Nach allem, was Marco Reus an diesem Tag schon in Schwung gebracht hatte, kümmerte er sich zu guter Letzt noch um ein launiges Gespräch mit Pierre-Emerick Aubameyang.

BVB

Reus lässt Dortmund wieder lachen

Daniel Berg
04. Dezember 2016, 20:49 Uhr
Foto: firo

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Nach allem, was Marco Reus an diesem Tag schon in Schwung gebracht hatte, kümmerte er sich zu guter Letzt noch um ein launiges Gespräch mit Pierre-Emerick Aubameyang.

Vor der Kabine von Borussia Dortmund nahm er seinen Kumpel freundschaftlich in den Arm und fragte ihn im Spaß ein bisschen aus.

„Auba, wie viele Tore hast du jetzt geschossen?“
„15.“
„In wie vielen Spielen?“
„13. Nicht schlecht, oder?“

Dann lachten die beiden, weil sie einander mögen und sie zusammen einen recht erfolgreichen Arbeitstag hingelegt hatten. Mit 4:1 (2:1) hatte der BVB den West-Konkurrenten Borussia Mönchengladbach geschlagen und Aubameyang stieg dabei mit zwei weiteren Treffern zum in dem Moment erfolgreichsten Stürmer der europäischen Top-Ligen auf. Doch die eigentliche Sehenswürdigkeit dieses Spiels war neben dem ebenfalls erstaunlichen Ousmane Dembélé ein gewisser Marco Reus.
In seinem ersten Bundesligaspiel von Beginn in dieser Saison dokumentierte er eindrucksvoll, welch offensive Wucht er mitbringen kann – und was dem BVB damit in den vergangenen Monaten so gefehlt hat. Aber die Schambeinverletzung, die ihn seit dem verlorenen DFB-Pokalfinale im Mai gegen Bayern München plagte und die ihm die Teilnahme an der EM in Frankreich ruinierte, ist spätestens jetzt vergessen.

Reus trainiere, als sei er nie weggewesen, hatte Trainer Thomas Tuchel jüngst gesagt. Nun spielt er, als sei er besser denn je. Zumindest gelang ihm, was er nie zuvor in der Liga schaffte: drei Vorlagen in nur einem Spiel. Eine für Dembélé, zwei für Aubameyang, vor allem jene zum 4:1 geriet hinreißend schön. Ein Hackentrick am gegnerischen Fünfmeterraum. „Die Vorlage war verrückt“, urteilte Aubameyang, „aber das ist halt Marco. Ich bin sehr glücklich, dass er zurück ist.“ Und Tuchel schwärmte: „Es ist einzigartig, mit welcher Ausstrahlung und Persönlichkeit Marco Reus zurückgekehrt ist.“

In all diesen Worten schwingt die Hoffnung mit, dass der 27-Jährige nun endlich einmal über einen längeren Zeitraum von Verletzungen verschont bleiben möge und er jene prägende Figur werden wird, von der sein Talent stets kündete. Aber ein bisschen ging es ihm in seiner Karriere so, wie dem BVB in den vergangenen Wochen: Mal lief es richtig gut, wenig später schon funktionierte kaum etwas. „Wir müssen Kontinuität in unser Spiel bringen“, sagt Reus. Er in seins, die Mannschaft in ihres. Gegenseitige Hilfe erwünscht.

Amtsenthebung möglich

Gelingt es Reus, zuverlässiger da zu sein, könnte ihm auch das Kapitänsamt anvertraut werden. Weil im Sommer ein Nachfolger für Mats Hummels bestimmt werden musste und Reus’ Rückkehr nicht absehbar war, entschied sich Tuchel für Linksverteidiger Marcel Schmelzer. Möglicherweise nur vorerst. Zwar war Schmelzer auch im Beisein von Reus gegen Gladbach Kapitän. Doch eine Amtsenthebung schloss Tuchel nicht aus: „Wir werden das vielleicht nochmal besprechen, aber bis zum Winter ist das kein Thema.“

Beim BVB bemühen sich alle Beteiligten, der Entscheidung keine allzu große Bedeutung beizumessen. Sogar Reus: „Mir ist das latte, wir sind alle Kapitäne.“ Ohnehin ist ihm derzeit wichtiger, überhaupt wieder dabei zu sein. Seine Lust auf Fußball ist augenscheinlich. Die zwei Tore und drei Vorlagen in der Champions League gegen Legia Warschau waren wegen des allgemeinen Klamauks (Endstand 8:4) eher weniger ernst genommen worden. Nun ist er so richtig zurück. Fast zumindest. „Nach einem halben Jahr Verletzungspause brauche ich schon noch ein paar Spiele“, sagt Reus, „ich denke, ab der Rückrunde bin ich bei 100 Prozent.“ Eine Erkenntnis, die mindestens in Gladbach größere Sorgen hinterlässt.

Autor: Daniel Berg

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