Das Problem Fußball und Gewalt ist bekannt. Während die Profi-Klubs eher mit Gewaltausbrüchen rivalisierender Fan-Gruppierungen konfrontiert sind, fallen in den unteren Amateurklassen vermehrt die Akteure der Klubs diesbezüglich auf. Hierbei sind auch Übergriffe gegen Schiedsrichter keine Seltenheit.

Kreis DU/MH/DIN: Härteres Durchgreifen für "Amateur-Rüpel" erwünscht

Althaus: "Haben aktuell kein Gewaltproblem"

Heiko Gaeb und Moritz Rieckhoff
03. September 2007, 12:50 Uhr

Das Problem Fußball und Gewalt ist bekannt. Während die Profi-Klubs eher mit Gewaltausbrüchen rivalisierender Fan-Gruppierungen konfrontiert sind, fallen in den unteren Amateurklassen vermehrt die Akteure der Klubs diesbezüglich auf. Hierbei sind auch Übergriffe gegen Schiedsrichter keine Seltenheit. "Schlagen im minder schweren Fall gibt es nicht", stellt Ulrich Pütz, seit April Vorsitzender der neu gewählten Kreisspruchkammer im Kreis 9 (Duisburg, Mülheim, Dinslaken), unmissverständlich klar:

"Ich war selbst 19 Jahre lang Mann an der Pfeife. Der Schutz der Referees hat oberste Priorität." Seit dem Amtsantritt der neuen Kreisspruchkammer gab es bisher elf Spielabbrüche im Kreis.

"Ein längerfristiges Urteil über unsere bisher geleistete Arbeit können wir uns noch nicht erlauben, aber es hat sich schon rumgesprochen, dass wir im Rahmen unserer Möglichkeiten hart durchgreifen", erklärt Pütz. Der "Fall Hagenshof", wo Serkan Dönmetz den Schiedsrichter bespuckte und zu einer neunmonatige Sperre verdonnert wurde, soll als Vorzeige-Urteil gelten. "Wir haben da die Höchsstrafe ausgesprochen, was auch von der Bezirksspruchkammer bestätigt wurde", verweist der 38-Jährige auf erste Teilerfolge, "ich urteile zwar ungerne über meine Vorgänger, aber einige sehr milde Urteile haben mich da schon befremdet." Für die dreijährige Amtsperiode sieht sich das fünf Köpfe starke Komitee bestens gerüstet. "Wir haben insgesamt drei aktive Schiedsrichter dabei und sind ein sehr junges Team, das die Herausforderung zeitgemäß annimmt. Wir sind hautnah dran", sieht sich Pütz mit seinem Team zur richtigen Zeit am richtigen Ort.

Während Pütz das Problem offen anspricht, scheint das Thema bei einigen Funktionären des Kreises weniger hohe Wellen zu schlagen. So ist sich Manfred Althaus, seines Zeichens Kreisvorsitzender, sicher: "Aktuell gibt es in unserem Kreis kein Gewaltproblem. Das war sicher schon ein mal anders und kann sich auch wieder jederzeit ändern, aber im Moment können wir dazu nichts vermelden." Der Verband selbst sieht es anders. So hat der Fußball-Verband Niederrhein (FVN) zur Rückrunde der abgelaufenen Saison eigens ein Dokument unter dem Titel "Sicherer Fußball am Niederrhein" veröffentlicht. Darin werden auf vier Seiten Tipps an Klubs und Schiedsrichter gegeben, wie sie sich in Konfliktsituationen richtig verhalten.

Das Problem ist, dass die Handlungsempfehlung ausschließlich nur über die Homepage des Verbandes verfügbar ist und nicht per Post verschickt wurde. Die Folge: Sowohl bei Vereinen als auch bei Verantwortlichen im Kreis ist der Versuch der Gewalt beizukommen nicht bekannt. So zeigt sich Peter Nogai, Ex-Trainer des 1. FC Hagenshof, auf Anfrage ahnungslos: "Von der Aktion des Verbandes weiß ich überhaupt nichts. Bei uns ist das nicht angekommen." Der 46-Jährige, dessen Team in der vergangenen Runde zwei Spielabbrüche zu verzeichnen hatte, weiter: "Auch bei den Vereinen, bei denen wir zu Gast waren, wurde über diese Sache nie gesprochen. Ich glaube nicht, dass dieses Schreiben allgemein bekannt ist." Auch Althaus ist das Schreiben nicht geläufig. Er grübelt und gibt zu Protokoll: "Es kann sein, dass da diesbezüglich irgendetwas vom FVN herausgegeben wurde, aber davon weiß ich nichts konkretes."

Auf Seite 2 äußern sich weitere FVN-Verantwortliche zu dem Thema

Autor: Heiko Gaeb und Moritz Rieckhoff

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