach dem anderen erzielte und sich in den Fokus aller europäischen Spitzenklubs dribbelte, spielte Kehrer mit der U23 in Rödinghausen und Verl. Breitenreiter hatte für ihn keine Verwendung. Nur einmal kam Kehrer bei den Profis in einem Pflichtspiel zum Einsatz. In Wolfsburg wurde er in der 90. Minute eingewechselt. Heldt glaubte weiter an die Qualitäten des Abwehrspielers und bot eine Vertragsverlängerung bis 2019 an. Kehrer unterschrieb. „Ich habe Schalke nie aufgegeben“, sagt er. Im Sommer 2016 verbesserte sich Kehrers Situation. Markus Weinzierl übernahm, ein Trainer, der ihn von Anfang an besonders beachtete. „Ich hatte immer eine sehr, sehr positive Meinung von Thilo“, sagte Weinzierl. Kehrer schuftete im Training: „Man arbeitet jeden Tag hart und versucht sich auf die Chance vorzubereiten, wenn man von Anfang an spielen darf.“

Inzwischen bekam er drei Chancen. In den bedeutungslosen Europa-League-Gruppenspielen gegen OGC Nizza und RB Salzburg durfte er vorspielen, als Weinzierl seine Abwehrkräfte schonte. Er überzeugte aber so sehr, dass er auch gegen Leverkusen eine Chance bekam, als die Stammkräfte fehlten. „Er hat sich toll entwickelt – aber er hatte drei gute Spieler vor sich. Nun hat er seine Sache dreimal sehr gut gemacht“, lobte Weinzierl. Spätstarter Kehrer hat nun so richtig Fahrt aufgenommen.

Autor: Andreas Ernst

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