Der VfL Bochum blieb auch im achten Heimspiel der Hinrunde unbesiegt und setzt sich mit dem 1:0 (0:0) über den TSV 1860 München jetzt deutlich von der Gefahrenzone am Tabellenende ab.

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Verbeeks letztes Aufgebot begeistert durch Siegeswillen

11. Dezember 2016, 12:33 Uhr
Foto: firo

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Der VfL Bochum blieb auch im achten Heimspiel der Hinrunde unbesiegt und setzt sich mit dem 1:0 (0:0) über den TSV 1860 München jetzt deutlich von der Gefahrenzone am Tabellenende ab.

Keine Selbstverständlichkeit und so wussten über 15000 Zuschauer im Vonovia Ruhrstadion auch, dass dies ein besonderer Sieg war. Die Vorzeichen nämlich verhießen dem Anhang nichts Gutes. Nach Patrick Fabian (seit Saisonbeginn), Felix Bastians und Pawel Dawidowicz meldete sich am Vormittag des Spiels mit Tim Hoogland auch noch ein weiterer Innenverteidiger krank. Gertjan Verbeek: „Der Tag begann mit einer Enttäuschung. Hoogland konnte wegen einer Magen- und Darmerkrankung nicht spielen.“

Der Coach war vorgewarnt, als der 31-Jährige beim Abschlusstraining fehlte. Und während die Außenstehenden darüber grübelten, wer von drei verbleibenden Innenverteidigern (Gül, Leitsch und Wydra) das Duo im Abwehrzentrum stellt, hatte der Trainer eine ganz andere Variante im Kopf: Er zog Anthony Losilla aus dem Defensiven Mittelfeld in die Innenverteidigung und stellte ihm den zweitligaunerfahrenen Maxim Leitsch zur Seite. Verbeek: „Ich wollte einfach einen erfahrenen in der Innenverteidigung haben.“

Wieder einmal hatte der Coach ein glückliches Händchen. Denn dass die Abwehr an diesem Tag funktionierte, bewies ein Blick auf die Statistik. Ganze zwei Schüsse ließ die neu formierte Viererkette direkt auf das Tor von Manuel Riemann zu. Dies lag zum einen daran, dass die eingesetzten Youngster wie Jan Gyamerah, Leitsch oder mit zunehmender Spielzeit auch Roussel Canouse eine bemerkenswerte Leistung boten. Zum anderen aber auch daran, dass die Offensivspieler gerade zu vorbildlich nach hinten arbeiteten und so den Gästen nur ganz wenig Luft zum Atmen ließen.

Der Wahrheit die Ehre, was beide Teams insbesondere in Abschnitt eins boten, hatte mit fußballerischer Finesse nur in Ausnahmefällen zu tun. Doch der Coach des VfL ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, was man von einem Team erwarten darf und was nicht. Verbeek: „Es gab viele Umstellungen, die Automatismen konnten nicht ganz da sein, deshalb habe ich den Spielern zuvor gesagt, dass ich von ihnen nur verlange, aggressiv und bissig zu sein, um das Spiel unbedingt gewinnen zu wollen. Das haben sie gemacht.“

Und gegen die Löwen, die sich an der Castroper Straße den Luxus erlauben konnten, mit Karim Matmour, Daniel Adlung und Sascha Mölders gleich drei Hochkaräter auf der Bank zu lassen, zeigte der VfL zumindest in Abschnitt zwei sogar eine gewisse Dominanz und verdiente sich den Sieg. Es war ein Erfolg des größeren Siegeswillens. Eine Mentalität, die man auf der anderen Seite ausgerechnet nur bei Ivica Olic, dem Routinier der Löwen, erkennen konnte. Der VfL schoss mehr direkt aufs Tor (9), erzielte mehr Ecken, flankte mehr und hatte mehr Ballbesitz, was man der Mannschaft im Vorfeld angesichts der massiven Aufstellungsprobleme nicht zutrauen konnte. Bochums Fans haben dafür ein feines Gespür.

Je größer die Sorgen auf dem Feld, umso größer die Leidenschaft und Unterstützung auf den Rängen. Was das ausmachen kann, verrät ein Blick auf die Heimbilanz: Wo auf den ersten fünf Rängen Mannschaften stehen, die alle schon an der Castroper Straße gespielt haben, aber keiner dort einen Dreier entführen konnte.

So war im Bochumer Lager nach dem letzten Heimspiel des Kalenderjahres Freude und Erleichterung angesagt. Und es gab doch noch ein richtiges Ärgernis, das beim Trainer wiederholt Kopfschütteln hervorrief: Ausgangspunkt war die 30. Minute. Peniel Mlapa war im Mittelkreis klar gefoult worden, was Schiedsrichter Benedikt Kempkes übersehen hatte. Für Trainer Verbeek ein guter Grund an der Seitenlinie mit Gesten darauf aufmerksam zu machen. Als der Ball dann ins Seitenaus befördert wurde, schlug der Niederländer den Ball zurück auf den Rasen. Dies wiederum war Grund genug für den Unparteiischen, Verbeek des Innenraums zu verweisen und als der hinter der Bande Aufstellung bezog, war dies dem Schiedsrichter immer noch nicht genug, Nach der Pause musste Verbeek auf die Tribüne.

Verbeek: „Für mich ist es unverständlich, dass der Schiedsrichter mich weggeschickt hat. Ich glaube, dass ich in dieser Situation den Ball mit meiner phänomenalen Technik zurückgespielt habe. Es war kein Grund mich auf die Tribüne zu schicken. Aber gut, so etwas passiert.“ Der Niederländer, bis dato noch nie an der Linie negativ in Erscheinung getreten, wird die mögliche Strafe vom DFB sichtlich verschmerzen können. Obwohl sich sein Team seit dem vierten Spieltag mit einer Kette von Verletzungen und Erkrankungen herumschlagen muss, ist der VfL im Vergleich zur Hinrunde 2015/16 ganze drei Zähler von den 24 Punkten entfernt, die damals nach der Hinrunde zu Buche standen. Gelingt dies erneut, dann wäre das unter den Umständen eine äußerst bemerkenswert.

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